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Unmoralische Angebote?

Neue Defis: Geschäftsmann kritisiert Methode bei der Anschaffung

Garmisch-Partenkirchen - Es nervt ihn: Ein Geschäftsmann ärgert sich, dass die Sponsorengelder nicht komplett in die neu zu beschaffenden Defibrillatoren investiert werden. 

Er speichert fast alles auf seinem Computer ab. Die zahlreichen Werbeanfragen, die schriftlich oder telefonisch bei ihm landen. Und trotzdem verliert er langsam den Überblick angesichts der großen Anzahl. Als „unmoralisch“ und „Abzocke“ bezeichnet der Garmisch-Partenkirchner Geschäftsmann, der namentlich nicht genannt werden will, diese Offensive, die seit Jahren zunimmt. Mit der Polizei stand er schon in Kontakt, mittlerweile leitet er sämtliche Ansinnen an den Bundestagsabgeordneten Christian Lange (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, weiter – „bis der schwarz wird“. Erst vor kurzem bekam er wieder eine Anfrage: Es ging um neue Defibrillatoren für die Marktgemeinde, deren Anschaffung er finanziell hätte unterstützen sollen. Prinzipiell eine gute Aktion. Doch die Art der Abwicklung gefällt ihm gar nicht.

Der gemeinnützige Verein „Bürger retten Leben“, der auch mit dem Bayerischen Kultusministerium oder Landessportverband zusammenarbeitet, hat mit der Marktgemeinde eine Vereinbarung getroffen. Diese besagt Rathaussprecher Martin Bader zufolge, dass die Schockgeber fürs Herz für die Bereiche des Gewerbeviertels rund um den Bauhof und soweit möglich für das Langlaufzentrum in Kaltenbrunn beschafft und über Sponsoring der Firmen finanziert werden. Was dem Geschäftsmann allerdings sauer aufstößt, ist, dass der Verein sich dabei der „Wikom Media GmbH“ bedient. Die Mitarbeiter, die sich mit einem Referenzschreiben des Marktes ausweisen können, sprechen Firmen und Geschäftstreibende im Ort an, um diese als Werbepartner für die Beschaffung von Defis zu gewinnen. So war bereits in der Vergangenheit die Praxis, zum Beispiel bei der Beschaffung des Geräts an der Westseite des Skistadions.

Positive Erfahrungen aus der Vergangenheit

Die GmbH akquiriert die potenziellen Geldgeber aber nicht ehrenamtlich. Der Knackpunkt für den echauffierten Bürger. Er kritisiert, dass ein Teil des gesponserten Geldes für die Geräte an anderer Stelle landet. „Die Gemeinde sollte die abservieren“, sagt er. Oder das ganze Prozedere selbst in die Hand nehmen. „Ich finde es unmoralisch, dass sie sich hier von einem Verlag, bei dem ein Großteil des Geldes hängen bleibt, vor den Karren spannen lässt“, schreibt er der Tagblatt-Redaktion. Er sieht die Geschäftsleute als die Geschädigten an, weil sie auf diese Weise „mehr zahlen, als sie müssten“.

Der Vereinsvorsitzende Jochen Müller kann den Groll nicht nachvollziehen. Die Gelder einzutreiben, das könne der Verein, der sich auch bei den Gesundheitstagen engagiert sowie Infoabende und andere Herz-Veranstaltungen organisiert, in dieser Größenordnung nicht leisten. „Wikom“ bekomme je nach Leistung einen Anteil – und der halte sich in Grenzen. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Ansonsten würden die Spenden eins zu eins an den Verein und schließlich in die lebensrettenden Geräte fließen.

Die Marktgemeinde, die sich finanziell nicht beteiligt, sondern sich nur um die Instandhaltung und Wartung der Geräte kümmert, macht sich ebenfalls keine Vorwürfe. „Dass man viele Vorgänge hinterfragen und auch andere Lösungswege finden kann, möchte wir grundsätzlich nicht verhehlen“, sagt Sprecher Bader. Er stellt aber klar, dass die Kommune mit der Anschaffung von Defis eine freiwillige Aufgabe für Bürger und Gäste erfüllt und keine gesetzliche Vorschrift, die sie zum Erwerb der Geräte zwingt.

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