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Mathias Oefelein lebt mit seiner Ehefrau und vier Kindern in Brasilien, wo am Freitag die Olympischen Spiele beginnen. Er sieht Olympia skeptisch, glaubt aber: Nicht wird schiefgehen. 

Ein Land zwischen Lethargie und Euphorie

Ein Stimmungsbericht aus Brasilien

Garmisch-Partenkirchen/São Paulo - Dabeisein ist alles. Oder doch nicht? Am Freitag beginnen die Olympischen Sommerspiele in Brasilien. Bei der Bevölkerung ist wenig Vorfreude spürbar. Der Garmisch-Partenkirchner Mathias Oefelein lebt seit Jahren dort – ein Stimmungsbericht.

Drei Stunden Fahrtzeit mit dem Auto trennen ihn von Rio de Janeiro. Von seiner alten Heimat Garmisch-Partenkirchen um die 15 Flugstunden. Vor eineinhalb Jahren überquerte Mathias Oefelein den großen Teich zuletzt. Kontakt hält der 48-Jährige dennoch, sagt aber auch: „Es könnte mehr sein.“ In Brasiliens früherer Hauptstadt war er vor zwei Monaten. Beruflich. Ihn zieht’s derzeit nicht hin. „Momentan“, sagt er, „interessiert mich Rio nicht.“

Fünf Ringe. Fünf Farben. Sie symbolisieren die fünf Kontinente dieser Welt. Heuer ist die zu Gast in Brasilien. Direkt am Zuckerhut. Ab Freitag kämpfen Sportler bei den Olympischen Sommerspielen um Titel, Medaillen, um die Ehre. Bis zum 21. August lodert die Olympische Flamme. Beim Großteil der Bevölkerung ist sie erloschen – oder wurde gar nicht erst gezündet.

Oefelein lebt seit 2001 in Brasilien, wohnt mittlerweile mit seiner Ehefrau und seinen vier Kindern in São Paulo. Seine neue Heimat. Das kam nicht überraschend. Er absolvierte mehrere Praktika in dem südamerikanischen Land, 1989 zum Mauerfall verbrachte er dort ein Dreivierteljahr. Der Entschluss, endgültig dort sesshaft zu werden, fiel ihm nicht richtig schwer. Er hat dort gefunden, was er suchte: eine berufliche Spezialisierung. Heute arbeitet er als Anwalt und hauptsächlich im Bereich Corporate Training. Also als Experte für Verhandlungstechniken. Oefelein kennt die Gepflogenheiten, die Leute, die Politik. Bei Olympia, betont er, „ist aus einer sportlichen Veranstaltung eine politische geworden“. Das ist im diesjährigen Gastgeberland nicht anders.

Aktuell "herrscht Katerstimmung"

Zu verdanken hat Brasilien den Zuschlag dem Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (kurz: Lula). Ebenso wie die Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. „Er hat viele populäre Sachen gemacht“, sagt Oefelein. Soziale Projekte angekurbelt, Kredite für die untere Klasse erleichtert – dem Land zu einem Boom verholfen. Jetzt aber „herrscht Katerstimmung“. Fast die gesamte politische Elite muss sich wegen Korruption verantworten. Auch Lula wird der Prozess gemacht. Die blühende Wirtschaft ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Der Untergang der Fußballnationalmannschaft bei der WM – ein Symbol für Brasilien. So sieht das der Auswanderer.

Das einstige Idol Lula verfällt. Die Aufbruchsstimmung ist dahin. Und auch die Begeisterung der Bevölkerung hält sich in Grenzen, was das Sportspektakel betrifft. „Die große Population fragt: Was sollen wir damit?“ Zumal Brasilien Oefelein zufolge kein Land mit vielen Randsportarten ist. Der Fokus liegt auf Fußball oder Volleyball zum Beispiel. Selbst das Fernsehen überträgt nur selten Leichtathletik-Wettbewerbe.

Sorge wegen Anschlägen ist immer da

Doch viele Augen werden sich ab Freitag nach Rio richten, schauen, ob sich die Befürchtungen bewahrheiten. Anschlagsdrohungen existieren, erste Verhaftungen von Verdächtigen gab es bereits. Angesichts dessen, dass der finanzielle Notstand ausgerufen wurde, weil die Polizisten nicht mehr bezahlt werden können, bessert sich die Stimmung nicht gerade. Die Sorge vor Anschlägen, die schleppt auch Oefelein mit sich herum. Grundsätzlich. Nicht speziell auf die Olympischen Spiele bezogen. „Man kann so was nirgends mehr ausschließen.“

Weniger Bedenken hat er in puncto Zika-Virus. Die Gefahr sei begrenzt, meint er. Bei der WM weiß er von einem Fall. „Das ist reine Panik-Mache der Presse.“ Er als Familienvater versteht aber, dass Frauen – gerade Schwangere – die Reise nach Brasilien ablehnen. Auch die Kritik, dass die infrastrukturellen Voraussetzungen nicht rechtzeitig und Bauarbeiten nicht pünktlich abgeschlossen sind, nimmt er nicht so ernst. Das Auf-den-letzten-Drücker-Spielchen sei keine neue Erfindung. „Kurz vor knapp“, sagt er. „So läuft das doch immer bei Ländern wie Brasilien.“ Er ist sich sicher: Nichts wird schiefgehen.

Brasilien wird ein guter Gastgeber sein

Selbst wenn sich die frühere Euphorie der Bürger in Lethargie verwandelt hat, und die Einheimischen nicht so viele Straßen mit bunten Farben bemalen wie noch vor zwei Jahren – Brasilien wird ein guter Gastgeber sein. Daran bestehen für Oefelein kein Zweifel. „Niemand will sich blamieren.“ Brasilien sei die Reise wert, Touristen würden eine gute Zeit haben.

Er selbst hat noch keine Eintrittskarte gekauft. Wird er wohl auch nicht. „Ich glaube nicht, dass ich hingehe“, erzählt er. „Obwohl es sicher geile Feste geben wird.“ Die Zeit verbringt Oefelein dann doch lieber mit seinen Kindern, drei Stunden entfernt von dem Politikum, den Olympischen Spielen in Rio.

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