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Moderierte den Poetry Slam: Theresa Quinn.

Taschentuch-Alarm

Poetry Slam im JUZ: Stoff, der unter die Haut geht

Garmisch-Partenkirchen - Im Jugendzentrum veranstaltet das P-Seminar des Werdenfels-Gymnasiums einen modernen Dichterwettstreit. Gewinnerin Michaela Friedrich überzeugt mit nachdenklichen Tönen. 

Mitreißend, humorvoll, inspirierend, spannend, bewegend und sehr überraschend–- das war der „Poetry Slam“ einiger Werdenfels-Gymnasiasten im Jugendzentrum (JUZ) in Garmisch-Partenkirchen. Im Rahmen ihres P-Seminars gestalteten die neun Schüler eine emotionale Aufführung, in der sie selbst geschriebene Texte vortrugen. Da wurde gelacht, geweint und vor allem gestaunt: Die Leidenschaft, mit der die jungen Dichter bei der Sache waren, hat keinen der Zuhörer kalt gelassen. „Ein Poetry Slam ist ein moderner Dichter-Wettstreit“, erklärte Theresa Quinn, die den Abend moderierte. „Die Texte sind selbst geschrieben und dürfen beim Vortrag ein Zeitlimit von vier Minuten nicht überschreiten. Danach werden von der Jury Punkte vergeben.“ Diese bestand aus fünf zufällig ausgewählten Personen aus dem Publikum. Die Aufführung begleitete Karin Bues, Deutschlehrerin am Werdenfels-Gymnasium, die das Projekt ins Leben gerufen hat.

Behandelt wurden ganz verschiedenen Themen: Liebe, aktuelle Geschehnisse oder ganz einfach der Alltag. Justin Loesaus starte mit seinem Beitrag „Akku leer – leben?“, in dem er einen Vergleich seines Tagesablaufs mit der Akkulaufzeit eines Smartphones zog. Am Ende des Tages sei man müde und ausgepowert, das Handy durch die Nutzung „leer“. Über Nacht lade man seine „Batterien“ wieder auf. Zum Nachdenken regte Sarah Rahmaini an, die mit ihrem Text „Herbsttag“ eine kleine Geschichte- von einem armen Mann erzählte, der einen Geldschein findet, ihn jedoch der Besitzerin wieder zurückgibt. „Sarahs Arbeit erinnert mich immer wieder daran, dass man an das Gute im Menschen glauben muss“, sagte Quinn, die nach jedem Beitrag ein kleines Fazit zog und damit Denkanstöße gab.

Bewegend war der Beitrag von Milena Kolzem, die mit ihrem Gedicht „Du und ich“ Zuneigung und Dankbarkeit für ihren Großvater ausdrückte. Taschentücher brauchte manbeim Text von Siegerin Michaela Friedrich. Emotional und tief bewegend thematisierte sie den Verlust eines geliebten Menschen: Stoff, der unter die Haut geht. In der Finalrunde, in der die drei besten Teilnehmer noch einmal gegeneinander antraten, riskierte sie es dann, eine heikle Problematik unserer Zeit anzusprechen: Religiös begründeten Terrorismus. In einem mitreißenden Vortrag brachte sie ihre Gedanken auf den Punkt. „Ich wollte einfach die Gelegenheit nutzen, diese Dinge zu sagen“, erklärte die 17-Jährige. „In der letzten Zeit hat es viele Anschläge geben. Das hat mich inspiriert, einfach mal meine Meinung auszudrücken. Zuerst hatte ich etwas Angst und habe überlegt, ob ich mich trauen soll, das Thema anzusprechen. Aber dann dachte ich mir, dass genau das der Grund ist, warum ich es tun sollte.“

Auch Bues ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, einen Text beizutragen. Sie beleuchtete in einem inneren Monolog Feindlichkeit und Intoleranz gegenüber Migranten. Eindrücklich legte sie darin die Gedanken einer Person dar, die sich von dem „Ungeheuer“ bedroht fühlt, schließlich jedoch selbst erkennt, kein besserer Mensch zu sein, als das unbekannte Gegenüber. Bues ist stolz auf ihre kreativen Schüler. „Sie haben mir einige inspirierende Nachmittage beschert und die Aufführung ist noch viel besser gelaufen, als ich mir das vorgestellt hätte."

Franziska Kiefl

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