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Die virtuelle Welt verschmilzt mit der realen: Am Eingang des Kurparks ploppt Pummeluff auf. 

Kurpark ist kein Geheimtipp mehr

"Pokémon Go" - Ein Jagdtest in Garmisch

Garmisch-Partenkirchen - Pickachu, Schiggy, Goldini und Co. – das neue Handyspiel „Pokémon Go“ hat einen weltweiten Hype ausgelöst. Die kleinen tierischen Monster tummeln sich auch in Garmisch-Partenkirchen. Ein Jagdversuch.

Die Karte: Die blauen Stationen sind Pokéstops.

Blätter auf dem Handydisplay rascheln. Direkt am Eingang des Michael-Ende-Kurparks in Garmisch. Nichts wie hin. Schon rattert das Smartphone in der Hand. Auf dem Bildschirm ploppt es auf, das rosafarbene kugelige Tierchen mit blauen Kulleraugen. Es ist Pummeluff. Ein knuffiges Ding. Doch es muss eingefangen werden. Los geht’s. Zielen, schießen – und Peng! Der rote Pokéball schlägt auf dem Kopf der Figur ein. Geschafft. Und das war erst der Anfang.

„Pokémon Go“ ist der neueste Schrei. Das Spiel für Smartphones und Tablets, das das amerikanische Softwareunternehmen „Niantic Labs“ entwickelt hat, ist vor gut einer Woche in Deutschland erschienen und sprengt seither die Download-Charts. Die Pokémania ist ausgebrochen. Bundesweit. Weltweit.

Wer als Monster-Jäger herumziehen will, muss sich das Programm herunterladen. Das Handy wird über GPS geortet, auf dem Bildschirm sieht der Nutzer seinen Avatar und die Umgebung auf einer Karte. Darauf platziert: verschiedene virtuelle Stationen, sogenannte Pokéstops, an denen man Bälle erhält. In der Regel sind es Gaststätten, bedeutende Standorte, Sehenswürdigkeiten. Die futuristischen Figuren dagegen tauchen überall auf. Sobald eines aufploppt – insgesamt gibt es mehrere hundert verschiedene –, wandelt sich die Perspektive. Taubsi, Raupy und Co. erscheinen in der wirklichen Umgebung. Die fiktive Welt verschmilzt mit der realen.

Kurpark Garmisch ist ein Sammelplatz für Pokémon

Zurück in den Kurpark. Pummeluff soll nicht das einzige gefangene Pokémon des Tages bleiben. Sieben weitere halten sich in der Nähe auf – zumindest zeigt das Smartphone das an. Schon wenige Meter nach der Pflanzen-Uhr vibriert das Handy wieder. Federvieh Taubsi ist ein neues Jagdopfer. Von den irritierten Blicken älterer Kurpark-Besucher, die sich offensichtlich über die Generation Handy wundern, auf zum nächsten Stopp: die historische Kegelbahn. Zubat flattert über den Schotterweg nebenan. Diesmal klappt’s erst mit Versuch drei, bis die lila Fledermaus in der roten Kapsel verschwindet. Kaum fertig mit dieser Aktion, nimmt Rattfratz die Angriffsstellung ein. Das fiktive Tier hat keine Chance. Genauso wenig wie Hornliu, der braune Wurm, der bei der alten Morla, der Schildkröte aus Michael-Endes „Unendlichen Geschichte“ ins Visier gerät. Bilanz: Etwa 15 Minuten, vier Erfolge. Wo die einen Erinnerungsfotos schießen, schießen andere imaginäre Wesen ab.

Auch in Partenkirchen soll es eine Straße geben, wo sich die Tiere tummeln

Hier gibt’s Pokébälle: am Amphitheater im Kurpark.

Der Kurpark Garmisch ist für diese moderne Art der Schnitzeljagd ein El-Dorado. Es wimmelt nur so von Pokémon. Sogar eine virtuelle Trainingsarena, in der die Tiere gegeneinander kämpfen, existiert dort. Ein Geheimtipp ist der Kurpark deshalb längst nicht mehr. Überall spazieren an diesem Nachmittag Jugendliche – hauptsächlich männliche – umher. Alleine oder in Zweiergruppen. Ihr Blick: stets aufs Handy gerichtet. Sie alle sind infiziert vom Pokémon-Fieber.

„Da hinten sind zwei“, sagt Dominik Schmidt zu Alexander Feix. Die beiden Garmisch-Partenkirchner sind Jäger. Schon seit dem 7. Juli. Sie haben sich eine Vor-Version auf ihrem Gerät installiert. Ein Trick von Profis, die es nicht mehr erwarten konnten. Seither gehen die 17-Jährigen regelmäßig auf Wanderschaft. „Ich bin dann schon mal drei bis vier Stunden unterwegs“, erzählt Schmidt. 500 Pokémon hat er bereits gefangen. Einige davon an einem anderen Hotspot: „In Partenkirchen gibt’s da so eine Straße“, verrät er und grinst.

Für ihn steckt der Reiz des Spiels in der Bewegung und darin, Kontakte zu knüpfen. „Man kann sich zu Leuten dazusetzen und quatschen“, sagt er. Der Einheimische kennt aber auch die Gefahren. Das Suchtpotenzial schätzt er als hoch ein. Ebenso wie die Gefahr für Kinder, die einfach über die Straße laufen, ohne auf den Verkehr zu achten. Die Nachrichten von verletzten Pokémon-Go-Spielern kennen die Jugendlichen. Abhalten lassen sie sich durch diese Geschichten nicht. Sie sind keine Ausnahmen.

Nach gut eineinhalb Stunden reicht’s. Auf dem Weg durch die Fußgängerzone noch ein paar Bälle an Pokéstops wie am Trachtenhaus Grasegger, am alten Brunnen am Mohrenplatz oder schließlich vor dem Tagblatt einsammeln. Im Gepäck: über 30 gefangene Pokémon. Der Akku – wie leergefressen. Die Nerven – strapaziert vom nahezu Non-Stop-Vibrieren des Smartphones. Erst am Abend steht der nächste Test an – am Eibsee. Allerdings streikt der Server. Macht nichts. Baden und mit Freunden ratschen geht ohne Blick auf’s Handy sowieso besser.

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