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Sind zufrieden mit den Entwicklungen: (v.l.) Thomas Holzer, Thomas Kirchleitner, Hubert Hohenleitner, Josef Grasegger, Peter Imminger, Christian Hornsteiner, Dr. Sigrid Meierhofer und Stephan Märkl.

Ansteigende Zahlen hängen oft mit G7 zusammen

Polizei: „Der Bürger kann sich sicher fühlen"

Garmisch-Partenkirchen - Ein Jahr voller Herausforderungen liegt hinter der Polizeiinspektion: Die Flüchtlingswelle schwappte über den Landkreis. Doch ein Ereignis forderte alle Kräfte der Beamten – der G7-Gipfel in Schloss Elmau im Juni 2015.

Oberaus Bürgermeister Peter Imminger (CSU) beißt von seiner Breze ab. Eine kleine Stärkung kann ja nicht schaden, bei einem so wichtigen Thema wie diesem: der Sicherheitslage im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Garmisch-Partenkirchen und somit dem Wohl der Bürger. Die Breze ist ihm jedenfalls nicht im Hals stecken geblieben. Der Sicherheitsbericht lässt sich gut verdauen. Und das, obwohl die Beamten mit der Flüchtlingskrise und dem G7-Gipfel in Schloss Elmau vor große Herausforderungen gestellt wurden.

Über zu wenig Arbeit konnte sich Inspektionschef Thomas Kirchleitner 2015 jedenfalls nicht beklagen. Vor allem das Treffen der sieben Staatschefs im Juni zehrte an den Kräften. „Das hat länger gedauert“, sagt er, „bis die Akkus danach wieder voll waren.“ Planung, Vorbereitung und Ablauf des Einsatzes waren aufwändig – und schließlich erfolgreich. Die befürchteten Ausschreitungen blieben aus. „Gemessen an den zurückliegenden, ähnlichen Großereignissen mit hohem Mobilisierungspotenzial sowie Protesten und einer Vielzahl von Gegenkundgebungen ist die Anzahl der Straftaten äußerst gering“, berichtet auch der bayerische Polizeipräsident Robert Kopp. Das Konzept sei aufgegangen. Dennoch tauchen im Bericht Delikte auf, die mit dem Gipfel zusammenhängen. Gerade im Bereich der politisch motivierten Kriminalität gab es mehr Fälle. Von 123 linksextremistischen Straftaten im Bereich Oberbayern Süd (Vorjahr 26) sind 98 der Kripo Weilheim zuzurechnen.

Auswirkungen des G7-Gipfels spürbar

Das Politspektakels wirkte sich aber auch auf viele andere Punkte aus. Versteckt. Die Tendenz der Straftaten – steigend. Gleiches Bild bei den Sachbeschädigungen. „Da fallen zum Beispiel Graffiti drunter, die wir für G7 erfassen mussten“, erklärt Kirchleitner. Die Aufklärungsquote wäre ihm zufolge ohne Gipfel sogar besser gewesen als sonst. Macht aber nichts. Denn für den hiesigen Polizeichef ist nur ein Aspekt wichtig: das Sicherheitsgefühl der Bürger. „Und der“, unterstreicht er, „kann sich sicher fühlen.“

Worte, die er nicht ohne Grund wählt. Die Flüchtlingskrise hat im vergangenen Jahr auch den Landkreis erreicht. Das Thema, sensibel. In Garmisch-Partenkirchen wurden zum Jahresende zehn Unterkünfte für Asylbewerber und eine temporäre Erstaufnahmeeinrichtung betrieben. Straftaten blieben nicht aus. Körperverletzungen, Betrug und Diebstähle – vieles davon ereignete sich in den Asylbewerberunterkünften selbst. In Zahlen: 692 Straftaten. Dennoch bezeichnet Kirchleitner die Situation im PI-Bereich als ruhig. Er kennt die kritischere Lage in anderen Landkreisen. Dass sich die Konflikte in der Marktgemeinde und der Umgebung in Grenzen halten, glaubt er einem Umstand zu verdanken. „Das liegt sicher daran, dass wir die Flüchtlinge nicht in Turnhallen unterbringen.“

Auf das harmonische Zusammenleben blind verlassen, können sich er und sein Team aber nicht. Die Beamten fahren Streife und behalten die sozialen Netzwerke im Auge. Der Aufwand steigt kontinuierlich an. Und wächst Kirchleitner zufolge unnötig weiter. „Die ganzen Gerüchte sind am schlimmsten“, klagt er. Der Polizei-Chef ist das ständige Dementieren leid. Die Vorwürfe, die Polizei würde Delikte von Flüchtlingen verschweigen, hängen ihm mittlerweile zum Hals heraus. „Wenn was passiert ist, dann sagen wir es auch.“

Zahlen im Überblick

Alle Zahlen beziehen sich auf den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen (Garmisch-Partenkirchen, Farchant, Grainau, Oberau, Ettal, Unter- und Oberammergau):

Straftaten gesamt

2329 (in 2014: 2177)

Garmisch-Partenkirchen

1774 (1610)

Farchant

76 (89)

Grainau

118 (70)

Oberau

104 (109)

Ettal

28 (26)

Unterammergau

29 (25)

Oberammergau

200 (248)

Aufklärungsquote

63,1 Prozent (63,6)

Von 2329 Straftaten wurden 1470 Fälle geklärt und 1206 Tatverdächtige ermittelt.

Ermittelte Tatverdächtige 

943 Erwachsene, 263 Jugendliche (853, 226)

Straßenkriminalität

441 (424)

Diebstahl gesamt

666 (646)

Schwerer Diebstahl

139 (164)

Vermögens-/Fälschungsdelikte

619 (638)

Sachbeschädigung

277 (241)

Betäubungsmitteldelikte

147 (164)

Häusliche Gewalt

51 (48)

Jugendkriminalität

Tatverdächtige

21,8 Prozent (20,1)

Verkehrsunfälle gesamt

1524 (1449)

Verletzte/Tote

312 (296)/ 1(2)

Alpineinsätze

Skiunfälle

37

Bergunfälle

9

Sonstige Einsätze

10

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