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Der Stein des Anstoßes: Die Sichtschutzwand der Nachbarn, auf die Josef Schillitz blickt.

Gleiches Recht für alle?

Streit um Sichtschutzzäune

Garmisch-Partenkirchen - Familie Schillitz aus Burgrain fühlt sich von der Gemeinde  ungerecht behandelt: Ihre Nachbarn dürfen sich mit einem Sichtschutzzaun abschotten – sie aber nicht

Jeden Morgen, wenn Josef Schillitz und seine Frau Brigitte in der Küche und im Esszimmer aus dem Fenster schauen, müssen sie sich erst einmal mächtig ärgern. Sie blicken nämlich nicht wie gewohnt auf das angrenzende Anwesen des Nachbarn und zwei Birken, sondern auf einen 1,80 Meter hohen Sichtschutzzaun aus Holz. An diesem ranken sich zwar ästhetische Efeublätter, dennoch stört das Ehepaar die Sichtbehinderung gewaltig. „Wir fühlen uns eingegrenzt“, sagt Schillitz. „Bekannte sprechen uns an, ob wir im Gefängnis leben.“

Gestutzt: So sieht der Garten der Familie nach der Veränderung aus.

Aus noch einem Grund ist der Ärger über diesen Zustand gleich doppelt so groß. Auch das Ehepaar selbst hatte bis vor kurzem einen solchen Zaun auf seinem Grundstück an der Hirschbichlstraße (Ortsteil Burgrain) mit einer Länge von 1,80 und Breite von 4,80 Meter stehen. Diesen musste es aber auf Anordnung der Gemeinde im Mai auf 1,20 Meter Höhe kürzen.

Laut Martin Bader, Sprecher der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen, seien nach den Bestimmungen der Ortsgestaltungssatzung grundsätzlich keine geschlossenen Wände und Sichtschutzzäune im gesamten Ortsgebiet zulässig. Dennoch habe die Kommune versucht, sich in diesem Fall kooperativ zu verhalten.

„Zur Lösung der Problematik wurde vorgeschlagen, den Sichtschutzzaun einzupflanzen oder ihn etwas zurückzusetzen und davor eine Hecke zu pflanzen“, teilt Bader mit. „Leider ist Herr Schillitz dieser Empfehlung nicht nachgekommen und hat es auch ausgeschlossen, hier Entsprechendes vorzunehmen. Daraufhin konnte bisher nur eine Beseitigung des Zauns angeordnet werden.“

Diese Aussage kann der Burgrainer Hausbesitzer überhaupt nicht nachvollziehen. „Wir haben seinerseits sofort einen Efeu an unseren Zaun angebracht“, sagt der 75-Jährige empört. „Schon seit zwei Wintern bestand dieser und ist an unserer Wand gewachsen.“ Er und seine Frau fühlen sich benachteiligt. „Ich verstehe nicht, warum nicht alle gleich behandelt werden“, fragt sich der Rentner. Er sei mit seinem Anliegen sogar schon vor einigen Wochen bei Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) gewesen. „Sie hat mir erklärt, warum unser Zaun nicht so stehen bleiben kann. Das sehe ich ein. Sie hat mir aber versichert, dass der Sichtschutz des Nachbarn auch weg muss.“ Dies scheint aber doch nicht der Fall zu sein.

Die Gemeinde beruft sich in einem Schreiben darauf, dass mehrere Bürger mit vergleichbaren Sichtschutzzäunen angeschrieben wurden. Diese hätten „auf die ausgesprochene Empfehlung reagiert und entsprechende Vorkehrungen und Anpflanzungen getroffen, so dass von einer Beseitigungsanordnung abgesehen werden konnte“. Von einer Begrünung des Zauns der Familie Schillitz weiß die Kommune jedoch nichts. Josef Schillitz habe ihnen gegenüber geäußert, dass „eine Pflanzung von Gewächsen nicht möglich“ sei, weil unter anderem Kanal-, Wasser- und Elektroleitungen im Boden verlaufen. Bader hierzu: „Wenn Herr Schillitz den Sichtschutzzaun nun entgegen seiner Aussage wie empfohlen begrünen kann, begrüßen wir das natürlich und würden von einer Beseitigung, wie in den anderen Fällen in der unmittelbaren Nachbarschaft, absehen.“

Der Burgrainer bezeichnet diese Aussage als „eine Ausrede“. Nun sei es schließlich zu spät. Seine Schutzwand ist gekürzt. Mehrfach habe er die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass er einen Efeu angebracht hatte. Lediglich eine Hecke habe er nicht pflanzen wollen, weil er Angst hatte, dass diese Wurzeln schlagen und den naheliegenden Kanal blockieren könnte. „Meine Begrünung haben Mitarbeiter des Bauamtes gesehen“, behauptet er. Weiterhin bestehen der Rentner und seine Frau darauf, dass nun auch der Nachbar seinen Sichtschutz entfernt oder stutzt. Schillitz sagt entschieden: „Ich verlange nicht viel. Ich fordere lediglich gleiches Recht für alle.“

Magdalena Kratzer

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