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Laich in den Wald gekippt

Naturfrevel am Speichersee: Bußgeldverfahren eingeleitet

Garmisch-Partenkirchen - Das Landratsamt hat wegen des Naturfrevels am Speichersee 2014 ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Nun soll sich grundsätzlich bei den Genehmigungen was ändern.

Der Naturfrevel am Speicherteich an der Kandahar beschäftigt weiterhin die Behörden. Das Landratsamt hat nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Der Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz – Anfang Mai 2014 waren mehrere Kubikmeter Laich in den Wald gekippt worden – kann mit bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

Die künstlich angelegten Seen, aus denen die Skilift-Betreiber Wasser für die Beschneiung der Pisten schöpfen, ziehen Amphibien aller Art geradezu magisch an. Das wurde bis dato in den Genehmigungen für derartige Bauvorhaben nicht berücksichtigt. Das soll sich nun ändern, hat Grünen-Kreisrätin Tessy Lödermann aus dem Bayerischen Landtag erfahren.

Im Garmisch-Partenkirchner Fall kommt diese Einsicht zu spät, Abhilfe wollen die Verantwortlichen von der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) trotzdem schaffen. Aus dem unschönen Vorfall zieht Mattias Stauch, kaufmännischer Vorstand des Bergbahn-Unternehmens, vor allem die Erkenntnis, dass Reinigungs- und Wartungsarbeiten an den Speicherseen „künftig in enger Abstimmung mit dem Naturschutz erfolgen“.

Zwei davon unterhält die BZB. Einen mit einem Fassungsvermögen von 45 000 Kubikmetern am Bödele im Bereich der Kandahar-Abfahrt auf 1250 Metern Höhe. In den zweiten am Hausberg auf 1300 Metern Höhe passen 65 000 Kubikmeter Wasser.

Der dritte, mit 15 000 Kubikmetern wesentlich kleinere Speichersee im Landkreis befindet sich auf 1150 Metern am Steckenberg in Unterammergau. Mit den Becken in Garmisch-Partenkirchen, in denen Kunststoff- und Filzmaterial verwendet wurde, sei dieser allerdings nicht zu vergleichen, betont Liftbetreiber Alfred Richter. „Ich habe mich grundsätzlich gegen künstliches Abdichtmaterial gewehrt und deshalb Lehm verwendet.“ Amphibien aller Art siedeln sich auch bei ihm an. Beanstandungen gab es in seinem Gebiet bislang keine.

Im Zuständigkeitsbereich der BZB derweil schon. Bereits 2011 hatte Axel Doering Mitarbeiter des Unternehmens darauf aufmerksam gemacht, dass sie den Laich nicht einfach in der Sonne liegen lassen können, sondern bewässern müssen. Die mahnenden Worte des Kreisvorsitzenden des Bundes Naturschutz verhallten, denn im Frühjahr 2014 passierte etwas, was er „eine Riesensauerei“ nennt. Mehrere Kubikmeter Laich von Erdkröten, Grasfröschen und Bergmolchen – drei Tieren, die über die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind – hatten BZB-Mitarbeiter bei der Reinigung des Speichersees einfach in den Wald gekippt und damit zerstört.

Ein klarer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz, auf den Wanderer Lödermann aufmerksam gemacht hatten und den die engagierte Tierschützerin daraufhin bei der Polizei anzeigte. Nachdem die Staatsanwaltschaft München II die Ermittlungen Ende 2014 eingestellt hatte, war das Landratsamt am Zug. Und das hat nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, vermag Behördensprecher Stephan Scharf nicht sagen. „Das kann sich hinziehen.“

Soviel steht aber schon jetzt fest: Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz, zu denen auch der vorliegende Fall zählt, werden mit Bußgeld bis zu 50 000 Euro geahndet. Erste Konsequenzen hat die BZB aus der unguten Geschichte gezogen. Die Schneischächte mit Kunststoffabdeckung, die aus den Anfängen der Beschneiungstechnik stammen und die sich als Todesfallen für die Tiere entpuppt haben, werden peu à peu ausgetauscht. Von insgesamt 336 sind 60 nicht amphibiensicher. „Die dringlichsten werden sofort ausgewechselt“, kündigt BZB-Sprecherin Verena Lothes an. Ein Vorhaben, das mit 1300 bis 1500 Euro pro Schacht zu Buche schlägt.

Tanja Brinkmann

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