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Volles Festzelt: So ist es für die Steinheber (im Bild Michael Ritzer) am schönsten.

Kraftpakete kämpfen um den Sieg

Stoahebn: Ein Duell begeistert die Massen

Garmisch-Partenkirchen - Es ist ein Publikumsmagnet bei der Garmischer Festwoche: das Stoahebn bei der Garmischer Festwoche. Diesmal war es richtig spannend. Christoph Senn und Franz Ritzer lieferten sich im Schwergewicht einen packenden Kampf.

 Franz Ritzer in Jubelpose - zu früh?

Jubel brandet im Festzelt auf. Mit jedem Zentimeter, den der mächtige Stein steigt, wächst die Begeisterung. Die Spannung ist riesig, als die muskelbepackten Männer auf die Bühne marschieren, an dem 509 Pfund schweren Koloss reißen, als würden sie ihn aus der Verankerung wuchten wollen. Verbissene Gesichter, anschwellende Adern, dann aber auch triumphaler, beinahe erlösender Applaus, wenn das Gewicht krachend zu Boden fällt – das zeichnet das Steinheben aus, das traditionell am Montag im Garmischer Festzelt am Wittelsbacher Park über die Bühne geht. „Eine Tradition, die vor allem in der Alpenregion beheimatet ist“, betont Moderator Hans-Jörg Vierthaler vom Volkstrachtenverein Garmisch. „Und die führen wir fort.“

Ein Duell der starken Männern zieht die Gäste an diesem Abend besonders in seinen Bann. Im Schwergewicht, der Klasse von 100 bis 110 Kilogramm Körpergewicht, liefern sich zwei Gegner einen besonderen Kampf: Christoph Senn aus Imst und Franz Ritzer, der nach Niederbayern ausgewanderte Oberammergauer. Im ersten Versuch reißt Senn das Gewicht auf 70 Zentimeter. Die Menge grölt. Doch das ist nicht alles: Ritzer kontert, übertrifft ihn um 30 Zentimeter. „Das mag man gar nicht glauben, dass der als Beamter so viel Kraft hat“, kommentiert Vierthaler.

Im zweiten Durchgang geben beide Vollgas: Sie heben die 509 Pfund auf einen Meter – das Maximum. Somit ist klar: Es muss mehr Gewicht her. 50 Pfund kommen oben drauf. Auf dieser Stufe endet der Zweikampf. Ritzer macht Schluss. Er hat schon einen Tag zuvor an einem Wettkampf teilgenommen und spürt die Vorbelastung. „Mit 44 Jahren muss man schon etwas auf seinen Körper achten“, stellt er klar.

Sein Herausforderer will es noch wissen. Er lässt den Stein auf 609 Pfund, also rund 300 Kilo, beschweren. Unter den donnernden Anfeuerungsrufen hebt er den Brocken auf 76 Zentimeter. Triumphierend schreitet der Bodybuilder und österreichische Staatsmeister im Kraftdreikampf vom Podest. Sein Fazit: „Ich habe alles erreicht, was ich schaffen wollte.“

Christoph Senn gibt alles.

Zuvor sind die Leichtgewichte in der Gewichtsklasse bis 85 Kilo gestartet. Der Raistinger Michael Manhart setzt schon in der ersten Runde unübertreffbare Maßstäbe. 51 Zentimeter lautet sein Ergebnis. Konkurrent Simon Pechtl nähert sich ihm noch gefährlich, als er 50 Zentimeter erreicht. Doch höher kommt er nicht mehr. Auch im Mittelgewicht (bis 100 Kilogramm) gibt es einen souveränen Mann: Andreas Schleich zieht gleich im ersten Durchgang 63 Zentimeter. Spannend ist der Kampf um Rang zwei. Der Oberammergauer Dauerbrenner Michael Ritzer und Wolfgang Hiller liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Ritzer trotz der exakt selben Höhe von 56 Zentimetern für sich entscheidet. Im Superschwergewicht tritt ein kleines Feld von drei Athleten an. Robert Baumann aus dem bayerischen Wald kann keiner das Wasser reichen. Der 53-jährige Routinier, auch Weltmeister im Kreuzheben der Ü50-Klasse, macht mit 99 Zentimetern gleich im ersten Versuch alles klar.

Baumann ist wie seine Mitstreiter einmal mehr begeistert von der Stimmung im Garmischer Zelt. Denn neben Kraft, Training und einer gewissen Veranlagung sei eben die Unterstützung durch das Publikum sehr wichtig. „Deshalb komm ich sehr gerne hier her.“ Ein Lob, das die Veranstalter der Festwoche sicher gerne annehmen.

Magnus Nähbauer

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