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Ist lernwillig: Der Syrer (l.) Abdullah Mohamad macht im Autohaus von (r.) Stefan Maier eine dreijährige Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

22-Jähriger ist Beispiel für gelungene Integration

Dieser Syrer wirbt für die Bundesregierung

Garmisch-Partenkirchen - Er hat das krisengebeutelte Syrien verlassen – ohne seine Familie. Abdullah Mohamad suchte nach Frieden und Sicherheit. Gefunden hat er in Garmisch-Partenkirchen viel mehr: Arbeit, Freunde und die Chance auf ein neues Leben. Jetzt wirbt er sogar für eine Kampagne der Bundesregierung.

Dieser Anruf kam unerwartet. Am anderen Ende der Leitung das Bundespresseamt. Das hat noch nie bei Stefan Maier vom Autohaus Maier in Garmisch-Partenkirchen angeklingelt. Der Sprecher spannte den Betriebsleiter nicht lange auf die Folter: Maiers Lehrling Abdullah Mohamad soll eins der Gesichter der Kampagne „Deutschland schafft das“ werden. Das war Ende April. Heute schaut Maier auf eine Stapel bekannter Zeitungen. Sie alle enthalten die Werbung: ein Bild mit Zitaten von ihm und Mohamad – dem Musterbeispiel für gelungene Integration.

Kommen groß raus: Stefan Maier und Abdullah Mohamad sind Teil der Kampagne der Bundesregierung „Deutschland kann das“.

Der Syrer aus Afrin, einer Stadt etwa 60 Kilometer entfernt von Aleppo, hat für sein Alter schon einiges erlebt. Es war im Sommer 2013, als er sich von seinen Eltern verabschiedete, um nach Europa aufzubrechen. Ihm hätte sonst der Wehrdienst gedroht. Also fasste er den Entschluss, vor dem Bürgerkrieg davonzulaufen. Leicht fiel es ihm nicht. Seine Flucht führte in die Türkei, nach Griechenland und von dort mit dem Boot übers Mittelmeer nach Italien. Doch der Kapitän verlor die Orientierung. Mohamad durchlebte vier Tage voller Angst, voller Ungewissheit, ob er heil ans sichere Ufer zu kommt. Die Irrfahrt endete gut, er landete in Italien und schließlich in einem Flüchtlingsheim in München. Nach einem Monat ging es nach Bad Kohlgrub, wo er weitere fünf Monate in einer Asylbewerberunterkunft wohnte und auf die Dokumente wartete, die ihm seine Aufenthaltserlaubnis bescheinigten. Nein, glücklich war er nicht in dieser Zeit. „Man macht gar nichts, sitzt nur zuhause und langweilt sich“, erzählt der 22-Jährige heute im Büro seines Chefs.

Nichtstun ist nichts für ihn. Mohamad braucht eine Beschäftigung. „Er ist das Buckeln gewohnt“, sagt Maier. In seiner Heimat werkelte er auch schon an Karosserien herum.

Arbeitsagentur vermittelt Kontakt zum Autohaus

Jetzt in Garmisch-Partenkirchen hat der anerkannte Flüchtling sein Glück gefunden. Er besucht Deutschkurse, zog in eine WG mit zwei Schicksalskameraden und machte sich auf die Suche nach einem Job. Nach vergeblichen Bewerbungsversuchen stellte die Arbeitsagentur schließlich den Kontakt zu Maiers Werkstatt, einer Tochterfirma des Autohauses Hornung, her. Bingo.

Mohamad hinterließ beim ersten Gespräch einen guten Eindruck und hatte damit ein zweiwöchiges Praktikum in der Tasche. Und überzeugte. „Alle Mitarbeiter waren beeindruckt von ihm“, sagt Maier. Seine Zuverlässigkeit, seine Willensstärke, sein Fleiß – all diese Tugenden haben dazu beigetragen, dass der Autohaus-Betriebsleiter ihm eine Lehrstelle zum Kfz-Mechatroniker anbot – im Rahmen der sogenannten Einstiegsqualifizierung, bei der die Arbeitsagentur im ersten Jahr einen Teil des Lohns übernimmt. Im Oktober 2015 startete der Syrer seine Ausbildung. Sein Chef sagt: „Ich hatte ein gutes Bauchgefühl mit ihm.“

Der Syrer pfeift auf Freizeit und lernt

Es hat ihn bis heute nicht getäuscht, Mohamad ihn nicht enttäuscht. „Abdullah ist kreuzbrav, stets pünktlich, begabt und scheut sich auch nicht vor Überstunden“, betont Maier. „Ich finde kein negatives Wort für ihn.“ Er ist mit dem Engagement des 22-Jährigen, der arabisch, kurdisch, englisch und inzwischen sehr gutes Deutsch spricht, voll zufrieden. Um die Sprache zu lernen, paukt der Lehrling intensiv, nimmt sogar Nachhilfe bei einem Kollegen. Das hilft ihm, um den Fachjargon in der Berufsschule in Herzogsägmühle besser zu verstehen. Ein bisschen Bairisch hat er mittlerweile auch in petto. Worte wie „freili“ oder „a Hoibe“. An Ehrgeiz fehlt es Mohamad nicht: „Es wäre gut, wenn ich mal Meister werde, jetzt aber erstmal Geselle.“

Um seine Ziele zu erreichen, verzichtet der Flüchtling gern auf Freizeit. Nach der Arbeit geht’s ans Büffeln oder zu den Fahrstunden für den Führerschein. Nur am Sonntag, „da nehme ich mir frei“, sagt er und grinst. Da erkundet er seine neue Heimat. Am Eibsee war er schon, einmal hat ihn ein Arbeitskollege auf den Berg mitgenommen. „Das gefällt mir optimal.“

Nur eines fehlt dem jungen Mann noch: eine eigene Wohnung. Die WG am Kainzenbad ist klein. Für drei Personen zu klein, um dort in Ruhe lernen zu können. Seit sechs Monaten etwa ist er auf der Suche nach einer anderen Bleibe. Sein Chef hilft ihm. „Ich verbürge mich für ihn“, sagt Maier. Denn für ihn und den Betrieb war Mohamad wie ein Lottogewinn.

Deshalb hat der Kfz-Meister auch nicht lange mit der Zusage für die Kampagne gezögert. Seinen Angestellten hat er relativ schnell geködert: „Ich hab’ gesagt, dass sich das die Bundeskanzlerin anschaut.“ Mohamad willigte ein, meisterte einen Tag lang die anstrengenden Fotoshootings und Interviews. Und ist stolz darauf, von der Bundesregierung ausgewählt worden zu sein. Die Zeitungsausschnitte hat er schon an seine Familie in Syrien geschickt. An den Ort, den er verlassen musste, um am Ende seiner Flucht, sein Glück im Werdenfelser Land zu finden.

Wohnung gesucht

Abdullah Mohamad und sein Mitbewohner Renas Tahlo, der beim Autohaus Hornung arbeitet, suchen jeweils nach einer kleinen Wohnung. Mietzahlungen bis zu 500 Euro warm sind gesichert. Wer helfen kann, kann sich beim Autohaus Maier oder unter Telefon 0 88 21/7 08 36 20 melden.

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