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Einmal Pfoten-OP bitte: Max, der Tiger von Lukas, in den guten Händen von (v.l.): Anästhesistin Dr. Veronika Ullrich, OP-Schwester Kerstin Fell und Chirurg Niklas Gerwens

Beste Pflege für plüschige Pfoten

„Teddy-Klinik“: Aktion kommt gut an

Garmisch-Partenkirchen - Das Konzept ist einfach und funktioniert deshalb so gut. Wenn Kinder ihre „kranken“ Kuscheltiere zum Arzt bringen, verlieren sie selbst die Angst vor einer Behandlung. In Garmisch-Partenkirchen gab es zum zweiten Mal eine „Teddy-Klinik“ – wieder war die Aktion ein voller Erfolg.

Mit besorgter Miene verfolgt Jonas Wiedl aus Altenau, wie sein Plüschtiger auf den OP-Tisch gelegt wird. „Er hat sich alle vier Pfoten gebrochen“, sagt der Fünfjährige mit ernster Stimme. Aber die Rettung naht. Nach wenigen Minuten ist alles überstanden, und der süße Bub kann sein geliebtes Stofftier, das nun mit einem gelben Pflaster an der Vorderpfote und einem blauen Verband um den Unterschenkel versehen ist, wieder ganz fest an sich drücken. Jonas bekommt noch ein Rezept, Medikamente (eine Pillendose mit Traubenzucker) sowie eine Tapferkeitsurkunde mit auf den Weg: „Es war gar nicht so schlimm“, sagt der Fünfjährige. Er ist eines der Kinder, die an diesem Tag gücklich das Klinikum Garmisch-Partenkirchen verlassen.

„Jonas und sein Tiger sind individuell und realitätsnah und mit viel Liebe zum Detail behandelt worden. Ich bin sicher: Wenn mein Sohn mal selbst ins Krankenhaus muss, wird er keine Angst mehr haben“, erklärt seine Mutter Kathrin. Sie ist mit ihrem Kleinen in die „Teddy-Klinik“ gekommen, die heuer fast 500 Kinder besuchen.

An drei Tagen kümmern sich Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal und Auszubildende der Berufsfachschule für Kinderkranken- und Krankenpflege mit viel Liebe und Engagement um die Stofftiere. Diese werden untersucht, geröntgt, operiert und bandagiert – alles zum Trost ihrer kleinen Besitzer. „Die Kinder sollen hier ihre Berührungsängste mit Ärzten und Krankenhäusern abbauen und verlieren“, beschreibt Katja Hauenstein den Grundgedanken. Die Uro-Therapeutin, die sich normalerweise um einnässende Kinder kümmert, hat diese Aktion nun schon zum zweiten Mal organisiert. Sie freut sich über den regen Zuspruch.

Schließlich ist in der 260 Quadratmeter große Teddy-Klinik in der Magistrale des Klinikums immer viel los: Dort wurde ein richtiges Miniatur-Krankenhaus mit Patientenaufnahme, Behandlungs-räumen, OP, Gipsbereich, Zahnarztpraxis, Apotheke und Röntgenabteilung nachgebaut. Die Kinder dürfen ihre Schützlinge, darunter Schlangen, Elefanten, Krokodile, Hasen oder Pinguine, sogar bis in den Operationssaal begleiten. Erst berichten sie dem Doktor, was genau passiert istund worunter ihr Kuscheltier leidet, dann geht es auf die entsprechenden Stationen weiter.

So lernen die Kleinen nicht nur auf spielerische Art gesundheitsfördernde Maßnahmen und entsprechendes Verhalten kennen, sondern bauten vielleicht vorhandene Ängste ab. Auch einen Krankenwagen dürfen die Buben und Mädchen besichtigen.

Claudia Frank (35), die mit ihren drei Kindern gekommen ist, kennt die Teddy-Klinik schon vom vergangenen Mal. Diesmal hat der Löwe ihres sechsjährigen Sohnes Sami akute Zahnschmerzen und muss in der Praxis von Dr. Claudia Schütte liebevoll behandelt werden. „Die Kinder fühlen sich angenommen und aufgehoben. Sie verlieren durch das aktive Rollenspiel ihre Furcht“, lobt sie die Mediziner.

„Es ist schön zu beobachten, wie die Kinder sich hier während der Behandlung ihrer Allerliebsten langsam entspannen und Vertrauen zu uns fassen“, erklärt Dr. Niklas Gerwens. Der Urologe operierte in der Teddy-Klinik so manch einen durch zu viele Gummibärchen überlasteten Magen, gebrochene Beine oder Flügel, nähte abgerissene Ohren wieder an und verband zahlreiche Wunden. Nachhaltige Erfahrungen und Erlebnisse, wie Karin Lämmer bestätigt. Die Leiterin des Altenauer Kindergartens hat nicht das erste Mal mit ihren Schützlingen die Aktion besucht. Nach dem bislang letzten Mal „sprachen die Kinder noch wochenlang von diesem Erlebnis.“ Lämmer kenne einige Eltern, die ihre Kleinen nun lieber nach Garmisch-Partenkirchen als in die nahe gelegenen Kliniken nach Schongau oder Weilheim bringen. Das Konzept eines Teddybär-Krankenhauses stammt übrigens ursprünglich aus Skandinavien, in Deutschland entstand die erste Klinik dieser Art 1999 in Heidelberg.

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