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Sie prägen das Ortsbild: In der Garmischer Fußgängerzone trifft man momentan vermehrt verschleierte Frauen. Die Zugspitzregion ist ein beliebtes Urlaubsziel für arabische Gäste.

Mehr Araber als US-Touristen

Immer mehr arabische Urlauber zieht es nach Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen - Rücksicht auf andere Essgewohnheiten, verstärkter Service und Verhandlungsgeschick in hiesigen Geschäften – in Garmisch-Partenkirchen reagiert man flexibel auf den Zustrom von Urlaubern aus den Golfstaaten. Inzwischen kommen sogar mehr Araber als US-Touristen in den Ort.

Dem Sultan des Omans sei Dank – in Garmisch-Partenkirchen prägen in der Hauptferienzeit Touristen aus den Golfstaaten das Ortsbild. Seit der 75-jährige Qabus ibn Said, der milliardenschwere Herrscher des arabischen Sultanats, zu Füßen der Zugspitze Urlaub macht, tun es ihm viele Familien aus arabischen Ländern gleich. Es hat sich im Oman, in Dubai und Kuwait längst herumgesprochen, dass es sich in dem Alpenort für einige Wochen im Jahr gut leben lässt.

Die Zahlen belegen es: Mit fast 53 000 Übernachtungen nahmen die Urlauber aus den arabischen Golfstaaten den USA 2015 den Spitzenplatz im Auslandsgeschäft ab. Das Plus gegenüber 2014 beträgt satte 44 Prozent. Die USA rangieren mit 49 000 Übernachtungen auf Platz zwei. Immer beliebter wird die Zugspitzregion auch in China. Der Zuwachs liegt bei der aktuellen Halbjahresbilanz mit rund 5800 Übernachtungen (im Vergleich zu mehr als 3000 Übernachtungen im Jahr 2015) bei 87 Prozent.

Die Vermieter im Ort stellen sich auf diese Trends ein. „Unsere Hoteliers sind megaflexibel, um den Wünschen der Gäste gerecht zu werden“, sagt Jutta Griess vom örtlichen Hotel- und Gaststättenverband. Das heißt auch, sich besonders der mitreisenden Kinder anzunehmen, die in den arabischen Familien einen hohen Stellenwert genießen. „Da kommen wir den Gästen mit zusätzlichen Kinderbetten in den Zimmern entgegen.“ Und wenn der Nachwuchs im Speisesaal oder am Swimmingpool etwas lauter ist – das macht nichts.

Auch die Gastronomie hat auf die Essgewohnheiten der arabischen Urlauber reagiert. „Das bedeutet nicht, dass wir Schweinefleisch ganz von der Speisekarte nehmen“, sagt Griess. Beim Frühstücksbuffet würden aber entsprechende Produkte gekennzeichnet.

Sehr beliebt ist die indische Küche. „Sie ist der arabischen in gewisser Hinsicht ähnlich“, sagt Singh Jatinder Pal vom Restaurant Bollywood im Ortsteil Garmisch. Das Menü enthält generell kein Schweinefleisch. Seit zirka sechs Jahren fällt Pal der starke Zustrom aus den Golfstaaten auf. Den Geschäftsmann freut’s. Die Araber empfindet er als „sehr nett“.

Diese unterscheiden sich in so mancher Hinsicht von anderen Urlaubern – und das nicht nur im Erscheinungsbild. Davon kann auch Michaela Nelhiebel von der Werbegemeinschaft „Garmischer Zentrum“ ein Lied singen. „Arabische Damen erfordern ein wenig mehr Aufmerksamkeit“, hat die Mitinhaberin des Optikergeschäfts Schneider am Kurpark gelernt. „Sie kommen öfter, bis sie sich entscheiden. Und selbstverständlich wollen sie den Preis runterhandeln.“

Derzeit sind Sonnenbrillen der Renner. „Es soll natürlich das neueste Modell sein“, so Nelhiebel. Für verschleierte Araberinnen wurde ein separater Raum eingerichtet, in dem sie diskret und ausschließlich von weiblichem Personal beraten werden und Brillengestelle mit enthülltem Gesicht testen können, ohne dass ihre religiösen Gefühle verletzt werden.

Kathrin Schneider von der Boutique Buchwieser in der Chamonixstraße betreut ebenfalls viele arabische Kundinnen. Auch bei ihr wollen viele beim Preis handeln. „Mit Neuware lässt sich da nichts machen“, sagt Schneider. „Bei reduzierten Teilen kann man kleine Ausnahmen machen.“ Die Verkäuferin empfindet die Gäste aus den Golfstaaten als „angenehm“. Den Laden verlassen sie oft mit vollbepackten Tüten. Schneider weiß: „Meistens wird gleich für die ganze Familie eingekauft.“

Der Sultan des Omans macht sich indessen bei seinen Besuchen in Garmisch-Partenkirchen rar. Der 75-Jährige taucht so gut wie nie im Ort auf. Er bleibt lieber in seinem streng bewachten Refugium. Von seiner Anwesenheit zeugen allenfalls Nobellimousinen mit verdunkelten Scheiben. Zudem ist sein Begleittross recht präsent im Ort. Auch die Gefolgsleute des Monarchen lassen gutes Geld im Landkreis.

Magdalena Kratzer und Paul Winterer

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