In der Kritik: Die Ausstellung "Die Kehrseite der Medaille". Hier: der frühere Bürgermeister Thomas Schmid besucht mit Dr. Charlotte Knobloch und Alois Schwarzmüller die Wiedereröffnung. 

Fördermittel wichtig, um Qualität zu erreichen

Kritik an Missständen im Kulturangebot

Garmisch-Partenkirchen - Deutliche Worte: Dr. Constanze Werner übte Kritik, gab aber auch Verbesserungsvorschläge. Und einen Ratschlag: Die Fachfrau plädiert für einen Kultur-Manager.

Immer wieder betonte es Dr. Constanze Werner. Die Leiterin der Museen in Oberammergau und Mittenwald wollte niemanden im Tourismusausschuss des Marktgemeinderates Garmisch-Partenkirchen auf den Schlips treten. Vielmehr ging es der Fachfrau bei ihrem Vortrag zum Thema „Kunst und Kultur im öffentlichen Raum“ darum, Missstände im Kulturangebot aufzudecken. Das stieß nicht bei allen Sitzungsteilnehmern auf Wohlwollen.

Werner, die auf Anregung von Ursel Höger gekommen war, nannte nach einer theoretischen Einführung die Problemfälle schnell beim Namen. „Die Michael-Ende- Ausstellung ist veraltet und heruntergekommen, alles andere als Image tragend“, sagte sie. Auch die Ausstellung im Olympiahaus „Die Kehrseite der Medaille“, die allein aus Papier und Texten bestehe und nicht mehr sei, als „an die Wand gepappte Flyer“, blieb von ihrer harschen Kritik nicht verschont. Ihre Verbesserungsvorschläge folgten prompt. Werner betonte, dass es, wenn es um die Auswahl der Künstler geht, eine unabhängige, fachlich kompetente Jury, die Kriterien darüber aufstellen muss, ob eine geplante Ausstellung ins Leitbild der Gemeinde passt. Ansonsten müsse man konsequent ablehnen. „Aber hier kann ein jeder ausstellen, selbst ich, wenn ich nur beharrlich genug wäre“, behauptete die Expertin. Die Schuld dafür gibt sie allerdings nicht den Kulturtreibenden. Vielmehr der Politik, die in erster Linie gefordert sei. Der eine oder andere fühlte sich offenbar dann doch – wohl auch persönlich – angegriffen.

Christian Ruf, Leiter des Kulturhauses, dementierte, dass es keine Jury gibt. „Vielleicht sollten Sie sich besser informieren, bevor sie solche Dinge unterstellen“, wandte er sich ein wenig pikiert an die Rednerin. „Die Künstlerbünde entscheiden über die Vergabe, und es gibt durchaus Kriterien.“ Werner konterte, machte ihre Meinung dazu deutlich und gab die Neutralität dieser Bünde zu bedenken.

In einem Ausblick deutete Werner dann auch zukunftsweisende Perspektiven an. „Wir haben eigene Musik- und Kultur-Traditionen, auf die wir zurückgreifen sollten“, sagte sie. Lösungswege jagte sie gleich hinterher. Zum Beispiel, in dem man aus dem Olympia-Stadion einen Erlebnisraum ganz eigener Art gestaltet. Auch im Kurhaus erkennt sie Verbesserungspotenzial. Ihr zufolge müssten die Ausstellungsflächen im Erd- und Obergeschoss aufeinander abgestimmt werden. Immer unter der Maßgabe, dass sie einem zuvor aufgestellten Leitbild entsprechen.

Werner beabsichtigte nicht, die Marktgemeinde an den „Pranger zu stellen“, wollte nur Hilfestellung geben. Auch wenn sie dafür härtere Töne anschlagen musste. Einer ihrer Kernpunkte war dabei auch die Fördermöglichkeiten, die von immenser Bedeutung seien. „Garmisch-Partenkirchen verfügt eben nicht wie München über große Wirtschaftsunternehmen“, stellte sie klar. Die Folge: Solche Kommunen, deren Haushalt bekanntermaßen begrenzt ist, sind auf verschiedene Fördertöpfe angewiesen. „Man muss andere Wege beschreiten, um ein Höchstmaß an Qualität in Sachen Kultur zu gewährleisten.“

Allgemeine Worte, aus der ein Ratschlag für die Zukunft resultierte. Werner forderte den Markt dazu auf, einen eigenen Kultur-Manager mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund zu engagieren, der sich vor allem auch in der Vergabe von Fördermitteln auskennt. Unterstützt werden müsste dieser laut der Expertin von einem Beirat aus Fachleuten.

Nachdem Werner ihre Meinung deutlich äußerte, zog sie schließlich ihr Resümee. Kultur müsse unter Führung von Politik und Gemeinden von Profis gemacht und überwacht werden.

Die Anwesenden hörten der Referentin bei ihrem Auftrag aufmerksam zu – und nahmen die Kritik an. „Sie haben sicher in vielem recht“, sagte Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) und gab ein Versprechen ab. „Einige Ihrer Anregungen werden wir sicher am 3. Juni auf unserer Kultur-Klausur besprechen.“ Auch Tourismusdirektor Peter Nagel stimmte Werner zu, dass man aus dem Bereich Kultur deutlich mehr herausholen könnte. „Es gibt zwar ein touristisches Leitbild und einen Sechs-Jahres-Plan, in dem Kultur ein Baustein ist. Aber in Sachen Kultur spielen wir nicht in der Bundes-, derzeit nicht einmal in der Kreisliga mit.“

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