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Großbaustelle im Landkreis

Umfahrung Oberau: Jetzt wird's spannend

Oberau - Die Zeit und Wetten laufen: Bei welcher Tunnelröhre wird als erstes der Durchbruch gefeiert? Bislang sind 500 Meter im Berg geschafft. Doch bald treffen die Mineure auf den „Gießenbach-Schotter“. Eine große Herausforderung bei der Umfahrung Oberau.

Kroaten gegen Slowaken: Auf der Baustelle für die Umfahrung Oberau ist ein Wettstreit entbrannt. Wer schneller vorankommt: die Tunnelbau-Mannschaft im Westen oder die im Osten. Erstere liegt deutlich vorne – dort haben die Arbeiten ja auch begonnen. Bereits 580 Meter führt der Tunnel dort schon in den Berg, im Osten sind’s 400. Aber: „Da holen sie ordentlich auf“, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern. Etwa zehn Meter Vortrieb schaffen die Arbeiter pro Tag, im Osten ein bis zwei Meter mehr. Doch bleibt nicht mehr viel Zeit, wollen sie ihre Kollegen noch vor dem Gießenbachtal einholen. Das erreichen sie wohl im Herbst; ein Überholen ist dann unmöglich. Denn aus statischen Gründen müssen die beiden Röhren dort einen 150-Meter-Abstand einhalten.

Ob nun der linke oder rechte Tunnel zuerst ankommt – „ingenieurstechnisch sehr anspruchsvoll“ wird’s auf jeden Fall. Aufgrund des lockeren Gesteins – „Gießenbach-Schotter“ hat’s Seebacher getauft – wird es Senkungen geben, da sind sich die Experten einig. Davor müssen die Firmen und Häuser oberhalb des künftigen Tunnels geschützt werden: Mit Zement, der in die zahllosen unterirdisch verlegten Rohre gepresst wird, werden die Gebäude zunächst um ein bis zwei Zentimeter angehoben. Wird im Tunnel gearbeitet, setzt es sich wieder um diese Höhe. Exakt lässt sich messen und steuern, wo wie viel Zement benötigt wird. Drei- bis fünfmal ist das Prozedere wohl nötig, bis der Tunnel in diesem Bereich auf einer Länge von zehn bis zwölf Metern ausbetoniert ist. „Dann kann sich nichts mehr setzten.“ Erste Probepressungen sind bereits vorbei – hat alles gut geklappt. Während in diesem Fall also eine genaue Prognose erstellt werden kann, bleiben bei zwei weiteren Punkten Fragezeichen. Die erste Unbekannte: das Gestein. Wie berichtet, wurde Thallium gefunden. Zwar in einer unbedenklichen Konzentration, jedoch fiel sie höher aus, als Experten dies anhand der Probebohrungen vermutet hatten. Deshalb sei der Tunnelbau ja „die Königsdisziplin“, sagt Seebacher: „Man dringt in Bereiche vor, in denen noch nie ein Mensch war.“ Bislang hielten diese keine weiteren giftigen Überraschungen bereit. Doch man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Auch wenn es mit großem Aufwand verbunden ist.

Wie bei der Unbekannten Nummer zwei: dem Wetter. Und das kann durchaus für Probleme sorgen. Bei Gewittern im Sommer könnte das Wasser im Gießenbach so stark steigen, dass es in den Tunnel läuft. „Dann hätten wie ein massives Problem“, sagt Seebacher. „Wasser ist sehr gefährlich bei dieser Bauweise.“ Um diese zu verhindern, wurden hinter dem Aldi-Parkplatz eine Art Notüberlauf samt Wasserleitungen, Brunnenschächten und Pumpen gebaut. Im Notfall pumpen die Anlagen Wasser aus dem Gießenbach in die Rohre; an anderer Stelle wird es wieder eingeleitet. Dafür wird der Bach auf einer Länge von bis zu 300 Metern abgedichtet – Naturschützer dürften darauf wenig begeistert reagieren. Seebacher verspricht daher: „Mit dem Flussmeister wird alles wieder hergerichtet. Danach ist’s hoffentlich schöner als zuvor.“ Diese Renaturierung liegt in weiter Ferne: Ende September, Anfang Oktober wollen die Mannschaften das Gießenbachtal erreichen. Dort geht’s nur langsam voran. Mit zwei bis drei Metern pro Tag wär’ man zufrieden; nur Bagger sorgen für den Vortrieb. Anders als jetzt. Dreimal täglich wird in jeder Röhre gesprengt. „Da gibt’s einen gewaltigen Rums“, sagt Seebacher. Ob es Beschwerden gegeben habe? Der Pressesprecher formuliert es positiver: „Der eine oder andere war überrascht, wie laut es ist.“ Im Fokus der Experten steht jedoch nicht der Lärm: Noch übersteigen die Erschütterungen die Grenzwerte, weshalb nach wie vor nur drei- und nicht viermal täglich gesprengt werden kann. Die Zeit drängt. Es muss alles glatt gehen, sollen die Autos Ende 2021 durch den Tunnel rollen. „Das wird äußerst knapp.“ An den Mannschaften sollte es nicht scheitern. Sie geben Vollgas, Tag und Nacht. Nach dem Gießenbachtal trennt sie nur der Kirchbichl vom Ausgang im Süden. Den wollen sie Ende 2017 erreichen. Ob die West- oder die Oströhre zuerst durchbricht – die Wetten laufen.

Katharina Bromberger

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