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Schule im Abrams-Komplex: Reinhard Flemisch unterrichtet aktuell acht Kinder.

Der etwas andere Unterricht

Flüchtlingskinder lernen voller Motivation

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald – Der Unterricht von knapp 200 Flüchtlingskindern bleibt die Herausforderung für das Staatliche Schulamt in Garmisch-Partenkirchen. Um die zu meistern, wurden in der Erstaufnahme-Einrichtung zwei Klassen geschaffen. 

Die Vorstellungsrunde klappt – fast – perfekt. Ihre Namen, ihr Alter und das Land, aus dem sie fliehen mussten, nennen die vier Mädchen und vier Buben schon in gutem Deutsch. Und auch die Uhrzeiten, die Reinhard Flemisch den 6- bis 14-Jährigen aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine in einem der beiden Klassenzimmer in der Erstaufnahme-Einrichtung in Garmisch-Partenkirchen beibringt, klappen bereits recht gut. Bilder und Basteleien schmücken die Wände. Außerdem haben der Pädagoge und seine Kollegin Elisabeth Schlichte Symbolbilder aufgehängt. Darunter steht, was darauf passiert, um den Schülern so das deutsche Wort zu vermitteln.

Es ist kein Unterricht, wie ihn der Oberammergauer aus seiner langjährigen Praxis kennt. Nicht der übliche Lehrplan greift, auch nicht der, der für Übergangsklassen gilt. Die Schüler, die ihm mit gespannten Gesichtern folgen und sich bei jeder Frage eifrig melden, hat er nur kurz unter seinen Fittichen. Manche nur wenige Wochen, andere einige Monate. Solange, bis sie von der Regierung von Oberbayern vom Abrams-Komplex verlegt werden. „Spracherwerb und bei manchen die Alphabetisierung stehen hier im Mittelpunkt“, erklärt Schulrat Markus Köpf. „Ziel ist es, dass die Kinder an ihrem nächsten Aufenthaltsort eine gewisse Basis haben.“

40 Kinder kommen in den beiden Klassenzimmern unter

Knapp zwei Wochen vor den Sommerferien begann der Unterricht in der Erstaufnahme-Einrichtung. 40 Kinder könnten in den beiden Klassenzimmern unterkommen. Zu Beginn waren es 21, aktuell sind es 8. Möbel und Ausstattung wurden aus Schulen des gesamten Landkreises zusammengetragen. Für die Beleuchtung und den erforderlichen Brandschutz sorgte das Landratsamt, die Rechnung geht allerdings an den Markt Garmisch-Partenkirchen, der Sachaufwandsträger ist, da die beiden Klassen der Grund- und Mittelschule am Gröben zugeordnet sind.

Flemisch, der sich wie seine Kollegin freiwillig für dieses Projekt gemeldet hat, macht eine ganz neue Erfahrung. Schon nach wenigen Tagen musste er den ersten Abschied verschmerzen und die Kinder – „die halbe Klasse hat zum Heulen angefangen, das war wirklich hart“ – trösten. Auch ihm ist der abrupte Wegzug von drei seiner Schützlinge „ans Herz gegangen“. Mittlerweile hat er sich darauf eingestellt und verinnerlicht, dass jederzeit neue Kinder zum Unterricht kommen können oder vertraute gehen müssen.

Übergangsklasse in Mittenwald für den Schulabschluss

Köpf ist klar, dass diese Umstände die Lehrer vor besondere Herausforderungen stellen. Genau wie die, jugendlichen Asylbewerbern einen Schulabschluss zu ermöglichen. Etwa 20 Mädchen und Buben im Alter von 14 bis 15 Jahren betrifft das aktuell. „Für sie soll es nun auch eine Übergangsklasse geben“, sagt der Schulrat. An der Mittelschule Mittenwald werden die Flüchtlingskinder voraussichtlich ab Anfang kommender Woche gemeinsam unterrichtet – und zwar die aus Klassen in Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. Vor dem tatsächlichen Start gilt es noch, Transportfragen zu klären. Hintergrund ist „die Entlastung der Abschlussklassen“, betont Köpf. Den Asylbewerbern wird die Möglichkeit geboten, eine besondere, eine weniger theorielastige Prüfung zu machen, um dann ins Berufsleben zu starten.

Die Belastung der Schulen möglichst gering zu halten, war auch der Auslöser, zwei Klassen im Abrams-Komplex einzurichten. Die häufigen Wechsel sollten den Einrichtungen erspart werden. „Das wäre nicht zumutbar“, meint Köpf. Was ihm und den Lehrern, die dort unterrichten und dafür „eine Engelsgeduld“ mitbringen, auffällt, ist die enorme Motivation der Schüler. „Die Kinder gehen sehr gerne in die Schule, für einige war’s richtig schlimm, dass Ferien waren“, erzählt Köpf. Vor allem die acht, die momentan mit ihm büffeln, sind Flemisch zufolge sehr brav. „Im Juli war’s etwas lebendiger, da hatten wir viele Afrikaner in der Klasse“, erinnert sich der 49-Jährige.

Was er den Kindern beibringt, kann er weitgehend frei gestalten. Der Unterricht im Team, das heißt alle Altersklassen lernen zusammen, hat sich bereits bewährt. Nur in Mathe gibt’s unterschiedliche Aufgaben. Zahlen stehen auch an diesem Vormittag im Fokus. Allerdings nicht zum Rechnen, sondern um die Uhr zu lesen – mit Zeigern und digital. Eine Aufgabe, mit der die Mädchen und Buben ziemlich gut klarkommen. Wenn Flemisch sie für die korrekte Antwort lobt, strahlen sie. Spaß am Unterricht, den haben wirklich beide Seiten: die Schüler und ganz besonders ihr Lehrer.

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