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Verliert Garmisch-Partenkirchen den Weltcup?

Verliert Garmisch-Partenkirchen den Ski-Weltcup?

Garmisch-Partenkirchen - Ist es nur Säbelrasseln oder doch eine ernsthafte Diskussion? Derzeit prüft DSV-Präsident Alfons Hörmann, ob es Alternativen zum Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen gibt.

Die Stimme sagt viel aus über einen Gesprächspartner und dessen Befinden. Alfons Hörmann hört sich in diesem Moment sehr ernst an, seine Worte wählt er mit Bedacht, doch es bricht sich wenige Tage vor den vier Weltcup-Rennen an der Kandahar angestauter Ärger spürbar Bahn. Der mächtige Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) sagt mit fester Stimme: Die Frage einer erneuten Bewerbung für Alpine Ski-Weltmeisterschaften 2021 oder 2023 stelle sich ihm derzeit überhaupt nicht. Dafür hatte sich der Vorsitzende des Skiclubs Garmisch, Peter Fischer, im Interview mit dem Tagblatt ausgesprochen. Vielmehr „müssen wir sehr grundsätzlich diskutieren, ob wir als DSV dauerhaft in Garmisch-Partenkirchen gut aufgehoben sind“. Hörmann stellt also den Markt als Austragungsort für Weltcup-Veranstaltungen in den nächsten Jahren in Frage.

Vertreter der Wintersport-Verbände diskutieren seit längerer Zeit in vertraulichen Zirkeln über den Spitzensport in Garmisch-Partenkirchen. Alfons Hörmann, der auch Sprecher der Wintersport-Verbände im Deutschen Olymischen Sportbund (DOSB) ist und im Führungsgremium des Internationalen Skiverbandes FIS sitzt, lässt jetzt die Bombe – öffentlich – platzen.

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Keine Rennen mehr auf der Kandahar und am Gudiberg? Kommt denn der DSV an Garmisch-Partenkirchen überhaupt vorbei? Oder ist das alles nur ein „Säbelrasseln“, um Druck auf die Politiker in der Gemeinde und die Bayerische Zugspitzbahn AG (BZB) als Partner auszuüben? „Das ist kein Säbelrasseln“, sagt Peter Fischer. „Der DSV ist morgen an Garmisch-Partenkirchen vorbei, wenn er will.“ International stünden Wintersportorte Schlange, um Weltcup-Rennen ausrichten zu dürfen, erklärt Fischer. Deutschland habe bis 2016 Plätze jährlich vier Rennen mit Garmisch-Partenkirchen im FIS-Kalender, aber Disziplinen und Orte können in Abstimmung mit der FIS geändert werden. Also könnte der DSV statt der Speed-Wettbewerbe auf der Kandahar in Zukunft Slalom- und Riesenslalom-Wettbewerbe in Zwiesel oder Ofterschwang vergeben. „Wir haben uns klar zum Ausbau des Jenners bekannt, wir haben Oberjoch und prüfen ein, zwei weitere Alternativen“, betont Hörmann. „Auf Garmisch-Partenkirchen allein können wir uns nicht mehr verlassen.“

Sein Ärger gründet auf drei Eindrücken und Vorgängen. Zum einen hält er „die Gruppe derer, die Sand ins Getriebe streuen wollen, für eine wachsende“. Daher müsse der Ort in „Worten und Taten dokumentieren, dass er unabdingbar hinter dem Spitzensport“ steht. Zum anderen wehrt er sich gegen immer neue Forderungen der BZB. Zuletzt hatte das Organisationskomitee des Skiclubs Garmisch zum ersten Mal 30 000 Euro für Tickets der Helfer und der Sportler sowie weitere 50 000 Euro für Parkgebühren und sonstige Leistungen der BZB selbst zu bezahlen. „Das ist ein Unding, das es weltweit kein zweites Mal gibt“, sagt Hörmann und kündigt an: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Fragen der Finanzierung zunehmend auf unsere Seite verschieben.“

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Schließlich seien die Sportler und ihre Betreuer schwer enttäuscht über die wichtigen Pisten am Gudiberg und auf der Kandahar. Auf der Kandahar fand bis heute keine Trainingseinheit statt, und am Gudiberg konnten nur wenige Schülergruppen fahren. „Damit entfernt sich Garmisch-Partenkirchen vom Status eines Leistungszentrums.“

Der Skiclub-Vorsitzende Fischer versteht diese Kritik von Hörmann voll. Der DSV handle in dem Fall wie ein privater Investor: Er gehe lieber dort hin, wo er das Gefühl hat, gerne gesehen zu werden, und das könnte in anderen Orten Bayerns sein. „Es ist schizophren, dass wir nach einer so erfolgreichen WM diese Diskussionen führen.“ Er fürchtet, dass seine 400 Freiwilligen dadurch mürbe werden.

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Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) zeigt sich dagegen „ein bisserl verwundert“ von den Vorwürfen. Von bröckelnder Unterstützung könne keine Rede sein. Die Kommune investiere viel Geld in die Weltcup-Veranstaltungen. Dass sich der Ort zum Wintersport bekennt, genau das sage der Beschluss des Gemeinderates aus. Dazu habe es nur drei Gegenstimmen gegeben: „Eine so breite Unterstützung gab es selten“, betont Schmid. Auch die Pisten seien, soweit es das Wetter zugelassen habe, präpariert worden. Sollte der DSV unzufrieden sein, müsse er das deutlich machen: „Dazu gibt es feste Vereinbarungen und Verpflichtungen“, denn in dem Pistenausbau stecken mehrere – zweckgebundene – Millionen des Staates.

Auch die Zugspitzbahn will sich „nicht in eine Ecke stellen lassen, in die wir nicht gehören“, sagt der Kaufmännische Vorstand Matthias Stauch. „Wir sind dem Leistungssport eng verbunden. Wir stellen die Bühne dafür, und unsere Leute arbeiten super mit.“ Doch die Ausgaben und Einnahme-Ausfälle für die Weltcup-Rennen könne die BZB nicht alleine schultern. Nach dem Aktiengesetz dürfe sie kommerzielle Veranstaltungen nicht subventionieren, und sie setze auch nur Beschlüsse um, die der Gemeinderat mit breiter Mehrheit gefasst habe. Die zusätzlichen 30 000 Euro für die Tickets habe die BZB mit dem SCG ausgehandelt. „Da hatte ich aber den Eindruck, dass es kein Problem gibt.“

Seine Stimme hört sich dabei ernsthaft verwundert an.

Matthias Holzapfel

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