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Da war die Welt noch in Ordnung: Als am 13. Januar 2011 (v. l.) Bürgermeister Adolf Hornsteiner sowie Peter und Patrick Berrendorf in der Tourist-Info die Informations-Plattform zum geplanten Hotel präsentierten, glaubte wohl keiner von ihnen, dass sie knapp sechs Jahre später getrennte Wege gehen werden.

Gemeinde zieht Reißleine

Aus für Vier-Sterne-Plus-Hotel in Mittenwald

Mittenwald - Aus und vorbei: In Mittenwald wird es kein Vier-Sterne-Plus-Hotel geben – zumindest nicht mit der Berliner ID-Projekt-Entwicklungs-GmbH. Der Gemeinderat hat nach einstimmigem Beschluss die Zusammenarbeit mit der Familie Berrendorf aufgekündigt. 

Im Januar gab sich Patrick Berrendorf noch zuversichtlich: „Es gibt keinen Grund, an der Realisierung des Projekts zu zweifeln.“ Acht Monate später ist alles Schall und Rauch. Das einst vollmundig angekündigte Vier-Sterne-Superior-Hotel unter der Regie der Berliner ID-Projektentwicklungs-GmbH wird es in Mittenwald nicht geben. In geheimer Sitzung kündigte der Marktgemeinderat die Zusammenarbeit mit den langjährigen Partnern von der Spree endgültig auf.

Eine Zäsur, die Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) zwar bedauert, aber für zwingend notwendig hält. „Wir waren eindeutig der Meinung, dass es aufgrund fehlender belastbarer Argumente keine Fristverlängerung mehr geben wird.“ Diese Worte fallen dem Rathauschef nicht leicht. Denn wie kein anderer hat er seit 2009 für dieses Leuchtturm-Projekt gekämpft, das ursprünglich den ambitionierten Namen „Mittenwald 2010“ trug.

Berliner haben jeden Kredit verspielt

Nun also haben Hornsteiner und alle Gemeinderäte die Reißleine gezogen. „Diese Entscheidung wird erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen für die Karwendelregion und den Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben“, schwant ID-Koordiniator Patrick Berrendorf, der mit seinem Vater Peter im Schulterschluss mit dem Tiroler Architekten Armin Walch das 40-Millionen-Euro-Projekt vorantreiben wollte.

Zuletzt aber haben die Berliner, die bei ihrer Präsentation im Dezember 2010 in der vollbesetzten TSV-Halle von 600 Zuschauern noch als Heilsbringer gefeiert wurden, bei den Lokalpolitikern und der Bevölkerung jeglichen Kredit verspielt. Denn nach dem Triumph vor dem Münchner Verwaltungsgerichtshof im Sommer 2014, das das Bauvorhaben letztlich absegnete, passierte nach außen nicht mehr viel. Ja, die Berrendorfs gingen regelrecht auf Tauchstation, was Spekulationen in Mittenwald Tür und Tor öffnete.

Letzte Frist bis 30. September 2016

Im Januar 2016 bat der Gemeinderat die Berrendorfs zum Rapport. Sie sollten endlich liefern – Namen von Betreibern und Investoren nennen. Nach eingehender Debatte beschlossen die Volksvertreter, der„ID-GmbH“ eine letzte Frist bis 30. September 2016 zu gewähren. Und das hatte laut Bürgermeister einen handfesten Grund: „Damals konnten uns die Berrendorfs eine Absichtserklärung zwischen ihnen und einem renommierten Betreiber vorlegen“, berichtet Hornsteiner. „Das Schriftstück war auch rechtsverbindlich unterzeichnet.“ Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits unverkennbar erste Risse in der einst so harmonischen Partnerschaft Mittenwald/Berlin.

Seitdem verstrichen wieder viele Monate – ohne Zählbares. Selbst die letzten Optimisten verloren nun den Glauben an die Zukunft einer gedeihlichen Kooperation. Der jüngste Besuch von Berrendorf junior und senior am vergangenen Dienstag im Rathaus bestätigte offenbar die Vorbehalte. Laut Bürgermeister war zwar wieder die Rede von einem neuen renommierten Betreiber. Eine Unterschrift fehlte gänzlich. „Wir hatten auch immer die Bitte geäußert, dass ein potenzieller Interessent die Chance erhalten solle, sich dem Gemeinderat vorzustellen“, betont Hornsteiner. Doch am Dienstag marschierten die Berrendorfs alleine in den Sitzungssaal. Zudem hätten sie nichts substanziell Neues im Gepäck gehabt. Dafür baten sie um eine weitere Fristverlängerung bis 30. Juni 2017. Doch das war den Gemeinderäten zu viel. Das Fass war endgültig übergelaufen.

Regressansprüche stehen im Raum

In Berlin ist man nach dieser Trennung natürlich ernüchtert. „Konkrete Gründe hierfür wurden nicht genannt“, meint Berrendorf junior , der seine Presse-Mitteilung süffisant mit „Marktgemeinde Mittenwald hat die Hosen heruntergelassen“ betitelt. Ferner versichert er: „Der Abschluss von Verträgen mit einem potenten Hotelbetreiber und mit Investoren stand kurz bevor.“ Doch diesen Satz hörte man oft von ihm. Dem ehemaligen Partner prophezeit Berrendorf schwierige Zeiten. „So gehen der Gemeinde Mittenwald über 200 direkte und indirekte Arbeitsplätze verloren.“ Mal abgesehen von einer „Wertschöpfung in Millionenhöhe“. Zwischen den Zeilen liest man auch mögliche Regressansprüche an die Gemeinde heraus. „Auch der ID-Projektentwicklungs-GmbH entsteht dadurch ein großer Schaden, weil nunmehr die bereits getätigten Investitionen nicht mehr amortisiert werden können.“ Zumal „der durch das mit Fehlern behaftete Bebauungsplanverfahren entstandene Zeitverlust von vier Jahren“ nicht „einmal annähernd“ ausgeglichen werden konnte. Bürgermeister Hornsteiner sieht einem möglichen Rechtsstreit gelassen entgegen: „Der Städtebauliche Vertrag ist hieb- und stichfest.“ Das Ende einer langjährigen Partnerschaft.

Christof Schnürer

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