Mann legt Einspruch gegen Strafbefehl ein

Wartende Rentnerin auf Wochenmarkt angefahren

Garmisch-Partenkirchen - „Gesperrt“-Schilder ignoriert: Ein 84-Jähriger fährt mit Auto in den Partenkirchner Wochenmarkt und verletzt dabei eine Seniorin. Jetzt stand der Mann vor Gericht. 

Jeden Donnerstagvormittag findet in der Ludwigstraße in Partenkirchen ein Wochen der Wochenmarkt. Jenen Donnerstag im September 20154 wird aber wohl keiner der Beteiligten vergessen. Damals fuhr ein Autofahrer in die gesperrte Straße hinein. Prompt passierte ein Unfall. Nun musste sich der 84-jährige Tiroler dafür vor dem Amtsgericht verantworten.

Ausgerechnet in der Mittagsstunde, als schon einige der Markthändler beim Aufräumen waren, hatte der Österreicher, der im Isartal lebt, bei strömenden Regen damals die „gesperrt“-Schilder missachtet und war in die Einbahnstraße gefahren. Daran hinderten ihn auch Zurufe nicht. Die Folgen bekam eine 89-jährige Frau zu spüren, die an einem Stand gewartet hate. Ihr fuhr der Tiroler mit dem rechten Vorderreifen seines Autos über die linke Ferse. Dafür bekam am er einen ansehnlichen Strafbefehl über 1600 Euro – gegen den er Einspruch eingelegt hat. Deshalb saß der Mann nun mit Anwalt Martin Bläser vor Richterin Linda Behmel.

Wie letztere erklärte, „erlitt die Frau „nicht unerhebliche Schmerzen“. Diese seien freilich nicht besonders stark gewesen. Die Frau wurde trotzdem vorsorglich ins Klinikum gebracht, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen worden, berichtete die Richterin.

Platzregen wurde dem Mann zum Verhängnis

Der als Täter beschuldigte 84-Jährige hatte nach eigener Auskunft an diesem Vormittag, da es wie aus Kübeln regnete, nicht einmal bemerkt, dass an der Ludwigstraße ein Sperrschild stand. Er wurde dann erst von einem Polizisten gestoppt. Dieser habe zuerst „Halt, Polizei“ gerufen. Eine Kollegin wollte dann die Papiere des Manns sehen – und habe gleich darauf gute Fahrt gewünscht. „Dass ich aber jemand verletzt hatte, entging mir bei dem Platzregen völlig.“

Die alte Frau sei allerdings auch „völlig schockiert“ gewesen, berichtete schließlich ein Augenzeuge, jedoch sei keine Anzeige gegen den Tiroler erstattet worden. „Wir haben immer wieder das Problem, dass trotz der Sperrschilder Leute an unserem Markttag durch die Straße fahren“, war dann von einem der Händler zu hören. Doch für die Richterin war der Vorfall eher geringfügig. Deshalb hat sie in Einverständnis mit Staatsanwältin Dr. Martina Reiser das Strafverfahren eingestellt. Ganz straffrei kommt der Senior dennoch nicht davon: Für den 84-Jährigen gibt es die Vorgabe, dass der dem gemeinnützigen Murnauer Verein „Kunterbunt“ für Menschen mit Behinderung eine „Spende“ von 500 Euro überweisen muss.


Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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