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Mächtig stolz auf ihr eigens hergestelltes Bier sind (v.l.) Braumeister Markus Hirthammer, Anton Salfner, Anton Buchwieser, Lucia Serve, Kilian Wolf und Lehrerin Judith Vehlow.

Kostprobe am Weihnachtsmarkt

Bierbrauen im Biologie-Unterricht

Garmisch-Partenkirchen - Innovativ zeigt sich Lehrerin Judith Vehlow an der Zugspitz-Realschule in Garmisch-Partenkirchen. Im Rahmen des Biologie-Unterrichts stellt sie zusammen mit allen Schülern der achten Klasse ein selbst gebrautes Weißbier her. Probieren kann man es am Weihnachtsmarkt.

Es herrscht Ruhe in der Zugspitz-Realschule in Garmisch-Partenkirchen. Keine Schüler flitzen über die Gänge, keine Fußbälle rollen über den Pausenhof. Nur vereinzelt spazieren ein paar Lehrer durch das Gebäude. Doch nicht im ganzen Schulhaus ist es still. Im Biologie-Saal brennt Licht: Anton Salfner hat es eingeschalten. Der 14-Jährige steht vor einem Behälter, der in diesem Fall als Bier-Tank dient. Fleißig schöpft er den beim Gärprozess entstandenen Schaum ab. Davon lässt er sich sogar am schulfreien Buß- und Bettag nicht abhalten.

Der Achtklässler sieht es pragmatisch: „Mir war’s daheim eh langweilig. Und mich hat’s einfach saumäßig interessiert, wie das mit dem Schaum ausschaut.“ Bei dieser Aussage muss Judith Vehlow lachen. Die sympathische Lehrerin hat das Bierbrau-Projekt ins Leben gerufen. Alle Schüler der achten Jahrgangsstufe helfen seit Montag mit, das schuleigene Gebräu herzustellen. Vehlow ist begeistert von dem regen Interesse ihrer Schützlinge. „Alle sind mit vollem Eifer dabei. Dass der Anton auch noch freiwillig am Feiertag hier war, Bis zum fertigen Weißbier sind einige Schritte nötig. Hier schöpft Anton Salfner den Gärschaum ab.sagt, denke ich, schon alles.“

Bis zum fertigen Weißbier sind einige Schritte nötig. Hier schöpft Anton Salfner den Gärschaum ab.

Begleitet wird der Brauvorgang von einem echten Fachmann. Markus Hirthammer leitet die Realschüler bei sämtlichen Arbeitsschritten an. Er ist seit sechs Jahren Braumeister der Brauerei Mittenwald und freut sich über eine willkommene Abwechslung. „Das ist auch für mich eine neue Erfahrung. Ansonsten erkläre ich die Vorgänge ja immer nur einem einzigen Lehrling. Mit so vielen Kindern ist das schon eine andere Dimension.“ Der Kontakt kam über einen Schüler zustande. Hirthammer und er spielen in der selben Musikkapelle. „Da hat er mich einfach mal gefragt, ob ich ihnen bei der Sache helfen kann.“ Sogar von einer Brauanlage im Keller der Zugspitz-Realschule war die Rede. Die erwies sich allerdings als untauglich. „Da hat früher einmal ein Lehrer, der mittlerweile in Rente ist, Bier gebraut. Aber die hätte inzwischen eine ordentliche Instandsetzung nötig. Da hab ich dann doch lieber meine eigene Hausbrauanlage mitgebracht.“

Wenn Hirthammer nun vor der Klasse steht und über das Bayerische Reinheitsgebot, Flaschengärung und den Unterschied zwischen einer Lauge und einer Säure spricht, lauschen die Schüler aufmerksam und stellen interessierte Fragen. Lehrerin Vehlow hat ihr Ziel erreicht. „Im Lehrplan gibt es den Punkt ,Hefepilze und ihre biotechnologische Wirkung‘. Diesen wollte ich den Schülern auf eine möglichst spannende Art und Weise beibringen.“

Zuletzt stellt sich noch die Frage nach einem passenden Namen und dem entsprechenden Logo für das Produkt. Hier ist die Kreativität der Schüler gefragt. Im Kunstunterricht entwarfen sie verschiedene Etiketten. Vehlow wirft einen Blick auf die ersten Vorschläge. Schul-Bier, Werdenfels-Bräu oder Zugspitz-Real-Bräu lauten einige davon. „Da sind schon ein paar schöne Ideen dabei“, sagt Vehlow mit einem zufriedenen Lächeln.

Wie gut das selbst gemachte Weißbier schmeckt, kann man spätestens am schuleigenen Weihnachtsmarkt probieren. Dort wollen es die Nachwuchsbraumeister zum Verkauf anbieten. Eine wahre Schande, dass sie es nicht selbst testen können. Noch keiner der Schüler ist 16 Jahre alt. „Da müssen sie leider noch etwas warten“, bleibt Vehlow hart.

Entspannt sieht das der junge Salfner. Er beruhigt seinen Spezl Anton Buchwieser: „Wir kommen schon zu unserem Schluck. Irgendwie geht’s immer.“

Simon Nutzinger

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