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Besonders schlecht lief das Stück „Max und Moritz“ beim Kultursommer 2016. Für den Zuschauereinbruch haben die Verantwortlichen keine Erklärung.

Schock für die Garmisch-Partenkirchner Kulturszene

Florian Zwipf-Zaharia meldet Insolvenz an

Garmisch-Partenkirchen - Florian Zwipf-Zaharia meldet mit seiner Gesellschaft Insolvenz an. Diese Nachricht hat die Kulturszene in Garmisch-Partenkirchen erschüttert. Der Kultursommer steht vor einer ungewissen Zukunft. 

Florian Zwipf-Zaharia meldet mit seiner Gesellschaft Insolvenz an

Gläubigerversammlung. Florian Zwipf-Zaharia sagt’s, als spräche er Altgriechisch. So fremd klingt das Wort in seinen Ohren. Ein Wort, das es nicht geben sollte. Mit dem er vor allem nie unmittelbar zu tun haben sollte. Am Donnerstag aber, um 14 Uhr, war er auf dem Weg genau dorthin. Zur Versammlung im Garmischer Pfarrsaal. Mindestens 20 Mitwirkende am Kultursommer 2016 sind gekommen. Leise unterhalten sie sich kurz vor Beginn im Vorraum, kaum einer lächelt; und wenn, dann gequält. Verständlich. Denn Florian Zwipf-Zaharia wird mit seiner cultus production GmbH, deren Geschäftsführender Gesellschafter er ist, am Freitag, 23. September, beim Amtsgericht Kempten einen Insolvenzantrag stellen. Damit ist die Gesellschaft pleite, die in Garmisch-Partenkirchen seit 14 Jahren den Kultursommer veranstaltet, die für die Michael-Ende-Woche und 2016 zum ersten Mal für das Militärmusikfestival GaPa-Tattoo verantwortlich zeichnete. „Die Konsequenzen für Garmisch-Partenkirchens Kultur sind scheiße.“ So fasste Harald Helfrich die Lage am Rande der Gläubigerversammlung zusammen.

Einige Mitwirkende fürchten um ihre Existenz

Als solche würde Helfrich das Treffen aber gar nicht bezeichnen. Eher als gutes Gespräch, bei dem Betroffene informiert wurden, wie es weitergeht. Betroffene wie er. Seit zehn Jahren wirkt Helfrich als Regisseur und Schauspieler beim Kultursommer mit. Und wie für die anderen Regisseure, Schauspieler, Bühnenbauer, Techniker, Vermieter werden es schwierige Wochen für ihn. Weil ihnen allen die Gage aus dem Kultursommer 2016 fehlt. Ein mittlerer fünfstelliger steht Zwipf-Zaharia zufolge aus. „Für die Leute ist das nicht lustig“, sagt er. Finanziell, weil einige um ihre Existenz fürchten. Mental, weil sie seit Langem mit Herzblut und Leidenschaft mitgewirkt haben. „Mit derselben Leidenschaft wie die vielen Jahre zuvor“, unterstreicht Helfrich. Gerade deshalb hinterlässt ihn die Entwicklung ratlos.

Zuschauerzahlen um 40 Prozent eingebrochen

Noch 2015 feierte der Kultursommer einen Erfolg. 13 500 Besucher kamen zu 60 Veranstaltungen. Der Künstlerische Leiter Georg Büttel sah das Team in seinem Kurs bestätigt. „Unser Konzept funktioniert“, sagte er vor einem Jahr. Also hielten die Verantwortlichen daran fest. Und sind gescheitert. 2016 brachen die Zuschauerzahlen um 40 Prozent ein; das Stück „Max und Moritz“ lief besonders schlecht, Räuber Kneißl blieb hinter den Erwartungen zurück. „Ein Schock“, sagt Helfrich. Weil er genau wie Zwipf-Zaharia und die anderen keine Erklärung dafür hat. „Wir haben nichts verbockt.“ All die Jahre habe das Konzept funktioniert, jetzt plötzlich nicht mehr. Zwipf-Zaharia spricht eine Entwicklung an, wonach generell das Interesse an Großveranstaltung sinke. Dieses Bewusstsein verbindet offenbar die Mitwirkenden. Niemand habe Zwipf-Zaharia im Pfarrsaal die Schuld gegeben oder ihn beschimpft, betont Helfrich. „Sie sind einfach traurig.“

Geretsrieder Kulturherbst brach ihm das Genick

Dabei wäre die Insolvenz abzuwenden gewesen. Wenn, ja wenn, Zwipf-Zaharia sich nicht um den Auftrag in Geretsried beworben hätte. Für die größte Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hätte er von 1. bis 9. Oktober erstmals den Kulturherbst veranstalten sollen. Der fällt wohl aus. Aufgrund des schlechten Ticketverkaufs sei es ihm nicht mehr möglich, ihn umzusetzen, teilt Zwipf-Zaharia mit. Das schlechte Ergebnis aus Garmisch-Partenkirchen, sagt er, hätte man auffangen können, wenn Mitwirkende auf einen Teil ihrer Gage verzichtet hätten. Geretsried aber entwickelte sich „zu einem unüberschaubaren und viel zu großen Risiko“. Das hat ihm das Genick gebrochen. Er zog die Reißleine.

Eine Entscheidung, die Bürgermeister Michael Müller nach eigener Aussage „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ traf. Am Mittwoch hat ihn Zwipf-Zaharia persönlich informiert. Gestern Abend traf sich der Unternehmer mit Garmisch-Partenkirchens Rathauschefin Dr. Sigrid Meierhofer. Die „Dramatik“ kannte sie bereits im Vorfeld. Ohne mit Zwipf-Zaharia gesprochen zu haben, wollte sie sich aber nicht äußern.

„Ich will nicht zum Totengräber des Kultursommers werden“

Mit 220 000 Euro bezuschusst der Markt den Kultursommer. Für 2016 ist das Geld bereits überwiesen. „Selbstverständlich“, sagt Meierhofer. „Die Leistungen wurden ja erbracht.“ 2017 soll das wieder genauso sein. Zumindest, wenn es nach Zwipf-Zaharia geht. „Ich will auf keinen Fall zum Totengräber des Kultursommers werden.“ In Zeiten leerer Kassen hört er schon das Argument der Kommunalpolitik: Schaut, es funktioniert nicht, dann unterstützen wir das Ganze nicht mehr. Eine Gefahr, die auch Helfrich sieht. Als SPD-Gemeinderat wird er sich für die Kultur einsetzen. „Irgendwie wird es weitergehen“, sagt er. „Ob mit mir oder ohne mich: Das Ganze darf nicht sterben“, bekräftigt Zwipf-Zaharia.

Was die kommenden Wochen und Monaten bringen, ob Gläubiger ihr Geld bekommen und wie viel, das weiß er nicht. All das muss der Insolvenzverwalter entscheiden. Noch so ein Wort, mit dem er nie etwas zu tun haben wollte.

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