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Neu gebaut werden muss die Loisachbrücke in Farchant. 2,1 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. 

Seltene Konstellation in einem Gemeinderat

Fachanter Haushalt eint die Parteien

Farchant - Das gibt’s selten: Einstimmig passierte der Etat den Farchanter Gemeinderat. Das Zahlenwerk kann sich durchaus sehen lassen. Vermögenshaushalt und Rücklagen sind angewachsen. Die Schulden konnten reduziert werden

Zwei Abende lang beriet der Finanzausschuss das umfangreiche Zahlenwerk, nur eine halbe Stunde brauchten dann die Farchanter Gemeinderäte, um es zu beschließen – einstimmig und ohne Diskussion: Der Haushalt 2016 umfasst nämlich im Gegensatz zum vergangenen Jahr, da er noch auf 8,99 Millionen Euro kalkuliert war, heuer 10,52 Millionen Euro und damit um eineinhalb Millionen mehr als 2015. Wobei es Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) als „besonders erfreulich“ empfand, dass zum einen der Vermögensbereich, aus dem bekanntlich die Investitionen finanziert werden, mit 3,35 Millionen (2015: 2,25 Millionen) höher ist denn je. Zum anderen sollen auch die Schulden des 3600-Einwohner-Dorfes in diesem Jahr um 900 000 Euro auf 3,44 Millionen sinken. „Womit wir dann nur noch eine Pro-Kopf-Verschuldung von 918 Euro haben“, meinte Kämmerer Christian Hornsteiner. „Was freilich immer noch mehr ist als der bayerische Durchschnitt von 686 Euro.“

Mit den 7,1 Millionen Euro aus dem Vermögenshaushalt, der ja eigentlich den Investitionen dienen sollte, muss Farchant allerdings auch seine ganz speziellen Vorhaben in die Tat umzusetzen. Vor allem die Wasserversorgung ist es, die die Loisachtaler heuer besonders drückt: Weil sie sich bekanntlich an die Tiefbrunnen von Garmisch-Partenkirchen und Grainau anschließen, kostet das die Farchanter nämlich in diesem Jahr 900 000 Euro, je zur Hälfte für die Einleitungs-Pumpanlage, die in Burgrain entsteht und dazu die „Gebühr“, die die beiden anderen Partner für den Farchanter Einstieg erhalten. Dieser Beitrag fließt allerdings aus den Taschen der Bürger in den Vermögenshaushalt, als sogenannter „Verbesserungsbeitrag“, den die Wasserkunden neben ihren Gebühren blechen müssen.

2,1 Millionen Euro für die Loisachbrücke

Zum Wasser haben die Farchanter seit jeher eine starke Verbindung. Schließlich steht heuer obendrein auch die Planung der neuen Loisachbrücke an, die insgesamt 2,1 Millionen Euro kosten wird, in diesem Jahr freilich nur 100000 Euro Planungskosten erfordert. 2016 muss mit dem Brandschutz samt Renovierung am gemeindeeigenen „Alten Wirt“ begonnen werden, was mit Heizung und Zimmersanierung auf 300 000 Euro kommt. Und damit nicht genug, benötigt auch die Feuerwehr ein Logistik-Fahrzeug, das auf 200000 Euro kommt – wovon freilich eine staatliche Förderung von 42 000 Euro abzuziehen ist.

Weil Farchant von seinen Schulden runterkommen will, sind weitere 821 650 Euro aus dem Vermögenshaushalt für Kredittilgungen vorgesehen. Das Vermögen steigt auch mit dem Erwerb von Grundstücken für 179620 Euro. Und schließlich sind obendrein 50 000 Euro für die städtebauliche Modernisierung des Gern-Areals eingeplant.

Basis all dessen ist natürlich der Verwaltungshaushalt, in den ja die Steuer- und sonstigen Einnahmen fließen, um daraus dann die „normalen“ Kosten des Ortes zu begleichen: Diesbezüglich ist Kämmerer Hornsteiner sehr vorsichtig: Die Grundsteuern A und B bringen heuer ebenso wie 2015 zusammen 618 200 Euro ein, bei der Gewerbesteuer schätzt er die Einnahmen mit 980 000 Euro nur 20 000 Euro höher als im vergangenen Jahr und auch der Einkommensteuer-Anteil wird mit 1,88 Millionen nur um 100 000 Euro stärker kalkuliert als 2015. Der Kurbeitrag soll, weil er erhöht wurde, heuer 105 000 statt wie bisher 85 000 Euro ergeben. Von den Stadtwerken München rechnet man dieses Jahr wegen des „schutzbedingten Mehraufwand“ mit 263 000 Euro.

Gewaltig sind die aus dem Verwaltungs-Etat zu zahlenden Ausgaben: Allein die Personalkosten machen 1,4 Millionen aus, die Kreisumlage wird mit 1,7 Millionen um über 100 000 teurer als voriges Jahr. Ihrem ständigen Schulden-Abbau verdanken es die Farchanter, dass die Kreditzinsen diesmal nur 87 900 statt der 109 900 Euro des vergangenen Jahres ausmachen. Im übrigen bauen die Farchanter heuer die Rücklage, sozusagen den Spartopf des Rathauses wieder aus. Und zwar um fast 500 000 auf 1,1 Millionen Euro.

Zufriedenheit mit dem heurigen Gemeinde-Etat war von allen Seiten zu hören. Anton Zeller (Freie Wähler) lobte den Haushalt, „dem wir ruhigen Gewissens zustimmen können, weil er alle Wäg- und Unwägbarkeiten berücksichtigt hat.“ Gerhard Portele von der gleichen Fraktion hob hervor, „dass heuer und in nächster Zukunft relativ viele, relativ teure Projekte anstehen. Andreas Berndaner (CSU) unterstrich, „dass diese Projekte natürlich für den Ort von großer Bedeutung sind“.

Wolfgang Kaiser

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