Mann mit Standpunkten: Sepp Winzinger junior.

Mehr Fragen als Antworten in der Flüchtlingskrise

Trachtlerchef sieht christliches Abendland in Gefahr

Krün -  Dem Chef der Krüner Soiernbergler ist es bitterernst: „Es zieht ein Sturm auf“, warnt Sepp Winzinger junior vor den Auswüchsen einer Multikulti-Gesellschaft. Dabei geht er scharf mit der Politik ins Gericht.

So deutlich hat sich noch kein Vertreter eines Traditionsverbunds im Landkreis in puncto Zuwanderung und kulturelle Beliebigkeit zu Wort gemeldet. „Wenn wir nicht fest zusammenstehen, dann ist nicht bloß unsere Heimat, sondern auch der katholische Glaube in Gefahr“, mahnte Sepp Winzinger junior, Chef des Krüner Trachtenvereins, bei dessen Jahrtag im Gasthof Schöttlkarspitz. Die Reaktion der rund 100 versammelten Soiernbergler ließ nicht lange auf sich warten: langanhaltender und tosender Applaus.

Einmal in Fahrt gekommen, wurde Winzinger noch deutlicher. Hauptstoßrichting seiner Kritik ist dabei in erster

Linie die große Politik, die gerade in der Flüchtlingskrise mehr Fragen aufwerfe, als beantworte. „Tradition ist das Weitergeben des Feuers, aber das Feuer flackert und droht zu erlöschen, weil ein Sturm aufzieht.“ Und Volksvertreter sehen tatenlos zu. Mehr noch: „Sie fordern: Kreuze raus aus den Klassenzimmern und muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch.“ Mittlerweile werde in Deutschland mehr über den Fastenmonat Ramadan und Halloween-Masken geredet als über christliche Grundwerte. „Jetzt muss der Christkindlmarkt auf einmal Weihnachtsmarkt heißen.“ Das geht dem Chef der Soiernbergler gewaltig gegen den Strich. „Wir haben von unseren Gründervätern aber den Auftrag erhalten, unser kulturelles Erbe zu bewahren und wenn nötig zu verteidigen“, mahnte Winzinger entschlossen. „Wir verwehren uns nicht gegen das Moderne, solange unsere Sitten und Gebräuche toleriert werden.“ Wieder stürmischer Applaus beim „Gansler“.

Disneyland-Äußerungen von Fahimi wieder aufgegriffen

Schon eingangs hatte der Trachtlerchef eine Politikerin ganz besonders aufs Korn genommen: die ehemalige SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Diese sei zurückgetreten, „weil sie sich mit den Trachtlern im Oberen Isartal angelegt und weil der Wegmacher Karl (Anm. d. Red.: Karlheinz Schwaiger, Zweiter Bürgermeister und Trachtlerchef von Wallgau) auf dem Bild in der Zeitung so böse g’schaut hat“. Damit reagierte Winzinger noch einmal auf Fahimis Spötteleien im Nachgang des G7-Weißwurstfrühstücks von Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Krüner Rathausplatz. Eine Disneyland-Inszenierung ätzte seinerzeit die Vordenkerin der SPD und zog sich damit den Groll vieler Isartaler zu. Apropos Obama-Besuch: Damals habe er auch einige Vereinsmitglieder am Rathaus registriert, „ die ich die vergangenen zehn Jahre nicht mehr in Tracht gesehen habe“.

Winzingers schonungslose Analyse, gewürzt mit beißender Ironie, kam an beim Publikum. „So wie Du diese Versammlung geleitet hast, dafür müsstest Du eigentlich Eintritt verlangen“, zollte ihm sein Wallgauer Amtskollege Schwaiger Respekt.

Umso trauriger stimmte die Versammlung Winzingers Ankündigung, „aus beruflichen Gründen“ bei der Wahl 2017 nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. Das wollte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) nach diesem denkwürdigen Auftritt aber nicht hinnehmen. „Das schmeckt mir nicht. Bei Dir sind nicht vier- sondern vierzig Jahre als Vorstand möglich“, meinte der Rathauschef. „Ich weiß, dass Dich alle so unterstützen werden, dass Du genügend Zeit für Deine berufliche Aus- und Weiterbildung bekommst. So leicht lassen wir Dich nicht gehen.“

Wolfgang Kunz

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