Geplante Herberge für bis zu 80 Flüchtlinge: ein ehemaliges Ferienhaus am Weidenweg in Mittenwald. joho-Archiv

Asyl: Kosten und Zahlen steigen enorm

Landkreis - Landrat Anton Speer rechnet mit 900 Flüchtlingen bis zum Jahresende im Landkreis.

Das Thema Asyl bestimmt in diesen Tagen die Schlagzeilen in Deutschland. Und auch im Garmisch-Partenkirchner Kreistag ging es um Flüchtlinge. 695 leben mittlerweile, wie Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erklärte, zwischen Staffelsee und Karwendel. Diese Zahl wird bis Jahresende deutlich hinaufgehen - genauso wie die anfallenden Kosten.

Bei der Betreuung arbeitet der Kreis mit der Caritas zusammen. „Dafür haben wir 250 000 Euro im Haushalt 2015 eingestellt“, rief Speer in Erinnerung. Und er machte klar: Für 2016 wird diese Summe wahrlich nicht mehr reichen. Im Gegenteil: Der Landrat rechnet mit einer Kostenexplosion von 100 Prozent. „Darauf können Sie sich schon einmal einstellen.“ Im nächsten Haushalt müsste eine halbe Million Euro für die Flüchtlingsbetreuung und -beratung eingestellt werden.

Wir sehr die Zahlen im Landkreis durch die Decke gehen, zeigte Speer anhand der aktuellen Statistik auf. Demnach seien 301 Asylbewerber in Garmisch-Partenkirchen untergebracht, 101 in Bad Kohlgrub, 77 in Grainau, 71 in Oberau, 41 in Bad Bayersoien, 37 Murnau und 7 in Farchant. Hinzu kommen 54 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Jeder einzelne verursache Speer zufolge Kosten von 50 000 Euro.

Ob für die jungen, meist traumatisierten Asylbewerber spezielle Angebote bereitgehalten werden, wollte Kreisrat Enrico Corongiu (SPD) wissen. „Wenn es für sie keine umfangreiche Betreuung gibt“, sagte er mit Blick auf mögliche Probleme, „finde ich das ganz schön sportlich“. Die Verwaltungsmitarbeiter rund um Speer zeigten sich angesichts dieses Wortbeitrags etwas überfragt. Eine Antwort gab es nicht, aber das Versprechen, sich kundig zu machen. Grundsätzlich würden die Minderjährigen im ehemaligen Patton-Hotel im Kreisort und in kleineren Wohngruppen untergebracht.

Bis zum Jahresende rechnet Speer damit, dass sich die Gesamtzahl der Flüchtlinge auf 900 erhöhen wird. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es 377 - insgesamt. Damit erfülle der Landkreis das Soll bei weitem. „Die Quote liege bei 137 Prozent.“ Zusätzliche Unterkünfte seien in nächster Zeit in Murnau, wie berichtet, in Oberammergau und in Mittenwald denkbar. Im Isartal sollten eigentlich schon Anfang Juli 70 bis 80 Asylbewerber aufgeteilt werden. „Noch ist es aber nicht zu einem Vertrag gekommen.“ Deshalb ist laut Speer derzeit unklar, wie es weitergeht.

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