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Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit: (v.l.) Kaufmännische Leiterin Gabriele Lerch und die neue Auszubildende Darina Gosmanova vom Autohaus Hornung.

Azubis werden dringend gesucht

Landkreis: 227 Lehrstellen sind unbesetzt

Landkreis - Die Zahlen sind alarmierend. Jede dritte Ausbildungsstelle in Bayern ist unbesetzt. Auch Unternehmen im Landkreis suchen händeringend nach Lehrlingen. Vor allem das Hotelgewerbe setzt längst auf Nachwuchs aus dem Ausland.

Die Lage hat sich nicht gebessert. Seit einigen Jahren schon herrscht in Bayern ein Mangel an Auszubildenden. Jede dritte Stelle im Freistaat ist unbesetzt. Insgesamt 32 500 Plätze sind bislang frei. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind die Zahlen alarmierend. 227 Lehrstellen sind laut den aktuellen Zahlen noch ohne Lehrling. „Bis zum September kann sich aber noch einiges ändern“, betont Pressesprecherin Elvira Thoma der Weilheimer Arbeitsagentur.

Jutta Griess, stellvertretende Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Garmisch-Partenkirchen, kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, junge Menschen für eine Lehre zu gewinnen. Sie ist für die Ausbildung im Hotel Rheinischer Hof in Garmisch-Partenkirchen zuständig. Vor allem in der Gastronomie und im Einzelhandel werden Azubis zur Mangelware. „Unsere Berufssparte leidet schon seit Jahren unter diesem Trend“, sagt Griess. Ihrer Ansicht nach ist der Bewerbermangel auch der Grund, warum viele Betriebe weniger oder gar keine Ausbildungen mehr anbieten wollen. „Wenn nichts nachkommt, gibt’s auch weniger Lehrstellen.“

Eine Hoffnung, auf die Arbeitgeber im Landkreis – vor allem die im Hotelgewerbe – seit einigen Jahren bauen, sind junge Menschen aus dem Ausland. Versuche, EU-Bürger für nicht besetzte Lehrstellen zu akquirieren, wurden bereits vor einigen Jahren mit dem Projekt „The job of my life“ gestartet. Die Erfolgsquoten waren nicht ganz so positiv wie erhofft. Auch am Rheinischen Hof waren spanische Azubis tätig. „Einer hat die Lehre bei uns abgeschlossen“, sagt Griess.

Die Unternehmerin sieht eine neue Chance bei den anerkannten Asylbewerbern im Landkreis. „Wir müssen ihnen eine Perspektive geben und sie ausbilden“, betont sie. Dass dies nicht einfach ist, weiß sie aus eigener Erfahrung. Vor allem die Bildungs- und Sprachbarriere ist oft ein Problem. „Natürlich brauchen wir längere Ausbildungszeiten und müssen mehr in eine erfolgreiche Integration investieren.“

Beim Autohaus Hornung in Garmisch-Partenkirchen hat man bereits sehr positive Erfahrungen mit Asylbewerbern gemacht. Zwei syrische Lehrlinge absolvieren dort gerade ihre Ausbildung zum Mechatroniker und Lackierer. „Beide haben bereits den B1-Sprachtest für Asylbewerber bestanden und sind sehr fleißig und engagiert“, schwärmt Gabriele Lerch, die kaufmännische Leiterin des Autohauses. „Für uns sind es Vorzeige-Azubis.“

Lerch beobachtet schon über längere Zeit, dass immer weniger Jugendliche nach der Mittel- oder Realschule eine Lehre beginnen möchten. „Viele nehmen erst mal Auszeit oder gehen weiter zur Schule. Die Jugend ist unentschlossener als früher“, stellt sie fest. Zwar konnte das Autohaus alle offenen Stellen besetzen. „Es wird jedoch nicht leichter, die passenden Bewerber zu finden.“

Die 17-jährige Darina Gosmanova aus Garmisch-Partenkirchen beginnt am 1. September ihre Lehre zur Automobilkauffrau bei Hornung. Die Bewerbung hat geklappt, obwohl Gosmanova die Unterlagen zu spät eingereicht hat. Für die Garmisch-Partenkirchnerin erfüllt sich mit ihrer neuen Stelle ein Traum. „Ich habe mich schon immer für Autos interessiert“, betont sie. Die angehende Auszubildende weiß, was sie will. „Ich bin kein unentschlossener Typ, sondern zielorientiert."

Magdalena Kratzer

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