Reiseanbieter schlagen Profit aus Party-Fahrten

Das Geschäft mit dem Abitur

Landkreis - Lernen und Prüfungen schreiben ist das eine. Mindestens ebenso wichtig sind die Vorbereitungen für die Feste nach dem Abitur. Die laufen im Landkreis auf Hochtouren. Schüler müssen nicht nur viel Geld aufbringen, sondern sich auch vor ominösen Reiseanbietern in Acht nehmen.

So ein unvergessliches Abitur-Erlebnis kostet, gehören dazu doch Feier, Ball, Zeitung, T-Shirt und eine gemeinsame Reise. Das Abschlusszeugnis muss schließlich gebührend gefeiert werden. Damit dieses perfekte Erlebnis nicht am Geld scheitert, legen sich die jungen Erwachsenen ordentlich ins Zeug.

„6500 Euro können wir insgesamt ausgeben“, erzählt Markus Pfeiffer. Er ist Schatzmeister des diesjährigen Abitur-Jahrgangs am Staffelsee-Gymnasium. „Das Teuerste ist der Abiball mit Catering und Band.“ Dafür waren Pfeiffer und seine Schulkameraden fleißig. Durch Partys und Bücherflohmärkte haben sie einiges eingenommen. Auch die Schüler des Benediktiner-Gymnasiums Ettal arbeiteten neben den Prüfungsvorbereitungen, um die große Party zu finanzieren. „Durch Pausen- und Kuchenverkäufe bekamen sie das Geld zusammen“, sagt Rektor Hubert Hering.

Das Outfit für den großen Abend zahlt jedoch jeder selbst – gerade für Mädchen kann das teuer werden. Für ihr Kleid geben sie durchschnittlich bis zu 200 Euro aus. Hinzu kommt oft ein Frisörbesuch. Bei Gabriele Oppermann, die den Salon Haareszeiten in Garmisch-Partenkirchen betreibt, kostet eine Festfrisur zwischen 25 bis 50 Euro, je nach Aufwand. Es kommt einiges zusammen, will man sich für eine Nacht wie ein Hollywood-Star fühlen.

Die Tradition des Abiballs ist alt. Am Staffelsee-Gymnasium gibt es sie schon seit Mitte der 1980er Jahre – genau wie die Abizeitung. „Die ist der zweitgrößte Posten bei uns. Der Druck kostet uns fast 3500 Euro“, betont Pfeiffer. „Durch Anzeigen örtlicher Geschäfte und den Verkauf der Zeitung kommt aber wieder Geld rein. In der Bilanz geben wir deshalb weniger aus.“ Genauso zuversichtlich ist Felix Brandelik, Jahrgangsstufensprecher am Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen. „Wenn’s gut läuft, machen wir mit dem Verkauf sogar Gewinn“, prophezeit er.

In der Zeitung, die vom Umfang her eher einem Buch ähnelt, stellen sich die Abiturienten vor, schreiben lustige Geschichten über ihren Jahrgang und nehmen Lehrer aufs Korn. Doch nicht nur auf dem Papier verewigen sich die ehemaligen Schüler: Abi–Shirts, auf denen ein bestimmtes Motto und die Namen aller Schulabgänger gedruckt wird, sind fast schon Pflicht. Die Textilindustrie freut’s.

„Er hat mich ungefähr 30 Mal angerufen und ein ,Nein‘ nicht akzeptiert.“

Den größten Profit schlagen jedoch jedes Jahr andere Konzerne aus dem Abitur: Reiseanbieter. In organisierten Party-Fahrten, bei denen sich die Jugendlichen um nichts kümmern müssen, wittern sie das große Geschäft. Veranstalter wie „Abistars“, „Crystal-Tours“ oder „Jam“ schneiden die Reisen genau auf Schulabgänger zu. Partys, Musikfestivals, Sonne, Strand und Meer – das wird geboten, hat aber auch seinen Preis. Bei „Crystal-Tours“ kostet der billigste Urlaub in Kroatien 359 Euro für fünf Nächte. Soll es auf die griechische Insel Korfu gehen, sind die Schüler mit fast 500 Euro dabei – mit Anreise zwar, jedoch bei nur spärlicher Verpflegung.

Das Ködern der jungen Erwachsenen haben die Abi-Reisen-Veranstalter inzwischen perfektioniert: Vertreter besuchen die Schulen und verbreiten mit Videovorführungen und Präsentationen Urlaubsstimmung. „Viele ominöse Reiseanbieter kamen auch zu uns in die Schule und legten Werbekataloge aus, was sie eigentlich gar nicht dürfen“, berichtet Brandelik. Doch die Konzerne sind beharrlich. Das hat der Jahrganssprecher selbst erfahren. „Ein Schüler hat einem Vertreter meine Handynummer geben. Er hat mich ungefähr 30 Mal angerufen und ein ,Nein‘ nicht akzeptiert.“

Deshalb stellen die Abiturienten dieses Jahr ihren Urlaub selbst auf die Beine. Am Staffelsee- und am Werdenfels-Gymnasium fahren die meisten in kleinen Gruppen zusammen weg. So kann man seinen Urlaub nach Lust und Laune gestalten, tappt nicht in eine Kostenfalle und bestimmt selbst, wie viel man investieren möchte.

Obwohl bei den Abitur-Feierlichkeiten eine vierstellige Summe fließt, hat der ganze Aufwand auch seine guten Seiten. Dies betont der Ettaler Schulleiter Hering: „Die Jugendlichen organisieren alles in Eigenregie.“ Brandelik weiß jetzt erst, wie kompliziert die Vorbereitungen für ein großes Ereignis sind. „Bei der Planung der Feier mussten wir Dinge machen, die wir davor gar nicht kannten: Verträge abschließen oder die Veranstaltung beim Ordnungsamt anmelden.“ Und nicht zuletzt lernten die Abiturienten etwas fürs Leben: Für so viel Geld muss man hart arbeiten.


Franziska Kiefl

Rubriklistenbild: © dpa

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