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Hundekot: Kälber sterben im Mutterleib, Kühe werden geschlachtet

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Betroffen und wütend: Landwirt Rupert Jais aus Riedhausen mit seinen infizierten Kühen Ursula (l.) und Timmi. foto: her
Betroffen und wütend: Landwirt Rupert Jais aus Riedhausen mit seinen infizierten Kühen Ursula (l.) und Timmi. foto: her © AUTO_MUR

Riedhausen - Landwirt Ruper Jais verliert zwei Kühe. Die Ursache: „Neospora caninum“, der "Hundeparasit", der durch Hundekot, den die Kühe etwa auf der Weide aufnehmen, übertragen werden kann.

Rupert Jais ist betroffen und wütend zugleich. Betroffen, wenn er an die beiden Kühe denkt, Ursula und Timmi, die er bald schlachten muss. Und wütend, wenn ihm diejenigen in den Sinn kommen, die dafür verantwortlich sind: Hundebesitzer, die sich „rücksichtslos verhalten“.

Die beiden Kühe des Landwirts aus Riedhausen waren trächtig. Doch Hoftierarzt Dr. Reinhard Stampfer musste feststellen: Beide Kälber sind im Mutterleib gestorben. Eine Labor-Untersuchung ergab die Ursache: der Erreger „Neospora caninum“, der "Hundeparasit", der durch Hundekot, den die Kühe etwa auf der Weide aufnehmen, übertragen werden kann.

Während bei Hunden, die den Erreger in sich tragen, nur selten eine Erkrankug auftritt, schadet dieser einer Kuh erheblich. Oftmals komme es zu Fehlgeburten oder Verwerfungsfällen wie bei Jais’ Tieren, erklärt Stampfer. Werde das Kalb lebend zur Welt gebracht, trage ebenfalls den Erreger in sich. „Und diese Kette wird nie unterbrochen.“ Außer durch das Töten der Tiere. Bald wird sich Jais von Ursula und Timmi trennen müssen. Der rein finanzielle Verlust ist für den Landwirt enorm: 5000 Euro seien die beiden Kühe und die Kälber sicher wert.

Für einen Landwirt sind Kühe Nutztiere. Auch für Jais. Sich von ihnen zu trennen, sei ein normaler Zyklus. „In diesem Fall aber ist es viel zu früh.“ Die infizierten Kühe sind sechs Jahre alt, mindestens zwölf sollten sie werden. „Die Tiere hätte noch ein langes Leben bei mir auf dem Hof gehabt“, sagt Jais niedergeschlagen. Er hat bereits 2008 drei seiner Kühe wegen Neospora caninum verloren (wir berichteten).

Jais betont, dass er „absolut überhaupt gar nichts“ gegen Hunde habe - aber gegen deren Besitzer, wenn diese verantwortungslos seien. Er könne nur an ihre Vernunft appellieren, dass endlich kein Hund mehr sein Geschäft auf den Weiden verrichtet.

Auch Daniel Schreyer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Seehausen, appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Hundebesitzer. Die Lösung stehe schließlich am Wegesrand: Vor rund einem halben Jahr hat die Gemeinde zehn Hundetoiletten installiert. Eine erste Bilanz Schreyers fällt verhalten positiv aus: Es könnten deutlich mehr Säckchen im Eimer sein, doch jedes einzelne sei schon ein Fortschritt.

Neospora caninum wird kontrovers diskutiert. Manche sagen, der Erreger komme nur selten vor, das Thema werde aufgebauscht. Andere bezeichnen den Parasiten in einigen Ländern bereits als häufigste Ursache von Aborten beim Hausrind. Einig sind sich Experten aber, dass der Hund der Endwirt des Parasiten ist. Er steht am Anfang der Infektionskette.

Dr. Ellen Baum, Vize-Leiterin des Veterinäramts in Garmisch-Partenkirchen, will keinen der verschiedenen Standpunkte werten - das sei auch nicht nötig. Denn für sie steht fest: „Hundekot hat auf den Wiesen nichts zu suchen."

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