+
Freund und Helfer in schweren Zeiten: Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung hat für die Polizei nun Priorität.

So kämpfen die Beamten gegen die Angst der Bürger

Nach Anschlägen: Polizei will mehr Präsenz zeigen

Landkreis - Anschlag in Nizza, Terrorattacke in Würzburg, Amoklauf in München und zuletzt ein Selbstmordattentat in Ansbach – die schrecklichen Ereignisse haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen. Die Angst der Bürger wächst. Jetzt reagiert das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf die Verunsicherung.

Wenn Joachim Loy seine Uniform ablegt, ist er Privatmann. Familienvater. Doch der Leiter der Polizeiinspektion Murnau kann seine Funktion derzeit zuhause nicht so einfach abstreifen. Sie verfolgt ihn bis in die eigenen vier Wände – wenn sein Handy klingelt, er Nachrichten aus dem persönlichen Umfeld erhält. Manche würdigen die Arbeit der bayerischen Polizei. Manche fragen: Was sollen wir tun? Zuviel Schreckliches ist in den vergangenen Monaten, Wochen, Tagen passiert. Paris, Nizza, München – alles Städte, die derzeit mit Blutbädern in Verbindung gebracht werden. Ob Terroranschläge, Amokläufe oder Selbstmordattentate – es sind Angriffe auf die Seele der Menschen. Was zurückbleibt, ist Angst und Verunsicherung.

Die Verbrechen haben Spuren hinterlassen. Emotionale. „Mich macht das alles betroffen“, sagt Loy. Umso mehr steht er hinter der Auffassung von Polizeipräsident Robert Kopp. „Angst und Furcht dürfen unser Leben nicht dominieren“, teilt dieser mit. Den Menschen dabei zu helfen, sich nicht davon beherrschen zu lassen, deklariert er als Aufgabe seiner Beamten. Mehr denn je. „Das positive Verhältnis mit ,unserer Bevölkerung‘ in den Städten und Gemeinden wollen wir jetzt nutzen und bei allen sich bietenden Gelegenheiten offensiv das Gespräch und den Dialog suchen“, erklärt Kopp. Bei Veranstaltungen, im Streifendienst et cetera.

Polizei wird künftig andere Schwerpunkte setzen

Loy ist überzeugt, dass dies die richtige Vorgehensweise ist. „Das Sicherheitsgefühl der Bürger ist jetzt das Wichtigste.“ Diese Meinung vertreten auch Josef Grasegger, Kriminalhauptkommissar der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen, sowie Klaus Schürgers, Chef der Operativen Ergänzungsdienste (OED) mit Sitz in Murnau. „Das Schlimmste wäre“, betont Loy, „wenn sich Bürgerwehren bilden oder die Leut’ nicht mehr auf Festivals oder dergleichen gehen.“

Die Sorgen sind berechtigt. Überall kann etwas passieren. Und trotzdem: „Wir dürfen jetzt nicht zulassen, dass sich bei all den dramatischen Geschehnissen das Leben und die Gewohnheiten in unserer freiheitlichen Gesellschaft grundlegend verändern“, macht Kopp deutlich.

Konzepte, wie die Dienststellen im Landkreis diese guten Vorsätze praktizieren, gibt es noch nicht en detail. „Die Polizei braucht Zeit zu reagieren“, sagt Grasegger. Im Groben werden die Beamten andere Schwerpunkte setzen. Strafzettel verteilen, Laser-Tage oder kleinere Verkehrsverstöße rücken ein bisschen in den Hintergrund. Ein Freibrief soll das trotzdem nicht sein. Die Kontrollen bleiben nicht außen vor, finden nur in einer anderen Intensität statt.

Große Aufgabe, aber unterbesetzte Inspektionen

Die Polizei muss Prioritäten setzen. Mehr lässt die Personallage nicht zu. Die Inspektionen im Oberland sind unterbesetzt. Diesen Zustand prangerte im März bereits Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler) an. Obwohl den Beamten aufgrund der Flüchtlingssituation immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden, schaffe es das Innenministerium nicht einmal, die Soll-Stellen zu besetzen, hieß es von Seiten des Politikers. Dass die Polizeistationen sich in naher Zukunft über Verstärkung freuen dürfen, davon geht Grasegger nicht aus. Sein Kollege Loy ebenfalls nicht. Er findet aber, dass der Personalstamm in seiner Inspektion ausreicht. München habe gezeigt, dass die Polizei überall und in kürzester Zeit reagieren könne.

Schürgers und seine OED spielen dabei eine tragende Rolle. Sie helfen bei Veranstaltungen, wenn die Dienststellen Unterstützung anfordern. Er rechnet damit, „dass wir das künftig vermehrt machen“. Denn an Großveranstaltungen – wie den Ski-Weltcup-Rennen, dem Neujahrsskispringen oder den BMW-Motorrad-Days – mangelt es im Landkreis nicht. Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, hat das Präsidium bereits in der Vergangenheit Vorkehrungen in die Wege geleitet. Von der konzeptionellen Vorbereitung von Einsatzszenarien über die Optimierung der Ausstattung bis hin zur praktischen Übungen. Für Schulungen wie diese ist auch Schürgers verantwortlich. Speziell Terror und Amok sind Themen der Fortbildungen – Schießtraining inklusive. Alles zum Schutze und zur Beruhigung der Bevölkerung. Die Beamten wollen ein Sicherheitsgefühl vermitteln, auch wenn es für sie laut Schürgers bedeutet, mehr Dienste und Überstunden zu schieben. „Aber das müssen wir jetzt leisten.“ Die Bedrohungssituation verlangt es.

Auch interessant

<center>Rehbockgehörn mit Strass</center>

Rehbockgehörn mit Strass

Rehbockgehörn mit Strass
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen
<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Meistgelesene Artikel

Taschengeldkürzungen: Unmut vor dem Landratsamt

Landkreis - Flüchtlinge beschweren sich am Landratsamt über Kürzungen beim Taschengeld. Auch die Polizei ist vorsichtshalber vor Ort. 
Taschengeldkürzungen: Unmut vor dem Landratsamt

Kommentare