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Die Lücken zwischen den Gräbern nehmen zu – wie hier auf dem Garmischer Friedhof.

Friedhofssatzungen in der Regel auf Einheimische fixiert

Beerdigungen: Die Ausnahme wird fast zur Regel

Landkreis - Tod, Verlust, Trauer – das sind schmerzliche Erfahrungen, mit denen sich der Mensch nicht gern auseinandersetzt. Wenn man gerade erst jemanden verloren hat, dann kann man vieles gebrauchen. Bürokratie sicher nicht. Die trägt jetzt der Entwicklung Rechnung – auch in Garmisch-Partenkirchen und einigen Landkreis-Gemeinden.

Die Welt gerät aus den Fugen, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Nichts ist dann mehr so wie zuvor. Und dann auch noch Sankt Bürokratius. Der schlägt zu, wenn man versucht, die Mutter oder den Vater, die Tochter oder den Sohn, die Oma oder den Opa, die an einem anderen Ort oder einer anderen Stadt verschieden sind, dort beerdigen zu lassen, wo man selbst lebt, um am Grab zu trauern, damit man den Verlust verarbeiten kann – und einem das nicht gewährt wird. Dies war die gängige Praxis in Garmisch-Partenkirchen bis Mittwoch: Auf den Friedhöfen in Garmisch und Partenkirchen durften nur Bürger bestattet werden, die auch ihren Wohnort in der Marktgemeinde hatten oder die im Ortsgebiet tot aufgefunden wurden.

Allerdings steht es Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zu, Ausnahmen zu erlauben. „Damit bin ich in der Regel sehr sparsam umgegangen“, sagt die Rathaus-Chefin. Aber Meierhofer hat sie immer wieder mal gemacht. Wie im Fall des jungen Mannes, der bei den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris ums Leben gekommen war. Er hatte in der französischen Hauptstadt studiert und gearbeitet. Jetzt ruht er in einem der beiden Gottesacker von Garmisch-Partenkirchen.

„Wir wollen keinen Friedhofstourismus“

Ähnlich gelagert ist der Fall, den die CSU zum Anlass genommen hat, eine Änderung der Friedhofssatzung zu beantragen. Ein Vater, in Garmisch-Partenkirchen zu Hause, wollte seine Tochter, die in München gestorben war, in heimischer Erde bestatten lassen. „So etwas muss doch möglich sein“, sagt CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch. Der Gemeinderat war einstimmig ihrer Meinung und ließ die Beerdigung von Angehörigen der geraden Linie zu.

Was in Garmisch-Partenkirchen nun usus ist, gilt seit April 2015 schon in Murnau. In vielen anderen Landkreisgemeinden sind die Friedhofsatzungen strenger und stark auf Einheimische fixiert. „Wir wollen keinen Friedhofstourismus“, heißt es aus dem Farchanter Rathaus. Beerdigt werden, wo man früher gerne Urlaub gemacht hat, hätten manche gern.

Weniger Erd-, mehr Feuerbestattungen

Soweit ist man im Landkreis noch nicht, obwohl mittlerweile auf den Friedhöfen – anders als in den 70-er Jahrene des vorigen Jahrhunderts, als immer wieder neue Flächen ausgewiesen werden mussten – viel Platz ist. Es entstehen Lücken, die bleiben. „Die Erdbestattungen nehmen ab, die Grabauflösungen zu“, sagt Dagmar Fischer, die in Oberau für den Friedhof zuständig ist. „Viele Ältere sind nicht mehr in der Lage, ein Grab zu pflegen und geben es auf.“

Ähnliche Erfahrungen hat man auch in Garmisch-Partenkirchen und in Krün gemacht. Meierhofer und Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) registrierten vor allem eine Zunahme bei den Feuerbestattungen. „Wir mussten die Urnenwand schon erweitern“, sagt Schwarzenberger. Und Meierhofer hat festgestellt, dass immer mehr Bürger nicht mehr auf einem gemeindlichen Friedhof bestattet werden möchten, sondern sich eher für Alternativen wie See- oder Baumbestattungen entscheiden.

Wer wo beerdigt werden darf

-Nördlicher Landkreis

Seehausen, Riegsee, Spatzenhausen, Uffing: Nur Einheimische, außer es besteht ein Familiengrab.

Murnau: Nur Einheimische, außer es besteht ein Familiengrab. Seit 1. April 2015 gibt es Ausnahmeregelungen für Familienangehörige der geraden Linie.

Ohlstadt, Schwaigen, Eschenlohe: Einheimische. Auf Antrag Angehörige in gerader Linie.

-Ammertal

Saulgrub, Unterammergau und Bad Bayersoien: Einen Bestattungsanspruch haben grundsätzlich Gemeindeangehörige. Bei anderen Personen bedarf es laut Satzung „eine besondere Erlaubnis der Gemeinde, auf die kein Rechtsanspruch besteht“.

Bad Kohlgrub: Werden Menschen in der Gemeinde beerdigt, die dort nicht ihren Wohnsitz hatten, gibt es einen Aufschlag auf die Bestattungsgebühren.

Ettal: In Ettal gibt es keinen gemeindlichen, sondern nur einen Friedhof der Pfarrgemeinde. Dieser steht Ortsangehörigen und -fremden offen.

Oberammergau: Bestattungsanspruch haben Bürger mit Erst- oder Zweitwohnsitz, sowie Personen mit einem Grabnutzungsrecht und deren Familienangehörige.

-Oberes Isartal

Mittenwald: Alle gemeldeten Einwohner, haben einen Rechtsanspruch auf eine Beerdigung am örtlichen Friedhof. Gleiches gilt für Nutzungsberechtigte, das heißt Personen, die ein Grab erworben haben, selbst wenn sie wegziehen.

Krün: Grundsätzlich steht eine Bestattung allen Einheimischen zu. Es gibt aber Ausnahmeregeln: Menschen, die in Krün gelebt haben, anschließend ihren Lebensabend in einem Altersheim verbrachten, haben Anspruch. Für Urlaubsgäste etc. bedarf es einer Genehmigung des Gemeinderates. „Man sollte aber schon einen Bezug zu Krün vorweisen“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger.

Wallgau: Menschen mit Hauptwohnsitz können sich bestatten lassen. Wenn Angehörige ihre letzte Ruhe im Familiengrab finden sollen, muss ein Antrag an die Gemeinde gestellt werden.

-Loisachtal

Grainau, Farchant: Nur Einheimische, außer es besteht ein Familiengrab. Ausnahmen müssen genehmigt werden

Oberau: Nur Einheimische, außer es besteht ein Familiengrab. ZudemEheleute, Kinder, Eltern und unverheiratete Geschwister.

Garmisch-Partenkirchen: Bürger, die in der Marktgemeinde gemeldet oder Menschen, im Ortsgebiet zu Tode gekommen sind. Zudem besteht nun eine Ausnahmeregelung für Familienangehörige der geraden Linie.

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