Gartenbau im Landkreis

In der Obst-Ernte ist der Wurm drin

Landkreis - Das schlechte Wetter im Frühling ist schuld, dass Äpfel und Birnen heuer zu wünschen übrig lassen. 

Im Oktober herrscht in der Kelterei, die Ralf und Sabine Langer in Garmisch-Partenkirchen betreiben, normalerweise reger Betrieb. Männer und Frauen aus dem ganzen Landkreis bringen ihre Streuobstäpfel aus dem Garten, um diese zu Apfelsaft oder Most verarbeiten zu lassen. Doch heuer war es deutlich weniger, was in der Saftpresse gelandetet ist. Dies hatte einen einfachen Grund. „Es gab zu wenig Äpfel“, sagt Langer. Bei der Familie Kern in Bad Kohlgrub ist die Lage ähnlich. Auch hier kamen die Kunden mit deutlich weniger Ernte zum Entsaften. Auch bei der Vereinskelterei in Ohlstadt ist der Mangel an Äpfel auffällig. „Der Ertrag war nicht hoch“, sagt Rita Baumann. Der eine oder andere mag es selbst in seinem Garten bemerkt haben: Die Obstbäume waren in diesem Jahr spärlich mit Früchten gesegnet. Von den Äpfeln und Birnen, die es zu pflücken gab, waren viele verwurmt oder bereits innen verfault. Ärgerlich ist dies für alle, die sich auf Apfel- und Birnenkuchen oder eben naturtrüben Saft aus dem eignen Garten gefreut haben. Dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege ist dieses Problem bekannt. Es ist eines, das weiter verbreitet ist. Auch im Landkreis Bad-Tölz Wolfratshausen war die Obsternte heuer relativ mau, weiß Lorenz Meier vom Landratsamt in Bad Tölz. Er kennt auch die Ursache für die Apfel-Misere.

Die Apfelbäume sind nicht etwa krank und ähnlich wie viele Kastanien- oder Eschenbäume in Deutschland von einem aggressiven Bakterium oder Pilz befallen (wir berichteten). „Das schlechte Wetter in der Blütezeit ist der Grund.“ Erinnert man sich an die Frühlingsmonate zurück, war das Wetter in diesem Jahr von vielen Klimaschwankungen geprägt. Ende April und Anfang Mai war es bereits relativ warm. Gegen Pfingsten kam ein Tief, das Regen, Frost und Hagel mit sich brachte. Nach Ansicht der Experten fiel die Schlechtwetterfront genau in die Zeit, in der die Bienen die Blüten an den Bäumen bestäuben. War es den fleißigen Tierchen zu kalt zu fliegen? Oder liegt daran, dass die Bienenvölker – wie häufig in den Medien gemeldet – vom aussterben bedroht sind? Meier glaubt nicht, das dies der Grund für die Obstflaute in diesem Jahr ist. Ihm zufolge war einfach das Klima Schuld. „Missernten kommen in manchen Jahren vor. Das ist nicht ungewöhnlich.“

Auch für Georg Kutscher liegt die Sache klar auf der Hand. Der Großweiler ist viel in der Natur unterwegs und kennt sich als Vorsitzender Gartenbauvereins in Großweil gut mit der heimischen Flora und Fauna aus. Walnußbäume waren ihm zufolge heuer ebenfall wenig ertragreich, sagt er. Der ausschlaggebende Faktor für die schlechte Ernte ist auch für Kutscher das Wetter. „Es gab einfach zu viele Temperaturschwankungen“, sagt er. Das Hin und Her zwischen heißem Sommerwetter und kalten, regnerischen Phasen ist auch der Grund, warum heuer viele Früchte „wurmstichig und faul“ sind. Durch den warmen April haben einige Sorten heuer noch früher geblüht als gewöhnlich. Dies wurde ihnen während der Kaltfront zum Verhängnis. So genannte „späten Sorten“, die erst im Juni in der Blüte stehen, sind vom frühen Verderb nicht betroffen, erklärt der passionierte Gärtner. Ihn beunruhigt die Situation nicht. Er sieht darin auch keine unheilvollen Vorboten des Klimawandels. Kutscher erklärt sich die Obst-Flaute mit der alten Bauernregel „Schaltjahr ist Kaltjahr“, die für dieses Jahr zutreffen dürfte. Immerhin war 2016 tatsächlich ein Schaltjahr. „Diese Regel stimmt fast immer“, betont Kutscher überzeugt. Dann müsste die Apfelernte für 2017 wieder besser stehen.

Magdalena Kratzer

Rubriklistenbild: © dpa

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