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Großweil ist ein weißer Fleck: Auf Grainau folgt im Telefonbuch gleich Krün. 

Ein weißer Fleck bei der Nummernsuche

Da fehlt doch was! Deshalb steht Großweil nicht im Telefonbuch

Landkreis - Ohne „Ö“ fehlt Dir was. So singen sie im Werbeslogan von „Das Örtliche“. Nur: mit „Ö“ auch. Zumindest im Landkreis. Da fehlt Dir Großweil.

 Ortspläne, Straßen- und Ortsverzeichnis, Postleitzahlen, Ärzte, Therapeuten, Namen, Telefonnummern, Adressen. Alles da im „Das Örtliche für Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Umgebung“. Schön alphabetisch geordnet. So weit, so gut, so unvollständig. Denn auf G wie Grainau folgt im Telefonverzeichnis K wie Krün. Wo also ist Großweil? Hat man die Gemeinde und ihre 1455 Einwohnern am Ende vergessen?

Bevor nun der eine oder andere Leser zu blättern beginnt und unter O wie Ohlstadt nach Großweiler Nummern sucht – immerhin gehört die Gemeinde zur Ohlstädter Verwaltungsgemeinschaft –, dem sei gesagt: Die Mühe lohnt sich nicht. Großweil fehlt. Seit mehreren Jahrzehnten. Vielleicht aber nicht mehr lange.

Der Keller-Verlag in Starnberg gibt „Das Örtliche“ für Garmisch-Partenkirchen heraus. „Wir haben da einen weißen Fleck“, sagt Sprecherin Cleo Herbst. Besagtes Großweil. Darum kümmert sich der Münchner Adressbuchverlag Ruf, der wiederum „Das Örtliche“ für Bad Tölz-Wolfratshausen und Umgebung druckt – samt der Garmisch-Partenkirchner Gemeinde.

Schlehdorf, Kochel und Großweil teilen sich die Vorwahl: Ist das die Erklärung?

Dafür liefert Bürgermeister Manfred Sporer eine Erklärung. Früher wurde ihm zufolge Großweil nicht eigens im Telefonbuch aufgeführt. Vom örtlichen Telefonnetz her gehörte es zu Kochel am See. Noch heute teilen sich die beiden Gemeinden sowie Schlehdorf die Vorwahl 0 88 51. Erst später – wann, weiß Sporer nicht – bekam Großweil seinen eigenen Abschnitt im Buch. Die Vorwahl blieb und damit, vermutet Sporer, auch die Zugehörigkeit zum Bad Tölz-Wolfratshauser „Ö“.

Klingt plausibel. Ob’s allerdings stimmt, weiß der Rathauschef nicht. Die Deutsche Telekom Medien GmbH (DeTeMedien), die mit über 100 Fachverlagen „Das Telefonbuch“, „Gelbe Seiten“ und „Das Örtliche“ herausgibt und verlegt und den jeweiligen Verlagen die Datensätze liefert, hilft bei der Ursachenforschung nicht weiter. Sprecher Michael Hein betont nur, dass man „nicht von einer falschen Zuordnung sprechen kann“. Denn „Das Örtliche“ sei nicht in Landkreise eingeteilt, sondern in regionale Bereiche. Deshalb der Titelhinweis „für Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Umgebung“.

Die Suche nach den Großweiler Telefonnummern

Auch wenn die Aufteilung offenbar bereits seit Jahrzehnten gilt – nicht bei jedem hat sie sich herumgesprochen. Immer mal wieder erreichen Annemarie Stadler von der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt Anrufe, weil die Leute nicht wissen, wo sie Großweiler Telefonnummern finden. Schon öfter hat Bürgermeister Sporer darüber nachgedacht, Großweil in das vermeintlich richtige Buch übertragen zu lassen. „Wir gehören ja zu Garmisch-Partenkirchen.“ Bislang hat er nur noch keinen Antrag gestellt. Das will er nachholen.

Der Verlag Ruf würde mit Großweil und seinen Firmen nicht nur Telefonnummern, sondern wohl auch Einnahmen verlieren. Wie der Keller-Verlag finanziert er sich unter anderem über bezahlte Unternehmenseinträge im Verzeichnis. Cleo Herbst vom Keller-Verlag zufolge gilt Gebietsschutz: Bei ihnen taucht keine Firma aus dem Bad Tölz-Wolfratshauser Buch auf und umgekehrt.

Stadler von der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt glaubt sowieso, dass sich die meisten Großweiler die Verzeichnisse für beide Gebiete besorgen. Sie selbst macht’s genauso. Für die Gemeinde bestellt sie immer um die 30 Garmisch-Partenkirchner Exemplare zum Auslegen. „Die sind gleich weg.“

Über Großweil und seine Lage – im Westen liegt gleich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, im Norden Weilheim-Schongau – „könnte man ohnehin einen Roman schreiben, sagt Stadler. In diesem „Dreiländereck“ sei alles ein wenig komplizierter. Beispiel Schulwesen: Großweil hat einen Schulverbund mit Schlehdof im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Es sind also stets zwei Ämter beteiligt. Oder der Fall Glentleiten, wo wie berichtet ein neues Eingangsgebäude samt Gaststätte gebaut wird. Das Freilichtmuseum selbst gehört zu Großweil. Für das neue Gebäude aber ist der Nachbarlandkreis zuständig.

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