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Wäre im Nationalpark-Gebiet: die Eibsee-Seilbahn.

Landrat lehnt Realisierung ab

Nein zum Nationalpark

Landkreis - Die Diskussion lebt wieder auf: Nach den Plänen der Regierung, einen dritten Nationalpark in Bayern anzustreben, wurde das Thema nun auch im Umweltausschuss des Kreistages behandelt. 

Das Thema Nationalpark Ammergebirge war eigentlich vom Tisch. Zumindest bis zu dem Tag im Juli, an dem die CSU bei ihrer Klausurtagung am Tegernsee sich dazu entschlossen hat, ein drittes Schutzgebiet dieser Art in Bayern anzustreben. Das Ammergebirge zählt neben dem Spessart zu den Favoriten. Bei den Nationalpark-Gegnern schrillten die Alarmglocken, bei den Befürwortern knallten die Sektkorken. Zu Letzteren gehört einer nicht: Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Das machte er in der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags mehr als deutlich.

„Ich appelliere dafür, dass wir das verhindern“, sagte er mit strenger Stimme zu den Ausschussmitgliedern. „Wir brauchen keinen Nationalpark.“ Noch sind es reine Überlegungen der Staatsregierung. Landratsamts-Jurist Simon Untergruber erläuterte, dass das Umweltministerium dem Landkreistag mitgeteilt habe, dass mit der betroffenen Region ein Dialogprozess geführt werden soll. „Am Anfang stehe die Interessensbekundung aus der Region und am Ende die Entscheidung der Verantwortlichen vor Ort.“ Ohne deren Segen kein Nationalpark. So zumindest lautet das Versprechen der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU).

Naturpark bereits auf den Weg gebracht

Von Speer wird es definitiv kein Grünes Licht geben. Die Diskussionen über eine Umsetzung eines Natur- oder Nationalparks gab es bereits in der Vergangenheit. Sie waren umfangreich und intensiv – und mit einem klaren Ergebnis: Alle Ammertal-Kommunen haben sich in ihren Gemeinderäten gegen die strengere Schutzgebiets-Ausrichtung ausgesprochen. Dafür soll der Naturpark Ammergauer Alpen entstehen. Der dafür nötige Pflege- und Entwicklungsplan ist bereits auf den Weg gebracht und wird nun geprüft. „Ich will den Naturpark nicht mehr in Frage stellen“, betonte der Landrat. Zudem sieht er dessen Vorteil in der sogenannten Besucherlenkung, also darin, dass bestimmte Regionen vom Tourismus freigehalten werden.

Seilbahnen in Nationalpark verboten

Unterstützung erhielt Speer von Josef Glatz. Der Garmisch-Partenkirchner CSU-Kreisrat kann dem Nationalpark nicht viel Positives abgewinnen. Gerade mit Blick auf die Einschränkungen für Wald- Jagd- und Almwirtschaft, „wird von der normaldenkenden Bevölkerung niemand dafür sein“. Denn 75 Prozent des Gebiets wären dann Kernzone, müssten unberührt bleiben. „Das ist nicht zu erreichen, wenn man Bewirtschaftung hat.“ Sein Sitznachbar im Ausschuss, Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl, hat noch ganz andere Bedenken. Laut Nationalpark-Entwurfsplan liegt die Eibsee-Seilbahn komplett in dem Schutzgebiet, die Alpspitzbahn zum Teil. Er hat in der Verordnung des Nationalparks Berchtesgadener Land geblättert. Dort stehe, dass Seilbahnen verboten sind. „Wenn was kaputt geht, dürfen wir das nicht mehr richten“, erklärt er. „Das wäre der Super-GAU.“

Nur einer mahnte, den Nationalpark von vornherein pauschal abzulehnen. Georg Buchwieser von den Grünen forderte Gespräche mit Experten. Denn es gebe schon Vorteile, wie neue Arbeitsplätze und einen möglichen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch für Speer ist der Drops gelutscht. „Wir haben das alles schon durchdiskutiert“, sagte er, „und können nicht wieder bei null anfangen“. Speer bleibt bei seiner Meinung: Der Naturpark und das Unesco-Weltkulturerbe – darüber hinaus „gibt es für uns keine Steigerung mehr“. 

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