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Bürgermeister im Mittelpunkt: Adolf Hornsteiner (Mitte) erhält von Niklas Hilber (l.) und Peter Wimmer in der TSV-Halle die Bairische Sprachraute.

Auszeichnung für Mittenwalder Bürgermeister

Beim Gamsbart hört der Spaß auf

Mittenwald - Selbst der US-Präsident wurde von ihm auf guad Boarisch in die Schranken gewiesen. Der Mittenwalder Bürgermeister liebt seinen Dialekt und erhielt nun eine Auszeichnung.

Andere Kollegen müssen sich regelrecht in den Trachtenanzug zwängen, um dem Klischee eines oberbayerischen Bürgermeisters zu entsprechen. Beim Zither spielenden Mittenwalder Rathauschef Adolf Hornsteiner ist das nicht der Fall. Der Mous’n-Adi ist im Grunde ja in seine Lederhose hinein geboren worden. Und der Gamsbart spielt bei einem Werdenfelser Mannsbild wie ihm eine mindestens genauso große Rolle. Das bekam beim legendären G7-Gipfel im Juni 2015 in Schloss Elmau auch der mächtigste Mann der Welt zu spüren. Als nämlich der faszinierte Barack Obama beim Anblick von Hornsteiners prächtigem Hut-Schmuck unwissend diesen berühren wollte, entgegnete ihm Hornsteiner: „Hoit, Herr Präsident, des kinnas it machen!“ Obama verstand kein Wort, aber doch genug, um zu begreifen: „Bayern an den Gamsbart fassen, ist, amerikanisch ausgedrückt, „strictly forbidden“ – eben ein „No go“

Diese Episode gab der Bürgermeister neulich beim Herbstsingen in der vollbesetzten TSV-Halle zum Besten – nicht ohne Grund. Denn genau diese Liebe zur Heimat und zur bayerischen Sprache katapultierte den 55-Jährigen direkt auf die Bühne zu Peter Wimmer und Niklas Hilber aus Oberau vom Bund Bairische Sprache. Die beiden überreichten Hornsteiner die Auszeichnung „Südbairisch-Alemannische–Sprachraute“. Damit werden dessen Verdienste um den Dialekt gewürdigt. Denn für den Mittenwalder ist Bayerisch sozusagen Amtssprache, wie nicht zuletzt selbst Obama erfahren durfte.

Auf diese Episode ging Hilber, seines Zeichens Lehrer und Sprachwissenschaftler, auch in seiner Laudatio ein. „Bürgermeister Hornsteiner hat bei offiziellen Anlässen wie etwa dem G7-Gipfel seine regionaltypische Artikulation im Rahmen des Gebrauchs der Standardsprache stets beibehalten“ – und das verdiene allerhöchste Anerkennung. Der Geehrte meinte nur: „Ich bin beruflich viel in der Welt herumgekommen und habe immer Tracht getragen und Bayerisch gesprochen, das hat mir viel Anerkennung und Respekt eingebracht“ – offenbar auch beim Mann aus dem Weißen Haus.

Wolfgang Kunz

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