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Lieben den bairischen Dialekt: Peter Wimmer (l.) und Niklas Hilber. Deshalb zeichnen sie die drei Isartal-Bürgermeister aus, die während des G7-Gipfels ihrer Sprache treu geblieben sind.

Heimat im Herzen und auf der Zunge

Bairische Sprachraute für Isartaler Bürgermeister

Oberes Isartal - Sie bleiben ihrem Dialekt auch im Amt treu. Deshalb erhalten die dri Isartaler Bürgermeister die Bairische Sprachraute.

Ist die bairische Mundart noch medienwirksam und damit auch salonfähig? Niklas Hilber aus Oberau sagt Ja und findet in den drei Bürgermeistern des Oberen Isartals beste Vorbilder. Sie werden mit der „Bayerischen Sprachraute“ ausgezeichnet. Grund hierfür sei das „treu bleiben“ des Isartaler Dialekts während der Berichterstattung rund um den G7-Gipfel im Schlosshotel Elmau im vergangenen Jahr. Am 22. Oktober während des Sängertreffens wird der Preis zuerst Mittenwalds Gemeindechef Adolf Hornsteiner verliehen.

Hilber weiß, dass Bairisch zu den gefährdeten Sprachformen gehört. Der Oberauer Germanist und Deutsch-Lehrer musste dies in seinem Heimatort am eigenen Leib spüren. „Der Oberauer Ortsdialekt ist bereits ausgestorben“, erklärt er. Schuld war die Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts. Wie diese Mundart genau geklungen hat, ist nur mehr zu erahnen. Schließlich ist ein Dialekt nichts, was buchstäblich nieder geschrieben wird. Über die Jahrzehnte hinweg hat vornehmlich der Münchner Dialekt dem ländlichen Süden der Landeshauptstadt den Rang abgelaufen.

Deshalb trat Hilber bereits als junger Erwachsener dem damaligen Verein „Förderung bairischer Sprache“ bei. Als sich 2011 schließlich der „Bund bairische Sprache“ gründete, übernahm er dort den Posten des Beauftragten für Oberbayern – also im Epizentrum des bairischen Dialekts. Sein Einsatzgebiet erstreckte sich fortan bis nach Kärnten. Denn auch weite Teile Österreichs gehören zur „bairischen Mundart“. Mit ihr würde ein Stück Kulturgut unwiederbringlich verloren gehen, da ist er sich sicher.

Um diese Entwicklung zu stoppen, hat Hilber ein erklärtes Ziel: Ein „Umdenk-Prozess“ soll eingeleitet, die Mundart wieder medienwirksam und salonfähig gemacht werden. Und in diesem Punkt waren die drei Isartaler Bürgermeister vorbildlich, wie Hilber und sein Mitstreiter Peter Wimmer aus Mittenwald versichern.

„In allen TV-Beiträgen, bei großen Ansprachen vor tausenden Menschen in Festzelten oder einfach während Gesprächen mit Politikern, Staatsbediensteten und internationalen Gästen blieben sie ihrer Mundart weitestgehend treu“, beschreibt Wimmer. Er selbst trat dem „Bund Bairischer Sprache“ bei, als er bei seiner mündlichen Fachlehrerausbildung Minuspunkte kassierte, weil er eben im Mittenwalder Dialekt vorgetragen hatte. „Dieser Passus wurde nun abgeschafft“, erläutert der CSU-Gemeinderat.

Damit errang er bereits seinen ersten, größeren Erfolg. Durch das internationale Interesse der Medien an dem G7-Gipfel wurde die echte Isartaler Mundart einem Millionen-Publikum präsentiert. „Auch wenn manche Prominente meinten, den Dialekt nach wie vor als dümmlich darzustellen“, wie Hilber im Bezug auf die Aussagen von Komiker Michael Mittermeier in einem TV-Beitrag findet. „Doch auch ein Herr Mittermeier war Mal der Mundart mächtig“, stellt er amüsiert fest.

Somit wird Hornsteiner am 22. Oktober als erstem die „Bairische Sprachraute“ verliehen. „Das freut mich natürlich schon“, sagt der Rathaus-Chef. Von Beginn seiner Amtszeit an habe er bewusst auf seinen Mittenwalder Dialekt und die bayerische Tracht gesetzt. „Das hat mir andernorts viel Respekt eingebracht.“ Die Raute aus Lärchenholz, die er bald in Händen hält, zeigt einen bayerischen Löwen und einen Tiroler Adler, die sich umarmen.

Das Motiv – bekannt aus der Leutaschklamm – zeigt die Verbundenheit zwischen Bayern und Tirol. „Nun wollen wir auch sprachlich über die Grenzen hinaus eine Zusammengehörigkeit schaffen“, lautet Wimmers Plan. Den „europäischen Gedanken“ in der Mundart finden.

Wichtig für diese Arbeit seien Unterstützer, die Mitglied im Verein werden wollen. „Mitmachen kann absolut jeder, egal, welche Sprache er spricht“, beschreibt Hilber. Und so schloss auch er das Gespräch mit den gleichen Worten wie Hornsteiner bei jeder Bürgerversammlung: „Oder wia ma bei ins do z’Middawoid sagt: Goidsgod für’s zualousna.“

Josef Hornsteiner

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