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Ingrid Hauptmann ist Vorsitzendevon „Zammlebn“.

Krün forciert Seniorenarbeit

Dorferneuerung Krün: Wie Senioren zurück ins Leben geholt werden

Krün -Zwei engagierte Frauen haben ehrgeizige Projekte vorgestellt. Daraus erhofft man sich in Krün Inspiration für ihre Dorfentwicklung – vor allem in Hinblick auf Senioren.

Für Birgitta Opitz war es vor mehr als zehn Jahren ein Schock, als sie bei einer betuchteren älteren Dame zuhause war. Als Seniorenreferentin der Gemeinde Lenggries unterstützte sie den Bürgermeister bei seinen Geburtstagsbesuchen. Doch dieser eine Termin war anders. „Es war eine Frau, die überhaupt keinen Kontakt mehr zur Außenwelt hat“, erinnert sich Opitz. Einzig eine Seniorenhilfe hing ihr Nahrungsmittel und Hygiene-Artikel vor die Tür. Es lief Tag und Nacht der Fernseher bei der Frau. „Weil ich sonst Angst habe, dass Sprechen zu verlernen“, gestand die Seniorin. Für die erschrockene Opitz war klar: Da muss was passieren. So rief sie in ihrer Heimat-Gemeinde die Initiative „Ein bisserl Zeit nehmen“ ins Leben. Um das wohl kostbarste eines Menschen zu schenken – die Zeit.

Opitz, die zuvor schon den Förderverein Seniorentreff ins Leben rief, merkte jedoch schnell, dass diese Treffen alleine noch nicht reichten. Vor allem älteren Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die körperlich wie auch psychisch nicht mehr aus dem Haus kommen, wollte sie helfen. Neben der Unterstützung finanziell bedürftiger Menschen umfasst das Angebot Einkaufshilfen, Begleitung zu Arztterminen, Fahrdienste sowie gemeinsame Spaziergänge und das miteinander Reden.

Als sie schließlich zu einem monatlichen Seniorenfrühstück lud, wuchs die Nachfrage enorm. Seit dem Frühjahr 2009 finden die Treffen bereits zweimal im Monat statt, „seit 2011 wurden bei 87 Seniorenfrühstück 3827 Personen kostenlos bewirtet“. Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus Spendengeldern. „Es kamen Menschen, die man sonst nirgends mehr gesehen hatte.“ Die sieben freiwilligen Helfer sind mittlerweile auf 70 angewachsen.

Dieses Konzept stellte Opitz nun auf Einladung der Krüner Dorfentwickler im Krüner Rathaus vor. Denn im Arbeitskreis Soziales/Kultur hat sich in Sachen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bereits viel getan, wie Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) berichtete. „Nun wollten wir das Thema Senioren aufgreifen.“ Denn diese Initiative wäre auch für Krün eine „interessante und zukunftsorientierte Lösung“.

Doch wie kann man gerade die Menschen ausfindig machen, die von solch einem Angebot den meisten Nutzen hätten? Sprich, ältere finanzschwache und vereinsamte Senioren? „Wir haben bereits einen Fragebogen ausgearbeitet, der den Krünern zugeschickt wird.“ Der Erfolg dieser Umfrage wurde allerdings in Frage gestellt. „Vereinsamte Senioren reagieren auf solche Fragebögen in der Regel nicht“, machte Opitz deutlich. Die Senioren „müssten persönlich zu Hause angesprochen werden.“ Das Problem: „Wir können aus Datenschutzgründen keine Adressen von der Zielgruppe Senioren weiter geben“, erklärte Schwarzenberger.

Die Dorfentwickler hoffen nun auf die Kinder, Enkel oder auf aufmerksame Menschen, die wüssten, wer Hilfe bräuchte. Oftmals sei es auch Scham, warum sich die Hilfebedürftigen nicht freiwillig melden. Lobend erwähnte auch Ingrid Hauptmann die Initiative. Sie ist mittlerweile die Vorsitzende des „Arbeitskreis Zammlebn“ der Dorfentwicklung Benediktbeuern. „Für uns war die Dorferneuerung eine echte Chance“, meinte sie. Sie rief den Mittagstisch für Senioren ins Leben. „Für fünf Euro pro Person werden dort täglich bis zu 25 Menschen verköstigt.“ Doch wichtiger noch: „Viele kommen nicht nur zum Essen, sondern viel mehr, um sich auszutauschen“. Damit auch Senioren wieder am Leben teilhaben können.

Josef Hornsteiner

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