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Machen sich für Flüchtlinge stark: (v.l.) Christa Wolf, Edith Fehrenbach (Heimleiterin „Am Gerber“, Klaus Tappe und Michael Bieber (Leiter des Asylbewerberheims am Weidenweg). 

Zwischen Freude und Enttäuschung

Ein Jahr Flüchtlinge in Mittenwald - eine Bilanz

Mittenwald - Seit einem Jahr leben in Mittenwald Asylbewerber. Die Ehrenamtlichen und der Bürgermeister ziehen eine positive Bilanz. Eine große Sorge gibt es aber. 

Manche sagen zu ihr: „Du bist meine Familie.“ Manche nennen sie liebevoll Oma. Das sind die Momente, in denen Edith Fehrenbach erkennt, dass sie das Richtige macht. Dass ihre Hilfe geschätzt wird. Fehrenbach leitet Mittenwalds zweites Asylbewerberheim, das Haus „Am Gerber“. 23 Migranten beherbergt sie derzeit. Damit ist es längst nicht getan. Davon können diejenigen, die sich für Flüchtlinge engagieren, ein Lied singen. Es ist ein Drahtseilakt – und ein Wechselspiel zwischen Freude und Enttäuschung.

Vor gut einem Jahr sind die ersten Migranten in der Isartaler Gemeinde angekommen. Erst im Asylbewerberheim am Weidenweg. 83 Menschen finden dort eine Bleibe. „Wir sind voll“, sagt Michael Bieber, der die Einrichtung der Regierung von Oberbayern vor Ort verwaltet. Der Anfang war schwer. Die Angst vor Fremden, vor anderen Kulturen, darauf mussten sich die Bürger erst einstellen. Wie überall. Vorbehalte existieren immer noch. Zwischen den Flüchtlingen und der Bevölkerung zu vermitteln, sei deshalb das Wichtigste, betont Bieber. Inzwischen klappt das Zusammenleben trotzdem gut.

Zahl der Ehrenamtlichen nimmt ab

Zu diesem Fazit kommt auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Aus seiner Sicht verlaufe alles unspektakulär – im Sinne von positiv. Ein Zustand, der vor allem den Ehrenamtlichen zuzuschreiben ist. „Sie haben den Ball sofort aufgenommen“, sagt der Rathauschef. „Denn Integration funktioniert nur miteinander.“ Regionentreffen oder Kennenlern-Aktionen wurden veranstaltet. All das hat zur Sensibilisierung beigetragen.

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Zahl der Freiwilligen schwindet. Von rund 50 sind noch 20 übrig geblieben, macht Klaus Tappe deutlich. Die Arbeit allerdings wird nicht weniger. Die Helfer haben sich in Gruppen organisiert – in Zuständige für Patenschaften, für Sprache und für Ämtergänge. Kein Zuckerschlecken, gerade für die Anerkennung der Flüchtlinge gibt es Tappe zufolge eine „riesige Antragsflut“ zu bewältigen. Mit dem Erreichten sind sie zufrieden. Neun Asylbewerber-Kinder gehen mittlerweile in den Kindergarten, zwölf in die Schule, weitere 13 Flüchtlinge machen eine professionelle Sprachausbildung, einer arbeitet als Aushilfskoch in einem Hotel.

Wohnraum fehlt

Für ein paar der Migranten, zum Teil Familien, haben die Ehrenamtlichen um Tappe, Christa Wolf und Co. schon eigene Wohnungen gefunden. Glücksfälle. Denn diese Sorge treibt sie um: „Es ist wirklich ein Problem, Wohnungen zu bekommen“, klagt Fehrenbach. Die vereinzelt vorhandenen Vorbehalte kommen dort deutlich ans Tageslicht. Diese Erfahrungen haben die Freiwilligen alle gemacht. Besonders erzürnt war die Leiterin vom „Gerber“ bei einer Aussage eines Vermieters. „Ich warte auf etwas Besseres“, hat der ihr zu verstehen gegeben. „Das sind die Enttäuschungen“, sagt sie. Deshalb würde sie sich vom Markt wünschen, einen Appell an die Bürger zu richten. Zum Beispiel in die Richtung, dass Betreiber, die ihr Ferienwohnungs-Geschäft aufgeben wollen, die Räume zur Verfügung stellen. Hornsteiner versteht sie, nur kann auch die Gemeinde keinen Wohnraum aus dem Ärmel schütteln. Zumal sie „das wichtige Recht auf Eigentum bewahren muss“. Der Rathauschef sieht die Platznot als gesellschaftliches Problem, das nicht nur Mittenwald hat – und wovon nicht nur Flüchtlinge betroffen sind.

Mittenwald an der Aufnahmegrenze

Hornsteiner scheut sich nicht, beim Flüchtlingsthema deutliche Worte in den Mund zu nehmen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass sich manche den Deutschkursen verweigern. „Zwei Drittel gehen zur Schule“, sagt Bieber. „Wir können aber niemanden zwingen, nur dazu ermutigen.“ Der Rathauschef verlangt eine gewisse Härte. „Wer sich nicht integrieren lassen möchte, der sollte wieder zurück.“ Ein Zusammenleben könne nur funktionieren, wenn die Menschen bereit sind, sich der Wertegemeinschaft anzupassen.

Eine Meinung, der die Ehrenamtlichen, die viele der Schicksale der Menschen kennen, zustimmen. Doch in solchen Fällen stehen sie auf verlorenem Posten. Trotz ihres Engagements. Mehr kann man von ihnen nicht verlangen, das macht der Rathauschef deutlich. „Sie sind nicht ewig belastbar.“ Deshalb vertritt er auch einen klaren Standpunkt: Mit rund 120 Asylbewerbern „ist die Grenze in Mittenwald erreicht“. Denn Angela Merkels „Wir schaffen das“ sei nur bis zu einer gewissen Dimension leistbar.

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