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Rückzugsort: Das Hotel Interalpen bei Buchen in Tirol soll im Mai oder Juni 2015 Schauplatz der sagenumwobenen Bilderberg-Konferenz sein – wenige Tage vor dem G7-Gipfel in Schloss Elmau.

Kurz vor dem G7-Gipfel

Bilderberg-Konferenz: Geheimtreffen der Mächtigen

Krün - US-Präsident Obama, Bundeskanzlerin Merkel, Staats- und Regierungschefs der weltweit größten Industrienationen – die Teilnehmerliste am G7-Gipfel 2015 im Isartal ist bekannt. Anders als jene einer geheimnisvollen Konferenz Tage zuvor in der Nachbarschaft.

Bestätigen könnten es nur diejenigen, die tatsächlich dabei waren. Die mit im Saal saßen. Nur sie könnten sagen, ob Politiker bei einer Bilderberg-Konferenz den Weg frei gemacht haben für die Europäische Union (EU). Oder für die Deutsche Wiedervereinigung. Oder den Irak-Krieg von 2003. Legenden oder Wahrheit?

Aber die handverlesenen, hochkarätigen Teilnehmer, die sich seit 1954 einmal jährlich hinter geschlossenen Türen treffen, sind zum Stillschweigen verurteilt. Noch nie wurden Diskussionen oder Einigungen bekannt, und noch nie hat ein Teilnehmer etwas verraten. Was wohl die Folgen und Sanktionen wären?

Das nährt seit Jahrzehnten wilde Verschwörungstheorien: Die „Bilderberger“, so heißt es, würden eine Art „Weltherrschaft“ anstreben und eine neue Weltordnung begründen wollen. 2015 soll eben diese Konferenz im Hotel Interalpen Tyrol am Seefelder Hochplateau stattfinden – wenige Tage vor dem G7-Gipfel und nur wenige Kilometer von Schloss Elmau entfernt. Dafür gibt es zahlreiche Hinweise, aber keine offizielle Bestätigung. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Als im Januar 2014 die ersten Gerüchte bekannt geworden waren, dass eine Veranstaltung von höchster internationaler Bedeutung auf Schloss Elmau stattfinden werde, dachte mancher an die Bilderberg-Konferenz. Abgelegen, verschwiegen, luxuriös – es würde passen. Tatsächlich aber ist das Schloss Elmau Gastgeber für das offizielle Gipfeltreffen von Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen weltweit. Und die „Bilderberger“ treffen sich keine 30 Kilometer südlich davon. Die 282 luxuriösen Zimmer und Suiten des Fünf-Sterne-Superior-Hauses sollen vollständig gebucht sein.

Im Mai 1954 bat Prinz Bernhard der Niederlande erstmals zu einem Treffen: in das Hotel de Bilderberg in Oosterbeck. Der Name war geschaffen. Bereits die dritte fand dann in Deutschland statt: vom 23. bis 25. September 1955 in Garmisch-Partenkirchen. Das Hotel Interalpen in Buchen indes war 1988 schon einmal Schauplatz, damals unter anderem mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Die letzte Konferenz in Deutschland fand 2005 statt: im Hotel Überfahrt in Rottach-Egern am Tegernsee.

Rund 140 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, dem Finanzsektor und Medien schließen sich in der Regel für vier Tage in einem Hotel ein. Auch Vertreter der europäischen Königshäuser gesellen sich gerne hinzu. Heuer kamen unter anderem Königin Beatrix, Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, EU-Kommissarin Vivian Reding, Google-Aufsichtsratsvorsitzender Eric Schmidt, der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, Ende Mai in Kopenhagen zusammen. Das heißt, ihre Namen sind bekannt geworden. Wer darüber hinaus in schwarzen Limousinen mit verdunkelten Scheiben durch die dänische Hauptstadt fuhr, vermag aber niemand zu sagen. Themen sollen die Lage in der Ukraine, die Weltwirtschaft und die Zukunft Chinas gewesen sein.

Die Gäste für Ende Mai oder Anfang Juni 2015, die der Vorsitzende Henri de Castries, Vorstandsvorsitzender des französischen Versicherungskonzerns Axa und persönlicher Freund des ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, einlädt, ist natürlich streng geheim.

Sicher aber ist, dass Ort und Zeitpunkt dieser Konferenz in engstem Zusammenhang mit dem G7-Gipfel stehen. Denn einige „Bilderberger“ werden auch in das Isartal oder zu den begleitenden Beratungen nach München reisen.

Davon geht auch die bayerische Polizei aus. Der Planungsstab für den Gipfel habe deswegen bereits Kontakt aufgenommen zu den Kollegen in Tirol, bestätigt Pressesprecher Gottfried Schlicht. „Regelmäßig, gut und intensiv“ sei der Austausch. Doch noch wissen die österreichischen Behörden nicht mehr.

Der Stab der bayerischen Polizei nimmt die Bilderberg-Konferenz in seine Planungen auf. „Das werden ein paar Prozent Aufwand mehr“, vermutet Schlicht. „Und wir müssen sehen, welche Folgen das für unseren Personaleinsatz hat.“ Es drohen auch dazu Proteste und Demonstrationen; die österreichischen Behörden blicken nach Recherchen der Tiroler Tageszeitung auf Innsbruck und Garmisch-Partenkirchen, weil das Hotel Interalpen Tyrol hermetisch abgeriegelt wird. Denkbar sei zudem, dass Teilnehmer von München durch das Werdenfelser Land nach Tirol – oder anschließend zurück – reisen und dafür besonderen Schutz benötigen oder Verkehrsregelungen erforderlich werden. Aber dazu brauche es mehr Informationen

Wird den Sicherheitsbehörden in Deutschland vorgeworfen, sie würden zu wenig über die Folgen des G7-Gipfels informieren – bei der Bilderberg-Konferenz wissen sie derzeit selbst nicht viel.

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