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Kompromisslösung: Vollabdeckende Grabsteinplatten sind künftig im erweiterten Teil (grün) des Mittenwalder Friedhofs erlaubt, im „historischen“ (rot) nicht

Gemeinderat revidiert eigenen Beschluss

Mehr Freiheiten auf dem Mittenwalder Friedhof

Mittenwald - Mittenwalds Bürgermeister räumt einen Fehler ein: „Wir haben nicht rechtens gehandelt.“ Deshalb hat sich der Gemeinderat nochmal mit der Friedhofssatzung beschäftigt. 

Das kommt nicht oft vor, dass ein Gemeinderat eine Entscheidung innerhalb weniger Monate nochmal kippt. Beim Mittenwalder Gremium ist das nun passiert. Es hat ein Votum vom Oktober 2015 mehr oder weniger revidiert. „Der Beschluss war nicht richtig“, sagt Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Damals lehnten die Volksvertreter mit einem Stimmen-Patt (8:8) die Verwendung von voll abdeckenden Grabsteinplatten am Friedhof ab (wir berichteten). Jetzt gibt’s eine neue Regelung.

Es handelt sich um einen Kompromiss, auf den man sich einigte (12:8). Demnach ist eine Komplettabdeckung auf dem kiesgebundenen „historischen“ Friedhof im engen Umfeld der St.-Nikolaus-Kirche weiterhin verboten, im erweiterten Teil dagegen zulässig. „Das ist eine Zweidrittel-Liberalisierung“, sagt Hornsteiner. Am alten Friedhof soll ihm zufolge der Status-Quo-Charakter aufrechterhalten bleiben. Bisher existiert dort nur eine Grabplatte, und die stamme aus dem 19. Jahrhundert.

„Die Gemeinde kann Richtlinien und eine Satzung festlegen“, sagt der Rathauschef, „aber sie muss eine freie Gestaltung zulassen“. Zu dieser Erkenntnis ist die Kommune gekommen, nachdem sie sich juristische Beratung holte. Hornsteiner gibt offen zu, dass der Rat im vergangenen Jahr nicht rechtens gehandelt hat. Deshalb stand die Änderung der Friedhofssatzung nun erneut auf der Tagesordnung. Die Entscheidung räumt den Grabbesitzern mehr Freiheiten ein. Zumindest manchen.

Das Thema hat auch wie zuletzt die Meinungen gespalten, weil es eine Frage des Geschmacks ist. Das will Klaus Zwerger (Bürgervereinigung) gar nicht abstreiten, er bleibt trotzdem ein Verfechter des alten Zustands. Aber: Mit dem Kompromiss für „eine der ältesten Kultstätten Mittenwalds kann ich leben“, sagt der pensionierte Postbeamte. Eine andere Ansicht vertritt Rosemarie Mayr-Görlich, auf deren Antrag auf eine vollständige Abdeckung des Grabes damals das Thema überhaupt erst zur Sprache gekommen war. „Das ist negativ für mich“, betont sie. Denn die Ruhestätte ihrer Familie liegt mitten im „historischen“ Bereich des Friedhofs. „Mit dem Beschluss hab’ ich nichts gewonnen."

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