Keine Beweise für Drogenhandel

Mittenwalder pflanzt Hanf-Plantage im Schlafzimmer

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald - Er hat sich ein Drogen-Gärtlein unter seinem Bett angelegt: Ein 35-jähriger Mittenwalder pflanzt im Schlafzimmer eine Hanf-Plantage. Der Richter verhängt eine Bewährungs- und Geldstrafe.

Eine ausführliche Gebrauchsanleitung, wie man eine kleine Plantage mit Hanfpflanzen anlegt, um sich damit das Rauschgift Marihuana selbst zu ziehen, konnten diejenigen bekommen, die bei einer Verhandlung des Schöffengerichts den Ausführungen des 35-jährigen Angeklagten lauschten: Der Mittenwalder hatte sich im heimischen Schlafzimmer unterm Hochbett solch ein kleines Gärtlein aus zehn Pflanzen angelegt. Deshalb saß er unter dem Verdacht, die Droge auch in den Verkauf gebracht zu haben, vor Gericht. Nachgewiesen konnte ihm das nicht werden, weshalb der Mann mit einer 14-monatigen Bewährungsstrafe und 2000 Euro Geldauflage davonkam.

Laut Staatsanwalt Marco Heim habe der Beschuldigte in seiner Mittenwalder Mietwohnung in den Jahren 2012 bis 2014 mindestens 212 Gramm Marihuana mittels Hanfpflanzen aufgezogen, wovon 112 Gramm des Betäubungsmittels einen Wirkstoffgehalt von 2,6 Prozent gehabt hätten, und weitere 110 Gramm einen Gehalt von 9,8 Prozent. Summasummarum: mindestens 13,8 Gramm reines Cannabinol, das die Basis von Cannabis und Marihuana ergibt und zum gewinnbringenden Handel bestimmt gewesen sei, behauptete der Ankläger. Der 35-Jährige bestritt zwar nicht, schon seit zehn Jahren gelegentlicher Drogenkonsument zu sein, doch Handel hätte er nie betrieben. Vielmehr beabsichtigte er, „mir mein Marihuana selber zu machen“. Begonnen habe er mit verschiedenen Pflanzensorten, die man zwar nicht in Deutschland, dafür aber im nahen Österreich kaufen könne: „Meine ersten neun Pflanzen habe ich unterm Hochbett in meiner 45-Quadratmeterwohnung gezogen.“ Die Droge sei eine recht gute Alternative zu den Tabletten gewesen, „die ich gegen meine Kopfschmerzen nahm“.

Die Ernte hat der Mittenwalder jeweils luftdicht verpackt in der Wohnung aufbewahrt. Der Angeklagte führte seine Schilderung über seinen Plantagen-Aufbau weiter aus: „Insgesamt hat mich das an die 700 Euro gekostet: Zwei Ventilatoren, zwei teure Natriumdampflampen, auf dass es die lichthungrigen Pflanzen in der Wohnung auch angenehm hatten – das alles kostet Geld, ebenso der Stromverbrauch.“

Überführt hat ihn schließlich ein Nachbars-Paar, mit dem er in Streit geraten war. Ein von der Polizei abgehörter Skype-Nachrichtenaustausch, aus dem hervorging, dass er möglicherweise einem Interessenten zu Weihnachten 2013 etwa 50 Gramm Marihuana gegen Bezahlung hätte liefern können, erwies sich aber als gegenstandslos. Der Kunde meldete sich nicht mehr.

Deshalb und aufgrund seiner Aussage stellte das Gericht schließlich den Vorwurf ein, der Mann würde mit Drogen dealen. Der Staatsanwalt beantragte eine 19-monatige Bewährungsstrafe sowie 3000 Euro Geldauflage. Verteidiger Franz Großhauser befand das für zu hoch. Ihm zufolge aht der Angeklagte zwar nicht gerade wenig geerntet, das Ergebnis von 13,8 Gramm Cannabinol bei einer Gesamt-Ernte von 225 Gramm liege aber unter der Grenze, die vom Strafgesetz als „nicht geringe Menge“ bezeichnet wird. Darum plädierte er für allenfalls sechs Monate plus 2000 Euro Geldauflage. Das Gericht freilich suchte das Mittelmaß: 14 Monate Freiheitsstrafe – drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung – sowie 2000 Euro, die der Mittenwalder, an die Suchtberater von „Condrobs“ zu zahlen hat. Überdies verlangte der Vorsitzende Richter Andreas Pfisterer sofortige Drogenabstinenz, die auf Anforderung des Gerichts bis zu sechsmal im Jahr nachgewiesen werden muss. „Damit sind wir mit der Strafe im untersten Bereich geblieben.“

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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