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Das Krüner Wehr aus der Vogelperspektive: Mehrmals in den vergangenen Jahren waren Notspülungen nötig, damit kein Kies in den Kanal gelangt. Das soll ein Kiesfang am südlichen Anfang der Leitdämme verhindern.

Idee gut! Standort schlecht?

Debatte über Kiesfang am Krüner Wehr

Krün/Wallgau - Der Kiesfang an der Isar ist notwendig. Darüber herrscht Einigkeit. Bei der möglichen Umsetzung prallen allerdings verschiedene Meinungen aufeinander. 

Es hat sich abgezeichnet, was wieder passiert. Dunkle grau-braune Flecken im Wasser sind immer weiter Richtung Krüner Wehr gewandert. Angeschwemmter Kies, der sich dort absetzt und so das Unvermeidliche hervorrief: Energieriese Eon musste das Wehr öffnen, ehe das Geröll in den Isarkanal eingedrungen wäre. Zu Notspülungen wie jene am Donnerstag vor einer Woche kam es seit 1995 über 30mal. „Jedes Mal sterben tausende Fische“, klagt Hans Schanderl.

Diesmal ging alles gut, die Isar fiel nicht trocken, die Tiere überlebten. Doch eigentlich bräuchte es dem Gewässerwart des Kreisfischereivereins Garmisch-Partenkirchen zufolge die Spülungen gar nicht. Zumindest nicht in dieser Häufigkeit. Seit Jahren forciert er einen Kiesfang oberhalb des Krüner Wehrs. Doch die betroffenenen Gemeinden Krün und Wallgau sind mit seinem Plan nicht 100-prozentig einverstanden. Der Standort steht zur Diskussion.

Nachdem Variante eins – oberhalb der Fußgängerbrücke – von den Weiderechtlern abgelehnt wurde, steht nun der Weststausee nach dem Überweg zur Debatte. Dort könnte sich der Kies, der durch eine 20 Meter breite Einlassöffnung in den dreiecksförmigen Bereich mit einer Größe von etwa 120 auf 150 Meter geleitet würde, ablagern. Der Rattenschwanz einer Umsetzung: Stromerzeuger Eon, der das Wehr betreibt, verliert die Staufläche für den Schwellbetrieb. Außerdem verkleinert sich die Fischproduktionsfläche. Bei Schanderl überwiegen aber die vielen positiven Effekte. „Der Kiesfang macht Sinn“, betont er. Schon allein, weil sich der Stauraum am Wehr nicht mehr so schnell füllen würde. „Man könnte das Problem nicht ganz lösen, aber verbessern.“ Seiner Meinung nach hätte er eine Kostenersparnis von 30 000 bis 130 000 Euro pro Tag zur Folge, wenn weniger Notspülungen erforderlich sind. Auch etwa 100 000 Euro im Jahr könnten für den Steuerzahler entfallen, weil die Kiesentnahme in der Restisar besser planbar und seltener nötig wäre.

Schanderl wiederholt die Argumente für den Kiesfang an diesem Standort gebetsmühlenartig. Seinen Kampf gibt er nicht so schnell auf, zumal ihn die Ergebnisse des Kiesfang-Versuchs in Obernach, den das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) in Auftrag gegeben hat, bestärken. „Er hat funktioniert“, sagt der Kochler.

Unterstützung erhält der nimmermüde Schanderl vom WWA, das derzeit einen Vorentwurf austüftelt. „Wir sind noch ziemlich am Anfang“, macht Horst Hofmann von der Abteilung Wasserbau- und Gewässerentwicklung deutlich. Doch auch er ist überzeugt, dass mit dem Kiesfang oberhalb des Wehrs eine „Erleichterung des Kiesmanagements“ einhergehe – auch wenn „nur“ ein Drittel zurückgehalten werden könnte. Darüberhinaus besteht laut den Befürwortern bei dieser Variante die Möglichkeit, den Kies im Trockenen zu entnehmen und weiterzuverkaufen. „Man müsste nicht immer im Bachbett rumfahren“, stellt Hofmann klar.

Am 22. Juni soll es ein Projektgespäch mit der Regierung geben. Auch mit den Gemeinden will man sich noch zusammensetzen. „Wenn es keine Einwände gibt, gehen wir ins Planfeststellungsverfahren“, schildert der WWA-Mitarbeiter die weiteren Schritte. Denn das große Ziel ist gesteckt: „Wir wollen die Planung entwurfsmäßig soweit bringen, dass Mitte nächsten Jahres alles spruchreif ist.“

Die Rathauschefs Thomas Schwarzenberger (Krün) und Hansjörg Zahler (Wallgau) dürften die Pläne allerdings schon mal durchkreuzen. Beide befürworten zwar einen Kiesfang, doch nicht an dieser Stelle. Vor allem den zunehmenden Lkw-Verkehr, der angesichts der Kiesentnahme die Orte belasten würde, prangern sie an. Wobei es „Krün da noch schlechter geht“, sagt Wallgaus Gemeindechef. Sein Kollege gibt auch die Verkehrssicherheit zu bedenken. Die Lkw müssten ihm zufolge an ungesicherten Stellen mit erlaubten Tempo 100 auf die Bundesstraße einbiegen. Ein zusätzlicher Dorn im Auge ist Schwarzenberger der Standort, weil dort der Erlebnispfad vorbeiführt. „Das Wandergebiet mit Brücke wäre zerstört“, sagt er. Dabei hat man dafür 300 000 Euro investiert.

Schanderl kennt diese Argumente. Sie bringen ihn aber nicht von seinen Ambitionen ab. Dass die Verkehrsanbindung schlecht sei, „ist fadenscheinig“, denn der Abtransport könne über das Gewerbegebiet erfolgen. Ebensowenig akzeptiert er den Pfad als Ablehungungsgrund. „Ein Weg-Ausbau würde sich rechnen“, sagt er. Außerdem handele es sich nicht um einen Non-Stop-Verkehr, sondern nur um gewisse Zeiten, in denen die schweren Fahrzeuge den Kies verfrachten. Für Schwarzenberger sind seine Vorschläge keine Option, gerade mit Blick auf den Pfad. „Wie sollen wir das vermarkten?“

Die Bürgermeister bleiben dabei: Der Kiesfang wäre an einer anderen Stelle sinnvoller – und zwar ein paar 100 Meter weiter unten – bei der Kiesgrube der Firma Achner, die dort das Gestein entnimmt. „Dort oben verhindert er nicht, dass wir trotzdem unten ausbaggern müssen“, erklärt Zahler. Er wünscht sich deshalb auch, die Schutzvorkehrung zentral an der Isar zu installieren. Alles andere sei für eine Tourismus-Destination nicht verträglich.

Eine Einstellung, die dem Vorhaben des Isarbeauftragen alles andere als in die Karten spielt. „Ich will dem Achner nichts Böses.“ Schanderl geht es schlichtweg um eine effiziente Lösung. Wie diese aussieht, darüber lässt sich offensichtlich streiten. Wenngleich sich alle Beteiligten in einem Punkt einig sind: „Der Kies muss raus“, sagt Schwarzenberger. Ohne Zweifel. Nur müssen die Gemeinden das große Ganze im Blick behalten.

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