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Bergbauer wirbt für fairen Milchpreis

Josef Heiß ist die Stimme Krüns

Mittenwald - Es war Neuland für Josef Heiß: Der Bergbauer aus Krün hat in München einen Radio-Beitrag eingesprochen. Besondere Werbung, hinter der er zu 100 Prozent steht.

Die Lämpchen leuchten. Die Aufnahme läuft. Josef Heiß steht vor dem Mikro. Der Krüner legt los, liest seinen Text vor. Sechs kurze, prägnante Sätze. Fertig. Von wegen. Heiß hat zu schnell gesprochen. Nochmal auf Anfang. Jetzt passt die Geschwindigkeit, aber die Betonung nicht. „Ich hab’ den Text ein paar Mal aufsagen müssen“, erzählt der 56-Jährige heute, ein paar Monate später und lacht über sich selbst. 20 Minuten später war er erlöst. Alles auf Band. Der Bergbauer hat sich auf fremden Terrain bewegt. Fernab seiner etwa 30 Hektar großen Flächen an den Buckelwiesen, am Steilhang und seines Hofs, in einem Münchner Tonstudio. Er gab seine Stimme her – für einen Radio-Spot. Heiß wirbt für die Molkerei Berchtesgadener Land. Als einer von sechs Landwirten, die sich für ein brisantes Thema stark machen wollen: den sinkenden Milchpreis. Die Idee für den Spot mit den Landwirten entstand zu Beginn des vergangenen Jahres.

„Als Genossenschaft ist es uns wichtig, die Landwirte in den Fokus der Kommunikation zu setzen“, sagt Veronika Pletschacher, Marketing-Leiterin der Milchwerke Berchtesgadener Land. Bereits im Frühjahr 2015 wurden die ersten drei Beiträge gesendet – auf Bayern 1, Bayern 3, im SWR 1 und 3 sowie im WDR 2. Heuer folgten die nächsten. Mit dabei: Josef Heiß. Der Protagonist selbst hätte sich beinahe nicht erkannt, als er die Werbung zum ersten Mal hörte. „Ich hab’ mir gedacht, das bin doch nicht ich“, sagt der Krüner. Es ist für ihn schließlich auch nicht alltäglich, dass seine Stimme aus dem Radio schallt. Andere dafür haben ihn gleich identifiziert. Oft wurde er in letzter Zeit auf sein Engagement angesprochen. Einer, der nur lobende Worte für Heiß’ Aktionismus übrig hat, ist Alois Kramer junior. „Das hat er super gemacht“, betont der Vorsitzende von über 122 Milchbauern im Landkreis. Er bekam eine Kostprobe des Spots auf einer Generalversammlung der Molkerei. Radio hört der Isartaler nämlich eher selten, „auf dem Traktor hab’ ich keines“, scherzt der Agraringenieur, der in Krün in dritter Generation den Ferlhof bewirtschaftet. Sowohl er als auch Heiß gehören der Molkerei Berchtesgadener Land seit etwa eineinhalb Jahren an.

Eine Wahl, die sie jederzeit wieder so treffen würden. „Man muss sagen, sie hat alles richtig gemacht“, untermauert Kramer, Herr über 40 Milchkühe. Die Molkerei achte auf ein qualitativ hochwertiges Produkt, einen guten Absatz und gibt den Preis voll weiter. „Das ist Fairness zu 100 Prozent.“ Bergbauern erhalten bei der Molkerei in der Regel um die 39 Cent, laut Kramer ging der Preis auch in der Krise nur um drei Cent zurück. „Das ist trotzdem nicht zu viel“, sagt Heiß, aber „wir können davon leben“. Die beiden Krüner bereuen nicht, sich der Molkerei angeschlossen zu haben. Denn andere „drücken den Preis“, aber diese „knickt bei Verhandlungen nicht ein“, macht Heiß deutlich. Deshalb hat der 56-Jährige auch nicht gezögert und zugesagt, als die Anfrage für den Spot kam. Er setzt seine Stimme gern für etwas ein, von dem er absolut überzeugt ist.

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