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Tanzen im Schwimmbecken: Das Karwendelbad mutiert am 12. November zur Partyzone.

Besonderer Event nach der Schließung

Karwendelbad: Ende mit Bar und Blues

Mittenwald - Die Gemeindewerke wollen das Karwendelbad gebührend verabschieden. Hierfür planen sie am 12. November, sechs Tage nach der Schließung, eine Party. 

Das abbruchreife Karwendelbad soll nicht einfach so dem Erdboden gleich gemacht werden. „Es wäre nicht würdevoll, das Gebäude nach mehr als 44 Jahren Dienstzeit einfach so verschwinden zu lassen“, meint Musiker Thomas Schwarz. Vor über einem Jahr, als der Mittenwalder Marktgemeinderat im September 2015 mit einem folgenschweren Beschluss das endgültige Aus der maroden Anlage eingeläutet hatte, war Schwarz klar: „Da sollte man noch was draus machen.“ Was Buntes sollte es sein, was Lautes und Feierliches obendrein.

Dann kam Schwarz gemeinsam mit Matthias Pöll, dem Leiter der Gemeindewerke, der Einfall einer Abschiedsparty im Schwimmbad. Doch leider machten sich die beiden mit der Veranstaltung nicht nur Freunde. Vor allem einige der Hallenbad-Befürworter nehmen ihnen das übel und erweisen sich als Spaßbremsen.

„Es ist traurig genug und kein Grund zum Feiern“, verdeutlichte beispielsweise Armin Görlich während der Bürgerversammlung am Mittwochabend in der TSV-Halle. Laut ihm würden nämlich „einige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz ganz verlieren und andere ihre langjährige Tätigkeit aufgeben müssen“.

Dem widersprach Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Alle Angestellten mit unbefristeten Arbeitsverträgen seien von der Gemeinde übernommen worden und „die Befristeten wussten, dass es mit dem Bad in absehbarer Zeit zu Ende gehen wird“.

Auch Schwarz tritt Kritikern entgegen: „Wir wollen ja nur dem Hallenbad, seinen Mitarbeitern und seinen Gästen einen würdigen Abschied bereiten.“ Die sechs Mitglieder zählende Gruppe, die, wie der Bandname schon sagt, anonym bleiben wollen, will das Ende mit Blues-Rock und vielen Oldies untermalen. Veranstalter sind die Gemeindewerke. Die Band verzichtet auf eine Gage und kümmert sich um die Verpflegung. Der Gewinn des Abends soll gespendet werden. Alles geht ehrenamtlich vonstatten.

Doch bis das Konzept stand, vergingen viele Monate. Seit genau einem Jahr plant Schwarz den Event. „Zuerst wollten wir am vorletzten Öffnungstag mit einem kleinen Auftritt in einer Ecke des Hallenbades spielen“, erinnert sich der Software-Entwickler. Stehtische hätten im Wasser für ein lässiges Ambiente gesorgt, die Zahl der Besucher sollte auf 150 beschränkt sein. Doch da wusste der Initiator noch nichts von der gründlichen deutschen Bürokratie. „So hätten alle aus Hygienegründen Badeklamotten anziehen müssen.“ Außerdem sollte der Badebetrieb, der bis 6. November garantiert ist, nicht eingeschränkt werden.

Also musste die Feier nach der offiziellen Schließung stattfinden. „Wir hatten dann eine Beach-Party im Sinn“, berichtet Schwarz weiter. Dafür wollten er und seine Mitstreiter das 25-Meter-Becken mit Sand füllen. „Doch wir benötigten dafür mindestens 16 Kubikmeter. Das hätte uns mit dem Rein und Raus zigtausende Euro gekostet.“

Also musste wieder ein neuer Plan her. „Diesmal war uns bewusst, dass wir das Becken einfach so lassen sollten, wie es ist.“ Die endgültige Variante sieht nun wie folgt aus: Ein herkömmlicher Baustellenzaun soll gewährleisten, dass niemand ins leere Becken fällt. Die Bühne wird dort mit einer Bar aufgestellt. Eine gewaltige Soundanlage samt Nebelmaschine sollen ihre Übriges tun, damit im Hallenbad noch einmal die Wände wackeln, ehe sie für immer verschwinden werden. Wann das genau sein wird, weiß Bürgermeister Hornsteiner noch nicht. „Das wird erst der Gemeinderat beschließen“, teilte er bei der Bürgerversammlung mit. Es deutet sich aber ein Termin im kommenden Jahr an.

Um die Sicherheit der Feiernden zu gewährleisten, fertigte Schwarz ein zehn Seiten langes Sicherheitskonzept an. Nichts wird dem Zufall überlassen. „Deshalb dürfen nur maximal 300 Personen teilnehmen, und es wird auch keiner ohne Karte reingelassen.“

Josef Hornsteiner

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