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Stefan S. kämpft weiter gegen seine fristlose Kündigung.

Komrpomiss abgelehnt

Karwendelbahn: Kündigungsschutz-Klage geht in die nächste Runde

Mittenwald - Zu viele Ungereimtheiten, zu viele Unterstellungen – die Situation ist verfahren. Die Karwendelbahn AG und der fristlos gekündigte Stefan S. kamen am Donnerstag vor Gericht wieder nicht annähernd auf einen grünen Zweig. Eine gütliche Trennung – von wegen. Der Streitfall kann noch nicht ad acta gelegt werden.

Für die Zuhörer im Saal vier des Arbeitsgerichts in Garmisch-Partenkirchen hat dieser Fall schon Unterhaltungswert. Auch dieses Mal wieder. Zwei Parteien, die sich überhaupt nicht grün sind, prallen aufeinander. Bei kaum einer Aussage kommen sie auf einen gemeinsamen Nenner. Ihre gegenseitige Antipathie steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Auf der einen Seite sind das die Vertreter der Karwendelbahn AG, Wolfgang W. R. und Patrick K. – samt juristischem Beistand. Sie wollen, dass die Kündigungsschutzklage von Stefan S., der im April dieses Jahres fristlos entlassen wurde, nicht durchgeht. Ihnen gegenüber sitzt dieser, gemeinsam mit seiner Anwältin Liliane Decker. Der Krüner liefert sich einen erbitterten Kampf. Und der nahm auch am Donnerstag kein Ende.

Richter Dr. Tobias Romeikat fasste eingangs zusammen, worum es geht: Die Verantwortlichen der AG waren in der Beweispflicht, nachdem Reich in der Verhandlung im Juni einige Vorwürfe in den Raum stellte. Nun forderte Romeikat die Gründe zu nennen, die den Rauswurf des damaligen Betriebsrats und Personalvertreters im Aufsichtsrat rechtfertigen. Außerdem sollten sie nachweisen, dass die damalige Betriebsratswahl nichtig war. Romeikat nahm gleich vorweg, dass angesichts des zeitlichen Rahmens doch nur die schwerwiegendsten Argumente angeführt werden sollen.

Fußtritt als schwerwiegender Kündigungsgrund

Der Rechtsanwalt der Karwendelbahn-Verantwortlichen, Mandfred Schmid von der Münchner Kanzlei Pinsent Masons, machte sogleich die Fußtritt-Affäre zwischen K., der seit Kurzem als Vorstand der Karwendelbahn agiert, und S. zum Thema. Amtsrichterin Linda Behmel-Ruoff verdonnerte Ende Juli den Krüner zu einer Geldstrafe von 1050 Euro – wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Verurteilte ging in Berufung. Doch K. bleibt dabei: S. sei ihm mit Vorsatz auf den Fuß gestiegen. Logisch. Denn nur dann wäre es ein Kündigungsgrund. Deshalb ließ sich Romeikat den Vorfall genau schildern, der Beschuldigte durfte sogar aufstehen und die Szene nachstellen. K. lieferte nochmal die Sätze, die S. – die räumt dieser auch ein – nach dem Tritt gesagt hat. Demnach sei K. selbst schuld gewesen, er hätte besser aufpassen müssen und dürfte die Arbeit nicht stören. „Daraus schließen Sie einen Vorsatz?“, fragte der Richter ungläubig. Angesichts der Aussagen „bleibt hier vieles unklar“.

Vorwurf der üblen Nachrede

Zu diesem Zeitpunkt stand fest: Diese Argumentation führt in die Einbahnstraße. Das merkte offensichtlich auch R.. Er zeigte Rechtsanwalt Schmid ein Dokument, worauf dieser den nächsten Vorwurf veröffentlichte: üble Nachrede. S. soll unter der Belegschaft erzählt haben, dass K. ungefragt seinen Rucksack durchwühlte, um dessen Mobiltelefon an sich zu nehmen. Sinn und Zweck dahinter: zu unterbinden, dass S. Kollegen darüber informiert, dass K. im Haus ist. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Schmid. Ein Angestellter könne seinen Vorgesetzten nicht als Dieb denunzieren. Romeikat stimmte zu. „Das reicht für eine Kündigung.“ Und fügte hinzu: „Wenn es denn so war.“ S. bestreitet das.

Keine gütliche Einigung

Gleichzeitig verwies Letzterer darauf, dass K. zu diesem Zeitpunkt kein Vorgesetzter gewesen sei, sondern Aufsichtsrat. Da meldete sich R. zu Wort. „Er hat mit der Vollmacht von Aniko K. (Vorstand der AG, Anm. der Red.) gehandelt.“ Das sei – anders als S. behauptet – allen bekannt gewesen. „Der Kläger weiß es immer dann nicht, wenn’s für ihn von Vorteil ist.“ Daraufhin machte S. in einem Nebensatz gleich das nächste Fass auf. Er erkundigte sich, wie und wann K. überhaupt zum Vorstand gewählt wurde. „Das muss doch irgendwo niedergeschrieben sein.“

Romeikat hatte genug gehört. Immer wieder wies er die AG-Verantwortlichen darauf hin, dass eine Abmahnung besser gewesen wäre als eine fristlose Kündigung. Er stieß aber auf wenig Einsicht. Deshalb lehnte Rechtsanwalt Schmid auch einen Kompromiss ab. Ein Urteil könnte nächsten Donnerstag, 11. August, fallen. Oder auch nicht.

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