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Rauswurf des Betriebsleiters beschäftigt das Gericht

Karwendelbahn: Fall Gehrz wird zum Fall Köpf

Mittenwald - Der Rechtsstreit über die fristlose Kündigung von Hans Gehrz bei der Mittenwalder Karwendelbahn wurde vom Arbeitsgericht vertagt. Zuvor muss nämlich eine Frage geklärt werden: War der damalige Vorstand der Aktiengesellschaft überhaupt berechtigt, den Rauswurf des Betriebsleiters anzuordnen?

Da war sie wieder: Aniko Köpf. Die Frau, die in Mittenwald niemand kennt, war zwar selbst im Arbeitsgericht nicht zugegen, doch letztlich drehte sich während der Verhandlung in Garmisch-Partenkirchen alles um sie – beziehungsweise um das, was sie ist oder vielmehr nicht ist: nämlich Vorstand der Karwendelbahn.

Diesen Posten hatte ihr das Landgericht München II im August in einem aufsehenerregenden Prozess eindeutig abgesprochen. Ihre Bestellung zum Vorstand der Karwendelbahn am 23. Februar 2016 ist demnach null und nichtig.

Für Arbeitsrichter Dr. Tobias Romeikat, der am Donnerstag eigentlich die fristlose Kündigung des langjährigen Betriebsleiters Hans Gehrz verhandeln und ein Urteil sprechen wollte, eine offenbar völlig neue Sachlage. „Falls Frau Köpf nicht Vorstand war, wäre die Kündigung unwirksam“, schärfte er Wolfgang W. Reich, dem Vertreter der Karwendelbahn, ein. Auf Romeikats Frage, ob es einen Schiedsspruch des Landgerichts in der Causa Köpf gebe, meinte der fahrig wirkende Ex-Vorstand Reich: „Da gab’s ein Urteil, und da wurde Berufung eingelegt.“

„Wann?“ zischte ihm Christian Langhorst, Anwalt von Kläger Gehrz, entgegen. Reich, der einmal mehr in Begleitung seines Mittenwalder Statthalters Patrick Kenntner erschienen war, blätterte daraufhin in seinen Akten. Eine Antwort blieb er jedoch schuldig. „Dann bestreite ich die Berufung“, meinte der Verteidiger daraufhin.

Doch Reich, der starke Mann der Konsortium AG, die Hauptaktionärin der Karwendelbahn AG ist, beharrte auf seinem Standpunkt: „Frau Köpf ist nach wie vor Vorstand.“ Damit widerspricht der Heidenheimer konträr der Auffassung des Landgerichts. In diesem Zusammenhang verlas Langhorst die damalige Urteilsbegründung betreffs Köpf.

Derzufolge soll der Aufsichtsrat im Frühjahr 2016 auf der Grundlage, Aniko Köpf kenne sich in Verwaltungsangelegenheiten aus, über ihre Bestellung zum Vorstand entschieden haben. Das Landgericht kommt zu dem Schluss: „Mit dem bloßen Qualitätsmerkmal, sie kenne sich mit Verwaltungsangelegenheiten aus, bewegt sich der Aufsichtsrat aber deutlich außerhalb dieses Gewichtungs- und Beurteilungsspielraums.“

Reich aber wich von seiner Meinung nicht ab. Es gebe auch andere Voraussetzungen für die Eignung eines Führungspostens. Beispielsweise „vorbestraft zu sein“, hielt ihm Langhorst entgegen und spielte damit auf Reichs rechtskräftige Verurteilung unter anderem wegen Marktmanipulation aus dem Jahr 2014 an. Was Reich aber in der Folgezeit nicht daran hinderte, bei der Karwendelbahn selbst als Vorstand zu operieren. Doch obwohl ihn Langhorst mehrere Male regelrecht festnagelte, meinte Reich zu seinem Gegenüber mit hochrotem Kopf und geradezu trotzig: „Sie können sich noch so wichtig machen, beeindrucken tun Sie mich damit nicht.“

Auf Richter Romeikat hatten die Ausführungen über das Vorstands-Wirrwarr bei der Karwendelbahn durchaus Wirkung. „Es muss geklärt werden, ob Frau Köpf Vorstand war oder nicht und welche Folgen das hat.“ Reich und Co. haben nun bis 18. November Zeit, sich in dieser heiklen Sache zu erklären.

So geriet die eigentliche Hauptperson, Hans Gehrz, der bekanntlich seine fristlose Kündigung unter anderem wegen angeblichen Verrats von Betriebsgeheimnissen anfechtet, zum Nebendarsteller. Inzwischen ist der langjährige Technikchef im Krankenstand. Zu sehr haben ihn die Ereignisse der Vergangenheit mitgenommen. Nun ist auch noch ein Schreiben aufgetaucht, in dem ehemalige Kollegen ihn schwer belasten, ja sogar behaupten, er habe sie „systematisch gemobbt und beleidigt“. Dieses Schriftstück trägt die Unterschrift von acht Mitarbeitern.

Das treibt Gehrz-Verteidiger Langhorst die Zornesröte ins Gesicht. Richtung Reich meinte er: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir das so stehen lassen.“ „Der Rechtsweg steht Ihnen frei“, konterte Reich. „Und nicht nur der“, schallte es postwendend von Langhorst zurück.

Christof Schnürer

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