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Gegner vor Gericht: Wolfgang W. Reich (l.) und Gerhard Schöner.

Schlammschlacht bei der Karwendelbahn

Verhärtete Fronten vor dem Landgericht

Mittenwald - Der Streit um die Karwendelbahn beschäftigt jetzt das Landgericht. Dort kam es zum Schlagabtausch zwischen Mittenwalds Vize-Bürgermeister Gerhard Schöner und Wolfgang W. Reich.

„Die Karwendelbahn, na ja.“ So leitete am Donnerstag der Vorsitzende Richter Gerhard Specht die Verhandlung ein. Eigentlich sollte nur über zwei Beschlüsse des Aufsichtsrats diskutiert werden. Doch der Richter wusste genau, dass es um viel mehr geht. Und so versuchte er, die verhärteten Fronten aufzuweichen und die Parteien zusammenzubringen – auf der einen Seite den Zweiten Bürgermeister von Mittenwald, Gerhard Schöner (CSU), auf der anderen die Karwendelbahn AG, die von Wolfgang W. Reich vertreten wurde. „Ihr Problem sind nicht die zwei Beschlüsse, sondern was insgesamt mit dem Laden passiert.“ Deshalb riet er am Donnerstag beim Gütetermin am Landgericht München II dringend zu Einigungsgesprächen. Doch das war ein harter Brocken.

Am besten wäre ein Verkauf der Anteile der Augsburger Konsortium AG, Hauptaktionärin der Karwendelbahn, an den Markt Mittenwald, meinte der Richter. „Sie sind dummerweise zusammengespannt. Wenn nicht auf beiden Seiten Vernunft einkehrt, werden Sie sich jahrelang streiten. Es wird nichts passieren, was nicht durchs Gericht geistert. Wollen Sie das?“

Doch erst war nichts zu machen. „Wir haben gehört, was sie gesagt haben. Aber das führt zu nichts“, sagte Schöners Anwalt Kai König. Er bestritt Reichs Vortrag, dass der Bürgermeister 145 Euro pro Aktie geboten – und anschließend widerrufen habe. Die Augsburger Konsortium AG habe die Aktien einst für 60 Euro gekauft. Ein Angebot von 80 Euro sei schon ein Kompromiss gewesen. Man sei nicht in der Situation, dass man weitergehen könne. Man bewege sich nicht zwischen 80 und 140.

Reich, der eine Vollmacht des umstrittenen Vorstands Aniko Köpf vorlegte, berichtete anderes. Erstens habe er die Aktien für 90 Euro gekauft. Zweitens habe ihm der Bürgermeister die Hand drauf gegeben, dass er 145 Euro pro Aktie bekomme – und das Angebot dann widerrufen. Wenn es nach ihm gehe, werde Mittenwald die Aktien nicht mehr bekommen. „Ich werde nicht die zweithöchste Bergbahn an Mittenwald verkaufen, an jeden anderen vielleicht schon.“ Es gehe ihm jetzt ums Prinzip.

Doch der Richter gab nicht auf. Er riet den Parteien immer wieder, miteinander zu sprechen – die Zeit bis zu einer eventuellen Urteilsverkündung zu nutzen, „um sich verdammt noch mal zusammenzusetzen“. Mit Erfolg. Von Seiten Mittenwalds besteht durchaus Bereitschaft zu Gesprächen, sagte Anwalt König. Und Reich war auf einmal der Meinung: „Reden hat noch nie geschadet.“

Derweil geht es im Gerichtsverfahren formell um zwei Beschlüsse. Zum ersten um die Frage, ob es rechtens war, dass der Aufsichtsrat Aniko Köpf zum Vorstand der Bahn bestellt hat. In dieser Frage ist sich das dreiköpfige Gericht noch nicht einig. Der Vorsitzende schien allerdings Bauchschmerzen zu haben. Das einzige, was man über das Phantom Köpf in der Hand habe, sei eine Urkunde über das erste juristische Staatsexamen. Es sei eher ungewöhnlich, jemanden direkt von der Uni zum Vorstand zu bestellen. Auch hier plädierte der Richter dafür, sich für die Zeit nach Ende von Köpfs Amtszeit im Oktober auf jemanden zu einigen, den beide Seiten akzeptieren können. Beide zeigten sich damit einverstanden, dass das Gericht einen Vorstand bestellt.

Zum zweiten ging es um den Beschluss, ob ein Beratungsvertrag mit der Augsburger Konsortium AG über 180 000 Euro abgeschlossen werden soll. Hier war klar: Diesen Beschluss wird das Gericht kippen. Der Vertragsentwurf hätte dem Aufsichtsrat vorgelegt werden müssen. Dem war aber nicht so. „Hier besteht Nachbesserungsbedarf.“ Im Übrigen störte sich der Vorsitzende „massiv“ am Ton in Reichs Schriftsätzen. Darin ist etwa von „minderbemittelten Gemeinderäten“ die Rede. Sollten sich die Parteien nicht außergerichtlich einigen, so entscheidet das Gericht am 18. August.

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