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Unfassbares Hickhack geht weiter

Kriegserklärung im Kampf um die Karwendelbahn

Mittenwald  - Die Schlammschlacht zwischen den beiden Hauptaktionären der Karwendelbahn hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In einer Presse-Erklärung erheben die Vertreter aus Heidenheim schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Doch der kontert.

Interviews vor laufender Kamera sind für den Mittenwalder Bürgermeister spätestens seit dem G7-Gipfel nichts ungewöhnliches mehr. Auch am Dienstag durfte er in seinem Amtszimmer gegenüber dem Bayerischen Fernsehen Fragen beantworten – zu einem hochexplosiven Thema: der Karwendelbahn. „Ich verweigere mich niemanden“ auch nicht dem Team der BR-Sendung „Quer“ (Beitrag wird am 28. April um 20.15 Uhr ausgestrahlt). Adolf Hornsteiner sagt das nicht zuletzt in dem Wissen, dass die andere Seite in elementaren Fragen lieber schweigt – bis jetzt, als eine „Pressemitteilung der Karwendelbahn AG“ rausging. Absender die Klosterbrauerei Königsbronn AG in Heidenheim. Dort sitzt ein in Mittenwald bekannter Unternehmer: Wolfgang Wilhelm R., Immer-noch-oder-auch-nicht-Vorstand der Karwendelbahn AG. Auf Tagblatt-Anfrage, wer das geharnischte Schreiben, das offenbar auch an viele Aktionäre und Vermieter ging, denn verfasst habe, sagt er: „Die Karwendelbahn!“ Wobei durchaus vermutet werden darf, dass in diesem Fall die Gruppe aus Heidenheim, die über ihre Konsortium AG rund 45 Prozent der Aktien hält, hinter der Verbal-Attacke steckt. Darin wird scharfe Kritik an Gemeindevertretern geübt – vornehmlich am Bürgermeister und seinem Stellvertreter. „Anstatt sich bei der Karwendelbahn AG zu informieren, goss Herr Bürgermeister Hornsteiner durch seine unqualifizierten Äußerungen noch zusätzlich Öl ins Feuer“, heißt es unter anderem. „Dies zeigt einmal mehr, dass der Markt Mittenwald, vertreten durch den Bürgermeister Hornsteiner, kein Interesse an der Bahn hat.“ Mehr noch: „Der Markt Mittenwald versucht offensichtlich vorsätzlich, der Bahn Schäden zuzuführen, um die Aktien der Bahn möglichst billig erwerben zu können.“ Damit wird auf den Kern der Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptaktionären angespielt. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die Gruppe die Gesellschaft zerschlagen will – so zumindest lauten die Erkenntnisse der Marktgemeinde. Nicht zuletzt das hat zu einer regelrechten Schlammschlacht zwischen der Gruppe und der Kommune geführt. Die aktuelle Presse-Erklärung kommt nun sogar einer Kriegserklärung ans Rathaus gleich. „Seit vielen Monaten blockiert und schädigt der Markt Mittenwald durch Herrn Aufsichtsrat Schöner (siehe Mittenwald-Seite) und Herrn Hornsteiner die Karwendelbahn AG massiv.“ Was der irritierte Bürgermeister natürlich scharf zurückweist: „Es ist mir mitnichten daran gelegen, zum Stillstand beizutragen“, betont Hornsteiner. „Im Gegenteil: Es ist unser ureigenstes Interesse, die Bahn in eine sichere Zukunft zu führen. Das Geschäftsmodell Karwendelbahn war über vier Jahrzehnte ein Erfolgsmodell, welches der Markt Mittenwald gerne weiterführen würde. Leider haben die aktuellen Entwicklungen gezeigt, dass hier keine gemeinsame Basis gefunden werden konnte.“ Das sieht die Gegenseite im Falle Schöner anders. Dieser arbeite „systematisch daran, dass die Bahn den Betrieb möglichst nicht aufnimmt“. Deshalb sei ungewiss, ob am Ende des Monats die Kabinen nach der Frühjahrsrevision wieder im Einsatz sind (wir berichteten). Verwunderlich nur, dass die „Karwendelbahn“ im letzten Satz zu einem völlig konträren Schluss kommt: „Die Mitarbeiter der Karwendelbahn AG haben sich durch die Querschüsse der Gemeinde nicht irritieren lassen und durch den hervorragenden Zusammenhalt dafür gesorgt, dass sämtliche relevanten Auflagen erfüllt wurden, um den öffentlichen Fahrbetrieb ab dem 30. 04. 2016 sicher zu gewährleisten.“ Apropos Mitarbeiter: Betriebsrat Stefan Sellmaier, der am 27. April vor dem Arbeitsgericht dem Urteil wegen seiner Abmahnungsklage entgegensieht, ist erneut suspendiert worden. Gegenüber dem Tagblatt bestätigt er sogar, die fristlose Kündigung erhalten zu haben.

Christof Schnürer

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