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Einfach riesig: Was derzeit am Fuße des Karwendelmassivs geschieht, ist in Mittenwald beispiellos. Jede Menge Erdreich wird wegen des geplanten Umlenkdamms dort bewegt.

Lawinenschutz in Mittenwald

Rainlähne: Willkommen auf der Großbaustelle

Mittenwald - Es ist ein gigantisches Projekt: 17 Jahre nach dem letzten großen Lawinenabgang in der Mittenwalder Rainlähne entstehen dort zwei Schutzwälle. 

„Bemerkenswert.“ Immer wieder nimmt Adolf Hornsteiner (CSU) dieses Wort in den Mund. Mittenwalds Bürgermeister steckt vom kleinen Zeh bis zu den Haarspitzen voller Euphorie, wenn es um den Baufortschritt in der Rainlähne geht. Und der kann sich im wahrsten Sinne sehen lassen. Bestach das Areal neben der B 2 Ende Juli noch durch zahlreiche Bäume, ist es jetzt nur noch ein reines Geröllfeld. Dort entstehen bereits die zwei Dämme für die Lawinenschutzverbauung.

Hornsteiner ist von der Dimension der Baustelle begeistert, schaut sich alles genau an, löchert die Arbeiter mit Fragen. Lange Zeit – die Forderung nach einerLawinenverbauung steht seit 17 Jahren im Raum, seit acht wurde das Ziel hartnäckig verfolgt – hat er immer nur die Pläne studiert. Nun werden sie in die Realität umgesetzt. „Jetzt wird’s greifbarer, was es heißt, 150 000 bis 160 000 Kubikmeter an Material zu bewegen“, sagt er. Das ist das Fassungsvermögen des großen Umlenkdamms. Mit einem Teilstück davon haben die Arbeiter der Hoch- und Tiefbaugesellschaft Habau aus Oberösterreich bereits begonnen. „Es werden Druckplattenversuche gemacht“, erklärt Hornsteiner. Damit testet man, ob der Wall den Belastungen standhält. 24 Meter wird er einmal in die Höhe ragen und sich über eine Länge von 312 Metern erstrecken. „Das ist ein gigantischer Damm“, betont Bauleiter Alois Rottensteiner. Einer in vergleichbarer Größenordnung fällt ihm auf Anhieb im näheren Verbreitungskreis gar nicht ein.

Während beim mächtigeren Exemplar der „Schutzmauer“ bisher noch keine klaren Konturen zu erkennen sind, nimmt das kleine Pendant, das parallel zur B2 verläuft, schon konkrete Formen an. Berge an Stahlgittern türmen sich. Sie halten nach deren Anbringung den Schotter und die Erde – die Inhaltsstoffe der Dämme. Die mussten aber erst einmal aus dem Bereich herausgekarrt werden, um sie später wieder umzuschichten. Zum Einsatz kommt nur Material, dass sich in dem Baufeld befindet – also das Geröll, dass der Berg über viele Jahre Richtung Tal beförderte. „Das ist wichtig für die Ökologie“, betont Hornsteiner. Auch auf fremdes Saatgut verzichtet man. Und dennoch, das versichert der Rathauschef, „wird der Damm schnell grün“.

Doch bis es soweit ist, müssen die Arbeiter noch ordentlich ranklotzen. In einzelnen Lagen – jeweils 60 Zentimeter hoch – stocken sie nach und nach den Wall auf. 2,50 Meter müssen im Boden verankert sein, „dann hebt er sich selbst“, sagt Rottensteiner. Dieses Niveau ist bereits überschritten, dabei fiel der Startschuss für die Arbeiten am kleinen Damm, der am Ende rund 13 Meter in die Höhe ragen wird und dabei noch eine Lücke von gut sieben Metern zur Hochspannungsleitung lässt, erst am Montag. In sechs Wochen soll er schließlich fertig sein. Und da platzt es wieder aus Hornsteiner heraus. „Bemerkenswert.“ Das meint er vor allem auch im Hinblick darauf, wie viele Jahre ins Land streichen mussten, bis der Bau des Mammut-Projekts, das 3,5 Millionen Euro kostet und in zwei Jahren vollendet sein soll, genehmigt wurde im Vergleich zum rasanten Fortschritt.

Als nächstes, voraussichtlich Mitte September, widmet man sich der Materialseilbahn der Mittenwalder Hütte. Wie berichet, muss diese verlegt werden, weil die Tragseile sonst über dem großen Damm verlaufen würden. „Wir versetzen sie zurück“, sagt Rottensteiner. Auf der Dammkrone wird dann eine neue Stütze errichtet. Außerdem bekommt die Bahn ein neues Tragseil. Bis zum Saisonbeginn im Mai 2017 soll sie wieder ganz normal ihren Betrieb aufnehmen können.

Bis dahin dürfte der Bereich neben der B2 kaum noch wiederzuerkennen sein. Sicher fällt auch dann wieder Hornsteiners Rainlähnen-Lieblingswort.

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