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Präsentiert seine Erfindung: Thomas Schwarz aus Mittenwald hat eine App entwickelt, die ganz einfach mit dem Tablett zu bedienen ist.

Grün oder rot?

Mittenwalder erfindet Notruf-App

Mittenwald - Das Prinzip ist einfach, aber vielversprechend: Thomas Schwarz aus Mittenwald hat eine Notruf-App für ältere Menschen entwickelt. Sie ist seit wenigen Tagen erhältlich.

Thomas Schwarz ist der klassische Fall eines Tüftlers. In seinem Mittenwalder Büro steht ein selbstentworfener 3D-Drucker, in der anderen Ecke der Prototyp eines medizintechnischen Geräts – der größte Auftrag, den der Softwareentwickler mit seiner Firma „Millemedium“ bis heute hatte. Er produziert zudem in Kleinserie komplizierte Kunststoffteile und hält Schulungen. Vor wenigen Jahren erkrankten dann seine Schwiegereltern. Viel hatte er seither mit Pflegediensten zu tun und realisierte, wie groß die Scheu älterer Menschen vor den bisherigen Notruf-Vorrichtungen in den eigenen vier Wänden ist. Meist handelt es sich dabei um ein batteriebetriebenes Armband das gedrückt werden muss, wenn etwas passiert. „Sie fühlen sich dadurch oft bevormundet und eingeschränkt.“ So auch seine Schwiegermutter. „Deshalb musste sie uns täglich auf dem Handy anrufen, um zu zeigen, dass alles gut ist“, sagt Schwarz. Da hatte der findige Tüftler eine Idee.

„Ich wollte den älteren Menschen die Angst und Sorge nehmen“, sagt der 38-Jährige. Davor, hilflos daheim in der Wohnung zu liegen. „Aber dennoch sollen sie ihre Anonymität wahren.“ Drei Jahre lang las er sich in das Thema ein, im Januar dieses Jahres begann er konkret an dem Projekt zu arbeiten. Seine Idee war ein „umgedrehter Notruf“.

Schwarz entwickelte eine sehr einfache App. Diese besteht lediglich aus einer grünen und roten Taste. „Während eines vereinbarten Zeitraumes muss der zu Pflegende den grünen Knopf drücken“, erklärt der Erfinder. Damit würde er dem Betreuer schnell und unkompliziert ein Zeichen geben, das alles in Ordnung ist. Wenn der ältere Mensch sich nicht meldet, wird ebenfalls eine Benachrichtigung rausgeschickt. „Dann kann die Tochter oder das Enkelkind anrufen und sich nach dem Befinden erkundigen.“ Der Vorteil: „Es ruft dann keine fremde Person an, sondern ein vertrautes Mitglied aus Familie, Bekanntenkreis oder Pflegedienst.“ Das liegt ganz in der Hand des Betroffenen. Die rote Taste ist der klassische Notfall-Knopf.

Doch einige Anläufe waren nötig, bis es zu dieser finalen App kam. „Die technische Realisierung sollte zunächst über ein von uns entwickeltes Gerät erfolgen, für das wir einige Prototypen mit verschiedenen Technik-Lösungen anfertigten.“ Die Probleme lagen jedoch auf der Hand: War es die Anbindung ans Internet oder waren es die hohen Gerätekosten, die aufgrund der niedrigen Stückzahl in die Höhe geschossen wären. „Zudem haben viele ältere Menschen Bedenken vor großen, technischen Geräten zuhause.“ Sogar die Idee, die Vorrichtung als Lampe zu tarnen, stand im Raum. Doch auch das zeigte sich als nicht zielführend.

Dann kam ihm die Idee mit der App. „Zugegeben, eine App für Senioren und kranke Menschen klingt zunächst nicht nach einem guten Einfall“, gesteht Schwarz. „Aber unser Vorteil ist, dass durch die sinkenden Preise für gebrauchte Hardware ein altes Tablett für wenig Geld erstanden werden kann.“ Dieses könne mit der geöffneten App fest in der Wohnung platziert werden – oder man steuert sie über das Smartphone.

Seit wenigen Tagen ist die App im Google-App-Store und auf der Homepage „www.machdirkeinesorgen.com“ erhältlich. Schwarz will nun auch das Gespräch mit Pflegediensten suchen, um diese neue Funktion anzubieten. „So könnte dieser künftig direkt kontaktiert werden, wenn das der Pflegende wünscht.“

Josef Hornsteiner

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