Eine kleine Welt in den Bergen

Ein Besuch auf der Mittenwalder Hütte

Mittenwald - Seit vier Jahren betreibt die Familie Kriner die Mittenwalder Hütte. Von den Arbeiten rund um die Lawinenverbauung an der Rainlähne sind sie so gut wie nicht betroffen.

Es ist Nachmittag auf der Mittenwalder Hütte und zum ersten Mal an diesem Tag kann Bernhard Kriner mal ein wenig durchschnaufen. „Zur Mittagszeit ist am meisten los“, erzählt der Hüttenwirt, „da geht ein Brotzeitbrettl nach dem anderen raus.“ Auch der Kaiserschmarrn hat es vielen Gästen angetan. Gegen 15 Uhr kehrt zum ersten Mal Ruhe ein. Kriner gönnt sich dann einen Kaffee und schaut aus dem Fenster der kleinen Stube neben der Küche.

Am Sonntag gibt’s Musik am Berg. Ab 10 Uhr spielt die Kranzberg Blos zum musikalischen Frühschoppen auf der Mittenwalder Hütte.

„Es zieht schon wieder zu“, stellt er mit Blick zum Himmel über Leutasch fest. „Wenn es da zuzieht, regnet es bei uns dann auch gleich.“ Nach vier Jahren als Hüttenwirt kennt man das Wetter auf über 1500 Höhenmetern. Gegen 18 Uhr trudeln die ersten Einheimischen ein. Eine Stunde später ist die Stube voll. „Der Abend ist meist wetterunabhängig“, sagt der Wirt. „Die Einheimischen springen schnell hoch nach der Arbeit für eine Brotzeit.“ Eine gute halbe Stunde brauchen die Schnellen unter ihnen. Die meisten aber eine Stunde. Kriner setzt sich auch mal gern dazu, um Neuigkeiten aus dem Tal zu erfahren. Denn in dem kleinen Wohnverschlag in der Hütte haben er und seine Frau Luise keinen Fernseher. „Meine Fernsicht ist das hier“, sagt Kriner und zeigt dabei auf die Bergkulisse mit einem gigantischen Wolkenspiel: „Da sind wir wirklich gesegnet.“

"Hier führt kein berühmter Wanderweg vorbei"

Die Mittenwalder Hütte unterscheidet sich von anderen. „Hier führt kein berühmter Wanderweg vorbei und von hier aus gibt es auch nicht viele Touren.“ Deshalb muss er mit anderen Mitteln die Gäste zu sich locken. „Das schafft man nur mit guter und regionaler Qualität“, sagt er, während er wieder ein Brotzeitbrettl vorbereitet. Auf das ist er besonders stolz. Aufgrund der steilen Lage der Hütte muss jeder Fleck genutzt werden. Rund 130 Gäste haben Platz, das Bettenlager kann 27 Personen beherbergen. Fast jedes Wochenende ist es voll.

Gespannt ist die Familie Kriner nun auf die Bauarbeiten an der Rainlähne. Dort wird bekanntlich eine neue Lawinenverbauung errichtet. Für die Hüttenwirte wird sich die Lage wohl verbessern. Denn die Talstation der Materialbahn wird nach der Aufschüttung näher an die Bundesstraße rücken. „Damit kommen wir leichter hin.“ Von den Bauarbeiten an sich sind sie nicht sonderlich betroffen. „Im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass wir ein paar Tage früher schließen müssen“, meint Kriner.

Lieblingsmonat November

Der Arbeitstag der Familie Kriner endet meist gegen 23 Uhr, denn auch auf 1512 Metern Höhe gibt es Büroarbeit. Am nächsten Morgen geht es um 5.30 Uhr weiter, schließlich muss frisch das Frühstück für die Übernachter vorbereitet werden. Am 16. Oktober ist die Saison vorbei. „Eine Woche räumen wir zusammen und machen alles winterdicht.“ Dann kommt Kriners Lieblingsmonat, der November. „Da mach ich einfach mal überhaupt nix“.

Den Winter über ist er als Bergführer unterwegs. „Da bin ich ganz froh, bis Januar nix zu hören und nix zu sehen von der Hütte.“ Im Frühjahr beginnt bereits wieder die Vorbereitung für die nächste Saison.

Lange hat das Ehepaar Kriner nicht überlegen müssen, als es vor vier Jahren hieß, die Mittenwalder Hütte sei wieder zu haben. Zuvor arbeitete Kriner als Bergführer, war jahrzehntelang weltweit unterwegs, vom Kaukasus über Frankreich bis in die USA. Die Berge sind sein Leben. Deshalb war Hüttenwirt der perfekte Beruf, um „wieder ansässig zu werden bei uns“, sagt Gattin Luise lachend. Die schönsten Momente für sie auf der Hütte sind die Sonnenaufgänge und -untergänge. „Dann kommt man auch innerlich zur Ruhe.“ Und wenn es den beiden während ihrer Sieben-Tage-Arbeitswoche Mal zu viel wird, dann haben sie ein kleines verstecktes Refugium hinter der Materialbahn. „Da mach’ ich dann gern mal kurz meine Augen zu."

Josef Hornsteiner

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