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Schlammschlacht: Im flüssigen Beton steht ein Arbeiter bei der Sanierung des Isarkanals.

Sanierung des Isarkanals in Krün

Mit Nadel und Faden zum Wasserbett-Kanal

Krün -Nach gemütlicher Matratze sieht das Innenleben des Isarkanals aus. Doch die Matratzen sind steinhart. Aus Beton. In Krün kommt derzeit hochmoderne Sanierungstechnik zum Einsatz. Und Nadel und Faden.

Eine ruhige Hand ist gefragt. Geduld, Feingefühl und Geschick. Auf dem Boden hocken zwei Männer, die viel Talent in Handarbeit beweisen. Geschickt fädeln sie das Garn von zwei Rollen in die Nähmaschine. Dabei tragen sie Bauhelme und Warnwesten. Die Nähmaschine hat wenig mit der aus Mutters Stube zu tun. Ein überdimensionales Gerät, mit dem einer der Arbeiter in Sekundenschnelle viele Meter starken Stoff automatisch zusammennäht – und zwar im Isarüberleitungskanal in Krün.

Dort, wo sonst bis zu 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchs Dorf gen Walchensee donnern, sitzen momentan 60 bis 80 Arbeiter auf dem Trockenen. Ende August hat Betreiber Eon das Wasser abpumpen lassen, seitdem läuft die Sanierung des Kanals auf Hochtouren. Denn schon „am 26. September wieder er wieder gefüllt“, verdeutlicht Projektleiter Gerhard Hofmann den straffen Zeitplan.

Während die beiden Männer im Kanal die Stoffe zusammennähen, seilt sich ein Kollege ein paar Meter weiter an der steilen Innenwand des Kanals ab. Umgeben von einer Mattenfläche aus vielen kleinen Vierecken, die nach kuschelig-gemütlichem Wasserbett mit Extra-Polsterung aussieht. Doch dieser Untergrund ist steinhart. So genannte Incomat-Matten, jede gefüllt mit bis zu 60 Kubikmeter Beton. Was nach Wohnzimmer-Atmosphäre und Nähkurs ausschaut, ist modernste Sanierungstechnik.

Eine „schnelle, nachhaltige und effiziente Methode“, um den Isarüberleitungskanal wieder fit für die Zukunft zu machen, verdeutlicht Theodorus Reumschüssel, Pressesprecher der Eon Wasserkraft. Der 90 Jahre alte Durchlauf wurde zwar immer wieder mal modernisiert, aber nie zuvor in diesen Dimensionen. Wo keine Betonmatten liegen, zieren noch alte, so genannte Münchner Platten die Innenwände. Steinquadrate von 35x35 Zentimeter Größe, die „mal als Gehweg dienten“, erläutert Hofmann. Während ihre Fugen Wasser eindringen lassen und „es zu Aushöhlungen kommen kann“, hoffen die Eon-Vertreter bei den insgesamt 51 Incomat-Matten, die auf einer Fläche von 14 000 Quadratmetern im Kanal verlegt werden und mit 1650 Kubikmeter Betonfüllung 4000 Tonnen Gewicht haben, auf eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren.

Sie lassen sich auch deutlich schneller verlegen als kleine Steinplatten von anno dazumal. „Das ist eine wirtschaftliche Überlegung“, gibt Hofmann zu. Denn so lange der Kanal trockenliegt, wird im Obernachkraftwerk, von dem das Wasser aus dem Kanal weiter in den Walchensee fließt, kein Strom produziert. Und das bedeutet für das Unternehmen Verluste. Da nimmt der Großkonzern lieber fünf Millionen Euro für die Sanierung in die Hand.

Die werden nicht nur für Incomat-Matten ausgegeben: Auf 3,1 Kilometern Länge zwischen Krüner Wehr und Wallgauer Stollen wird der Kanal modernisiert, werden weniger beschädigte Stellen ausgebessert, wird der Finzbach-Düker erneuert, die Dammkrone für einen drei Meter breiten Weg erweitert sowie ein Weg hinter dem Damm verlegt. Vieles ist schon passiert, im November will Eon fertig sein.

Bilder: "Betonmatratzen" für den Isarkanal - Kanalsanierung für Krün

Deshalb ist nun Tempo gefragt: In 16 Tagen müssen die 51 Matten liegen, der Beton muss hart und trocken sein. Der ist zwar „schon nach einem Tag begehbar“, sagt Hofmann, aber komplett ausgehärtet erst nach 28 Tagen. Im Kanal „hat jede Matte ihren Platz“, betont der Projektleiter. Es gibt keine Standard-Maße. Jede hat eine eigene Größe und Nummer. Zwischen 7,5 Meter im Kurvenbereich und 29 Meter auf der Geraden messen sie.

Gerade schlagen zwei Männer die letzten Eisenstangen in die Oberkante des Kanals. Daran werden die Matten befestigt, dann an der Steilwand in den Kanal gelassen, von unten zur anderen Steilwand hochgezogen und dort wieder mit Eisenstangen befestigt. Innenauskleidung aus einem Guss ohne Nähte und Kanten. Dann geht’s an die Füllung. Im Hintergrund rattern zwei Betonmischer. Aus ihnen befördert eine Pumpe, die quer über den Kanal verläuft, den Beton in die Matten. Ist die erste Schicht angetrocknet, kommt die nächste Ladung. Ist die Matte voll, heißt’s Wasser marsch: Mit dem Schlauch wird jede Matte durchnässt, nach und nach werden die kleinen Vierecke, die Matten-Struktur, sichtbar. So passen sich die Matten exakt dem Kanal an. Wie ein Wasserbett dem Körper. Zum Schluss seilt sich ein Kollege an der Steilwand ab und vernäht noch die Löcher für die Betonpumpe. Fertig. Bis zum 26. September muss jede Naht sitzen. Doch vorher können sich die Bürger anschauen, ob die Männer mit Warnweste und Bauhelm wirklich echte Profis mit Nadel und Faden sind.

Janine Tokarski

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