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Noch steht sie in der Talstation: Ob die Kabine am Wochenende fährt, bleibt bei der Mittenwalder Karwendelbahn die spannende Frage.

Wer ist die Chefin der Karwendelbahn?

Das Phantom von Mittenwald

Mittenwald - Aniko K.: Ihr Name geistert derzeit durch Mittenwald. Offiziell firmiert diese Frau als Vorstand der Karwendelbahn. Doch niemand im Geigenbauort kennt sie. 

Man stelle sich mal vor: Der Eishockeyclub SC Riessersee wird von einem Geschäftsführer gelenkt, der reihenweise Spieler rauswirft, obwohl er selbst von diesen nie im Stadion oder beim Training gesehen wird. Ein unvorstellbares, geradezu bizarres Szenario, bar jeglicher Realität – oder doch? Bei der Mittenwalder Karwendelbahn wird derzeit ein solch absurdes Theater geboten. Hauptdarstellerin ist ein Phantom: eine gewisse Aniko K..

Diese Frau wurde von den Hauptaktionären aus Heidenheim Ende Februar 2016 als Vorstand vorgeschlagen und vom Aufsichtsrat mit den Stimmen der drei Vertreter der Heidenheimer Gruppe (inklusive Aufsichtsvorsitzendem Wolfgang E. R., der bei einem Patt den Ausschlag gibt) gewählt. Die drei Mittenwalder im Kontrollgremium votierten dagegen – nicht zuletzt deshalb, betont Mittenwalds Zweiter Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU), zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef, weil besagte K. nicht mal anwesend war, geschweige denn sich in persona vorgestellt hatte.

Auch zwei Monate später betonen sowohl Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) als auch Vize Schöner, die die Interessen der Gemeinde als zweitgrößte Aktionärin vertreten, noch nie mit der neuen starken Frau des Unternehmens gesprochen zu haben. Selbst der am Dienstag gefeuerte Betriebsrat Stefan Sellmaier versichert als Belegschafts-Vertreter, dass er K. zu keiner Zeit auf dem Firmengelände gesehen hätte. Höchste Zeit also, mit der großen Unbekannten in Verbindung zu treten.

Deshalb rief das Tagblatt bei der Klosterbrauerei Königsbronn AG in Heidenheim an. Immerhin soll der Vorstand der Karwendelbahn dort als „juristische Angestellte“ arbeiten. Das geht aus einer Einladung zur ordentlichen Hauptversammlung der sogenannten Kremlin AG für den 22. Januar 2016 in Berlin hervor. Auch dieses Unternehmen gehört zum Firmengeflecht der Heidenheimer Gruppe. Von der Sekretärin wird man schließlich mit Immer-noch-oder-auch-nicht-Vorstand Wolfgang W. R. verbunden. Er hat sich mit seiner Konsortium AG vor einigen Jahren bei der 49 Jahre alten Karwendelbahn AG eingekauft. Das Unternehmen hält etwa 45 Prozent der Anteile.

R., der sich nicht zuletzt wegen der fragwürdigen Personalie K. seit Wochen eine Schlammschlacht mit der Marktgemeinde Mittenwald liefert, ist am Telefon freundlich, aber wenig hilfreich. Denn er vermittelt kein Gespräch zwischen dem Tagblatt und Aniko K.. Immerhin stellt er während des Telefonats in Aussicht, ihr eine entsprechende E-Mail-Anfrage weiterzuleiten. Das war am Montag. Bis heute gab’s keine Nachricht aus Heidenheim beziehungsweise von Aniko K.. Einem dem Tagblatt zugespielten Schreiben des Amtsgerichts Düsseldorf zufolge, bei dem es um die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern geht, taucht das Phantom, das offenbar nur eine Marionette der Heidenheimer Investoren ist, neuerdings auf. In einer Passage steht explizit, dass sie im Juni 1977 geboren ist und in Heidenheim wohnt.

Diese Frau, die womöglich mal dem Fechtsport in ihrer Heimatstadt frönte – wie auch Wolfgang W. R. –, mag zwar für die Mittenwalder ein Phantom sein, kommunzieren tut sie sehr wohl. In einem Aushang der Karwendelbahn drohte sie insbesondere Vize-Rathauschef Schöner mit massiven Schadenersatzansprüchen, nachdem dieser unter Protest Mitte April eine Aufsichtsratssitzung verlassen hatte, bei der sie – laut Schöner – einmal mehr durch Abwesenheit glänzte. „Offensichtlich ist es die Absicht der Marktgemeinde Mittenwald, mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass der Bahnbetrieb durch die Regierung von Oberbayern eingestellt wird“, unkte sie in der Personal-Info.

Doch das lässt sich Schöner nicht bieten. Zwecks Unterlassungserklärung hat er inzwischen seinen Anwalt eingeschaltet. Gut möglich, dass das Heidenheimer Phantom am 23. Juni erstmals in Erscheinung treten muss – vor dem Landgericht München. An diesem Tag sollen auf Drängen von Schöner zwei Dinge geklärt werden: Erstens: Ist die Weisungsbefugnis, die sie in Sachen Karwendelbahn dem vorbestraften Wolfgang W. R. erteilt hat, rechtens? Zweitens: Ist ihre Bestellung zum Vorstand der Mittenwalder AG überhaupt legitim? Man darf gespannt sein, was sie sagt – falls sie nicht plötzlich verhindert ist... Christof Schnürer

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