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Vroni Stelzl legt ihr Amt als Gemeinderätin nieder.

Üble Nachrede und Anfeindungen

Wallgauer Gemeinderätin Stelzl kapituliert

Wallgau - Sie zieht die Reißleine: Vroni Stelzl legt ihr Amt als Wallgauer Gemeinderätin nieder. Eine Entscheidung, die ihre Kollegen nachvollziehen können – angesichts der Hintergründe. 

Betretenes Schweigen im Wallgauer Sitzungssaal. Das passiert nicht oft in einem Gremium, in dem sonst rege diskutiert wird. Diesmal weiß keiner so recht, was er sagen soll. Dann durchbricht Hansjörg Zahler die Stille. „Aus Sicht der Gemeinde passt’s mir nicht, aus menschlicher kann ich es verstehen.“ Der Bürgermeister verliert einen seiner Räte. Vroni Stelzl ist es, die an diesem Abend ihren Kollegen die Sprache verschlägt. In einer emotionalen Erklärung begründet sie ihren Rücktritt .

Das Amt von Vroni Stelzl wird nachbesetzt. Laut Ergebnis der Kommunalwahlen 2014 würde als Achter auf der Bewerberliste der CSU Philipp Hubbauer – er erhielt 539 der Stimmen – ins Gremium rücken.

Bereits zum 15. August legt die „stolze CSUlerin“, wie sie sich selbst nennt, ihr Amt nieder. Eine Entscheidung, die ihr alles andere als leicht fällt. Das kann sie während der Sitzung nicht verbergen. Sie wirkt geknickt, aber auch erleichtert. Darüber, dass sie nach langem und intensivem Grübeln jetzt diesen Stein auf dem Herzen losgeworden ist. Und der wog schwer.

Stelzl, die ursprünglich aus Kaltenbrunn kommt, wurde in den vergangenen gut zwei Jahren seit den Kommunalwahlen immer wieder Opfer von Anfeindungen aus der Bevölkerung. „Ich hab’ schnell bemerkt, dass es als zugezogene, junge Frau nicht einfach ist, sich in dieser Position bei den Bürgern zu behaupten“, sagt sie. Dass die Arbeit als Gemeinderätin Kritik mit sich bringen, sie ein dickes Fell benötigen würde, das war ihr damals klar. Nicht jedoch in diesem Ausmaß. „Angriffe auf sachlicher Ebene sind ja okay“, macht sie deutlich. „Aber nicht unter der Gürtellinie.“

Das alles ging nicht spurlos an Stelzl vorüber, die üble Nachrede hat sie belastet. Deshalb zieht sie die Reißleine – ihrer Familie, ihrer Kinder und ihrer Gesundheit zuliebe. „Ich hab’ mich wohl überschätzt und bin mit viel zu viel Gefühl und Herzblut an die Projekte rangegangen“, sagt die Vorsitzende des Vereins „Wallgau aktiv“, die sich mit Leib und Seele als Einheimische fühlt. Deshalb setzte sie sich für den Ort und dessen Fortschritt ein. Ihr Credo: „Zusammen und nicht gegeneinander.“ Diesen Rat gibt sie auch den „hetzenden Bürgern im Hintergrund“ mit auf den Weg. In ihren Augen wäre vieles effektiver, man würde besser vorankommen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Gemeinderäte bedauern Stelzls Schritt

Angesichts des Verhaltens so mancher Bürger platzt Robert Kuplwieser (CSU) fast der Kragen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es Leute gibt, die sich noch im Mittelalter befinden“, echauffiert er sich. Fast alle Gemeinderäte bringen in der Sitzung ihr Bedauern über Stelzls Abschied aus dem Gremium zum Ausdruck, respektieren aber ihren Entschluss – angesichts der Gründe. Parteigruppierungen spielen in so einem Fall keine Rolle.

Vielmehr dominiert die Fassungslosigkeit über das Handeln der „Schreier“, wie Fraktionskollege Bernhard Neuner junior diejenigen bezeichnet, die sich im Dorfgeschehen nicht miteinbringen, aber immer krakeelen. „Da fehlt das Rückgrat der Bevölkerung gegenüber dem Gemeinderat.“

Aber wie können sich die Volksvertreter gegen solche Angriffe schützen? Diese Frage brennt Hans Baur (Junge Mitarbeiter) unter den Nägeln. „Ein zweites Mal darf uns sowas nicht passieren.“ Da gibt ihm Zahler vollkommen recht. „Es geht nicht, dass die über uns herfallen wie die Hyänen in der Wüste.“ Unter den Teppich will er dieses Thema auf gar keinen Fall kehren. Stelzls Rücktritt sei eine Mahnung. Deshalb appelliert er an Zusammenhalt. Wallgau müsse begreifen, dass man miteinander den Ort für die Zukunft rüstet. Eine Ansicht, die auch Stelzl weiterhin hartnäckig vertritt – auch ohne ihr Ehrenamt.

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